Tacklen, Taktik, Teamgeist

Noch kämpfen die jungen Frauen bei den Stampers nur zu Übungszwecken - nächstes Jahr geht es aber in die zweite Bundesliga des Footballs. Während sie in der Stadt noch mit der Skepsis anderer hadern, zeigen sie auf dem Platz, wozu sie fähig sind.

Trier. Zwei Schritte wankt der kräftige Mann zurück, als ihm die zierliche 16-jährige Victoria Weyandt ihre Schulter mit Anlauf gegen den Leib rammt. Schmerzen spürt Yannick Schöggl allerdings keine, denn beim Aufprall trennt ihn eine dicke Matte von der Angreiferin. Die Schülerin trainiert heute zum ersten Mal im neuen Football-Damenteam der Trier Stampers und zeigt bei den Angriffsübungen mit dem 23-jährigen Trainer Schöggl vollen Einsatz.
Seit Ende Juni gibt es nun neben der Herren- und den beiden Jugendmannschaften das Damenteam im Trierer Post-Sportverein. Jede Frau ab 16 Jahren darf mitmachen, eine Ausrüstung wird am Anfang gestellt. Immer mehr Frauen kommen dienstags- und donnerstagsabends zum Training auf die Sportanlage in Trier-Pfalzel. 18 Spielerinnen sind inzwischen regelmäßig dabei. "Damit wir in Turnieren spielen können, sollten wir es allerdings auf knapp 30 Spielerinnen schaffen", sagt Rebecca Ertl, die bereits seit zwei Jahren neben ihrem Psychologiestudium Football spielt. 18 Spielerinnen würden theoretisch für ein Turnier reichen, doch einige fallen in der Regel wegen privater Termine oder Verletzungen aus. Zu Beginn spielte Ertl bei den Trier Wolverines, einem Footballteam des FSV Tarforst, das sich inzwischen aufgelöst hat; nun ist sie mit einem knappen Dutzend Mitspielerinnen zu den Stampers gewechselt. Dass es beim Football richtig zur Sache geht, reizt die 21-Jährige genauso wie der Zusammenhalt im Team. Aber nicht jeder traut jungen Frauen die Energie zu, die es im Football braucht: Als das Team auf dem Trierer Christopher Street Day um neue Mitspielerinnen warb, reagierten einige junge Frauen pikiert, als sie von den Footballerinnen angesprochen wurden. Doch wer den Frauen auf dem Platz zusieht, merkt schnell, dass American Football nicht nur etwas für Männer ist. Auch Weyandt als Jüngste im Team hat sichtlich Spaß. Noch wird bei den Stampers-Damen nur trainiert. Um ihr Können in Turnieren messen zu können, fährt Rebecca Ertl mit fünf weiteren Spielerinnen immer wieder nach Aachen und spielt mit dem dortigen befreundeten Damenteam, den Aachen Vampires, in Wettkämpfen. "Im Training mit dem eigenen Team schont man immer unabsichtlich sein Gegenüber, deshalb ist es mir wichtig, ab und zu auch gegen andere Teams zu spielen", sagt sie. Deshalb freue sie sich darauf, dass auch die Stampers-Damen im kommenden Jahr in die zweite Bundesliga einsteigen wollen.
Zusammen mit zwei Trainern und fünf Spielerinnen übt Ertl heute auf der Sportanlage in Pfalzel die Verteidigung in der Line-Position, also an vorderster Front zum Gegner. In der Übung muss sie sich gegen eine andere Spielerin stemmen und sie mit purer Kraft am Weiterkommen hindern. Alle paar Minuten trinken die Frauen aus ihren mitgebrachten Plastikflaschen. Stickig und schwül ist es an diesem Abend, die Schatten der nahe- stehenden Bäume reichen noch nicht auf das Spielfeld und in den Helmen staut sich die Hitze.
Den Stampers-Damen stehen insgesamt fünf Trainer zur Seite. Das ist im American Football üblich, weil der Sport den Spielerinnen vom Blockieren der Gegner über die Teamkoordination bis zum schnellen Rennen zwischen den Gegnern hindurch sehr unterschiedliche Leistungen abverlangt. Diese Besonderheit des Footballs reizt viele im Team: Von athletisch bis stämmig, von groß bis klein kann hier jeder Typ von Körper gebraucht werden.
Mehr Taktik als Raufen


Die neue Spielerin Victoria Weyandt und das übrige Team trainieren unterdessen den Angriff, die Offense, mit Trainer Schöggl und Headcoach Simon Diefenthäler, einem Sozialkunde- und Englischlehrer, der selbst in Trier Football gespielt hat. Diefenthäler ist es wichtig, den Neuen auch taktisches Wissen zu vermitteln. "Im Fernsehen sieht Football nur nach Rauferei aus, aber dahinter stecken komplizierte Strategien - ohne die gewinnt kein Team", sagt er. Bis die Spielerinnen ihre Helme ausziehen und das Feld mit müden Schritten verlassen, ist niemand ernsthaft verletzt worden. Dass es auch anders kommen kann, hat Andrea Loßbrand gemerkt: Wegen einer Knieverletzung aus dem Training kann die 30-jährige Sozialarbeiterin derzeit nur vom Rand aus zusehen. Doch sie sagt: "Das gehört dazu, das ist es definitiv wert."

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