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Statt Rio: Vizeweltmeister im Trockenrudern

Statt Rio: Vizeweltmeister im Trockenrudern

Nach seinem jüngeren Bruder Jost beendet auch Matthias Schömann-Finck aus Zeltingen-Rachtig seine internationale Karriere im Rudersport. Fünf Tage vor seinem 37. Geburtstag am morgigen Freitag holte er zum Abschluss noch den Vizeweltmeistertitel im Ergometerrudern.

Boston. Wie geht man in einen Wettkampf, wenn man weiß, dass es voraussichtlich der letzte einer Leistungssportkarriere ist? "Im Rennen war das kein Thema", sagt Matthias Schömann-Finck. Während der virtuellen 2000 Meter auf dem Ruderergometer der Weltmeisterschaft in dem, was man als "Trockenrudern" bezeichnen kann, hatte er gar keine Zeit daran zu denken, dass sein vierter Start in Boston wohl sein letzter ist. "Das Rennen war hart. Ein ziemlich übles Ding", erzählt Schömann-Finck. 1600 Meter lag er bei den 30 bis 39 Jahre alten Leichtgewichtsruderern vorn. "Etwa 400 Meter vor Schluss kam von einem Schlag auf den anderen der Mann mit dem Hammer und die letzten 400 Meter wurden dann nur noch Qual und Bangen, dass nicht noch dieser Spanier an mir vorbeirutscht", erzählt der dreimalige Ergometer-Weltmeister (2013-15).
Damián Alonso konnte Schömann-Finck in 6:17,8 Minuten auch noch um 1,4 Sekunden auf Distanz halten. Doch der US-Amerikaner Michael Farry, der sich auf den ersten 1000 Metern zurückgehalten hatte, drehte so richtig auf. 200 Meter vor dem Ziel überholte er Schömann-Finck und siegte mit zwei Sekunden Vorsprung. "Die Geräte sind bei den Ergo-Regatten miteinander gekoppelt. Man sieht auf seinem Display auch die Gegner und den virtuellen Vorsprung beziehungsweise Rückstand", erklärt der von der Mosel stammende Ruderer.
Dass die Ergometer-Ruder-WM sein letzter großer internationaler Wettkampf, wird Schömann-Finck erst jetzt richtig bewusst. "Es ist ein bisschen ein komisches Gefühl, wenn man als sportliches Ziel plötzlich statt Olympia in Rio das Mountainbike-Rennen in Büchel in zwei Wochen hat", erzählt er. Dem Sport und auch dem Rudern werde er verbunden bleiben. Aber nachdem er im letzten Trainingslager der deutschen Leichtgewichts-Riemenruderer in Sevilla nicht den Sprung in den Vierer geschafft hatte, der im Mai um einen Startplatz bei den Olympischen Spielen kämpfen soll, war der Rücktritt für ihn klar. Nach fast 13 Jahren als Leistungsruderer, je einem Weltmeistertitel im Leichtgewichts-Vierer und -Achter und sechs deutschen Meistertiteln war Olympia das, was ihn eine weitere Saison hätte motivieren können.