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Tour de France des Mountainbiken mit Herztransplatierten

MTB-Rennen Cape Epic : Tour de France des Mountainbiken mit Herztransplatierten

Ostern 2017 erlitt Peter Schermann einen Schlaganfall. Von Sonntag an begleitet der Trierer den Herztransplantierten Elmar Sprink beim Cape Epic in Südafrika, einem der härtesten Mountainbike-Rennen der Welt.

(teu) Acht Tage im Sattel, 647 Kilometer, 15 550 Höhenmeter, das Cape-Epic-Mountainbike-Etappenrennen in Südafrika gilt als eines der härtesten der Welt. Der ehemalige MTB-Olympiasieger Bart Brentjens aus den Niederlanden, der das Rennen bereits mehrmals gewann, nannte es die „Tour de France des Mountainbiken“. Am Sonntag startet mit einem Prolog über 20 Kilometer die 17. Auflage in Kapstadt. Mit dabei ist Peter Schermann.

Für den 32-Jährigen wird es nicht nur wegen dem Renommee des Cape Epic in der Mountainbike-Szene ein besonderes Rennen. Schermann begleitet wie bereits vor zwei Jahren bei einer Alpenüberquerung den Herztransplantierten Elmar Sprink. „Es wird für mich kein richtiges Rennen in dem Sinne. Es geht darum, dass wir gut durchkommen“, erklärt Schermann, der eine Profilizenz hat und sich in den vergangenen Jahren für die MTB-Weltmeisterschaften qualifizieren konnte. Und dass, obwohl er an Ostern vor drei Jahren einen Schlaganfall erlitt. Doch der Volkswirt hatte Glück im Unglück, dass er sich ursprünglich mit einem Freund, einem ehemaligen Rettungssanitäter, zum Radfahren verabredet hatte. Dieser deutete Schermanns Symptome richtig und rief sofort den Notarzt.

Mit seinem optimistischen Wesen kämpfte sich Schermann schnell wieder in den Sport zurück. Genauso wie Sprink. Der 48 Jahre alte Kölner erhielt 2012 ein Spenderherz und gilt als fittester Herztransplantierter der Welt, hat Ironman-Triathlons ebenso bereits bestritten, den Großglockner bestiegen und am Ötztaler Radmarathon teilgenommen.

Aber allein wegen des Alters ist es Schermanns Aufgabe Sprink zu unterstützen. „Ich habe das Werkzeug bei mir, Trinkflaschen und den Trinkrucksack, so dass Elmar so leicht wie möglich ist. An den Verpflegungsstellen werde ich vorfahren, damit er nicht anhalten muss.“

Nichts desto trotz werden die acht Etappen für ihn kein Zuckerschlecken, weiß Schermann aus Erfahrung. Vor zwei Jahren hatte er mit Sprink mit dem Mountainbike beim Trans-Alp-Rennen die Alpen überquert. „Es ist für mich zwar nicht Limit, aber die Tage sind lang, wenn man sechs oder sieben Stunden in der Hitze fährt. Und ich fahre ja nicht meinen Rhythmus.“ Am dritten oder vierten Tag eines solchen Etappenrennens machte sich eine gewisse Grundmüdigkeit breit. „Wenn sich dann Probleme wie ein Platten einstellen, dann muss man gut zusammenhalten“, weiß Schermann.

Ohne Zusammenhalt geht beim Cape Epic sowieso nichts. Denn nicht Einzelkämpfer, sondern immer Teams aus zwei Personen treten an. Dabei spielt der Sicherheitsaspekt eine Rolle. Denn die Strecke führt im Westen Südafrikas teilweise durch entlegene Gegenden. Die beiden Fahrer eines Teams dürfen nie mehr als zwei Minuten auseinander liegen, sonst droht eine Zeitstrafe von einer Stunde.

Cape Epic ist auch diesmal wieder prominent besetzt. So fährt beispielsweise Tour-de-France-Veteran Udo Bölts aus dem pfälzischen Heltersberg ebenso wieder mit mit Bart Brentjes oder die Peking-Olympiasiegerin Sabine Spitz. Insgesamt 2 373 200 Südafrikanische Rand (etwa 130 000 Euro) an Preisgeld sind für Etappenerfolge und das Gesamtklassement ausgelobt. Für Hobbyfahrer, die unter anderem über eine Verlosung einen der rund 1300 Startplätze ergattern können, wird es teuer. 6290 US-Dollar (rund 5700 Euro) kostete die Startnummer für die aktuelle Auflage. Das haben für Schermann und Sprink Sponsoren aus der MTB-Szene übernommen.

Extra: Mountainbike in Südafrika

Der Mountainbikesport hat in Südafrika offensichtlich einen hohen Stellenwert, sagt Peter Schermann. Bereits seit einigen Tagen hält sich der 32-Jährige in dem Land auf. Direkt nach seiner Ankunft fuhr er ein Rennen. „Das ist natürlich ein anderes Terrain, als bei uns: ständig Anstiege, wenn auch nicht allzu lang, und ein rutschiger Untergrund. Und das Niveau der Fahrer ist auch gut, gerade, weil die ja nicht aus dem Winter kommen“, erzählte er nach seinem zwölften Platz. Interessant sei auch, dass viele Hobbysportler morgens um sechs Uhr vor der Arbeit eine Runde mit dem MTB drehen. Technikparcours finde man an jeder Ecke. Auf den Pumptracks sehe man Kinder, die gerade erst das Lauf- gegen ein Fahrrad eingetauscht hatten.