1. Sport
  2. Sportmix
  3. Regional

Tipps zur vorletzten Etappe der Tour de France in den Vogesen

Radsport : Schinden zu den „schönen Mädchen“

Nicht allzu weit von der Region entfernt findet am Samstag ein Spektakel zum Tour-Abschluss statt – Lohnt es sich, hinzufahren?

Wer je in seinem Leben auf der Durchreise schon einmal in dem kleinen vergessenen Vogesen-Flecken Plancher-les-Mines gewesen ist, der dürfte das im Département Haute-Saône nahe Belfort gelegene Dörfchen mit seinen knapp 1000 Einwohnern wohl kaum für lange in Erinnerung behalten. Warum auch? Sehenswürdigkeiten gibt es, sieht man von der schmucken, im neugotischen Stil erbauten Kirche einmal ab, nicht.

Und doch: Immer dann, wenn die  Weltelite der Radsportprofis vorbeischaut, wenn die „Planke der schönen Mädchen“, die „planche des belles filles“, als Rampe voller Lust und Leid wieder einmal zum Martyrium für Muskeln, Sehnen und Lunge wird, dann  werden die südlichen Vogesen zum „grand spectacle“.

So auch heute, am vorletzten Tag der Tour de France 2020. Dann, wenn die ultimative Herausforderung ansteht: Ein Einzelzeitfahren über 36,2 Kilometer, davon die letzten 5,9 Kilometer ab Plancher-les-Mines mit Spitzenwerten von 20  Prozent Steigung hinauf zur sagenumwobenen „Planche des belles filles“. Aufgrund der schnellen ersten 30 Kilometer werden die Fahrer dort mit einer Zeitfahrmaschine beginnen, diese jedoch wahrscheinlich am Fuße der Planche gegen ein leichteres Straßenrad eintauschen

Im „contre la montre“, der erbarmungslosen Schinderei gegen den Uhrzeiger, können sich Podiumsplätze in nichts auflösen und Einzelkämpfer mit einer Energieleistung bis an die körperlichen Grenzen im Gesamtklassement nach vorn gespült werden. 2012  war dort oben das Ziel einer Etappe. Die erste Bergankunft in den Vogesen überhaupt.

Als im Oktober vorigen Jahres das Streckenprofil der Tour bekannt gegeben wurde, war von Corona noch keine Rede gewesen, ging Tour-Veranstalter A.S.O noch von Zehntausenden ausgelassenen Radsportfreunden an der Strecke bis hinauf ins Ziel aus.  Und jetzt? Was ist noch möglich im verseuchten Jahr 2020? Lohnt es sich als Anhänger dieser faszinierenden Sportart überhaupt, die gut 300 Kilometer in die Vogesen in Angriff zu nehmen? Wo darf man noch hin, was bekommt man noch zu sehen, ab wo muss man das Auto stehen lassen?

Was geht für Zuschauer in diesem Jahr?

Die Fernseh-Übertragungen seit Ende August haben den Beweis erbracht: Die Rundfahrt ist nicht isoliert, es gibt auch in diesem Jahr Fans an der Strecke. Aber: es wird ausgedünnt. Unüberschaubare, dicht zusammengepferchte Menschenmassen, durch die sich die Fahrer bis zur Absperrung kurz vor dem Ziel wie durch einen Korridor hindurchkämpfen müssen, wird es nicht geben. Auch Wohnmobile an den steilen Rampen im Gebirge werden nicht zugelassen. Wer also mit dem WoMo anreist, der wird früher ausgeleitet.  Je nach Entfernung zur Strecke wird ein „park and ride“ angeboten.  Das Tragen von Mund-Nase-Bedeckungen als Zuschauer wird empfohlen. Die französische Gendarmerie achtet aber in der Dörfern – davon werden ein paar bis zum Schlussanstieg passiert – darauf, dass Abstandsregeln soweit das möglich ist, eingehalten werden und es nicht zu Menschenaufläufen kommt. Der erste Fahrer geht um 13 Uhr auf die Strecke. Es empfiehlt sich also, mindestens zwei Stunden vorher an einem Standort zu sein, wo man die Pedaleure mit dem jeweiligen Begleitfahrzeug erleben kann.

Und was kommt noch?

Grafik Nr. 101379, Querformat 135 x 90 mm, "Höhenprofil der 20. Etappe mit Karte"; Grafik/Redaktion: dpa-Infografik Foto: dpa-infografik GmbH
Grafik Nr. 101380, Querformat 135 x 90 mm, "Höhenprofil der 21. Etappe mit Karte"; Grafik/Redaktion: dpa-Infografik Foto: dpa-infografik GmbH

Wem das aber alles zu ungewiss ist, der sollte ein Jahr warten. Die „planche des belles filles“ wird auch im kommenden Jahr Teil einer Etappe (wohl wie 2012 eine Bergankunft) sein, die dann in Gerardmer gestartet wird.