Tragischer Tod an der Felswand

Tragischer Tod an der Felswand

Erneut wird die Berg-Europameisterschaft (EBM) von einem tragischen Todesfall erschüttert: Der Deutsche Georg Plasa, der beim Trierer Bergrennen im Juni noch den Streckenrekord für Tourenwagen verbessert hatte, ist am Sonntag bei einem EBM-Rennen in Italien ums Leben gekommen.

Rieti/Italien. Es passierte rund einen Kilometer vor dem Ziel. Nach einer langen Tempo-Geraden rast der BMW-Pilot Georg Plasa beim italienischen EBM-Rennen "Coppa Carotti" in Rieti bei Rom wohl mit über Tempo 200 in eine Felswand. Das Fahrzeug wird beim Aufprall völlig zerstört, Plasa wird noch lebend aus dem mit einem 570 PS starken Formel-1-Motor angetriebenen Fahrzeug geborgen.
Obwohl Sanitäter sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen, stirbt der 51-Jährige vom Tegernsee im Rettungshubschrauber auf dem Weg in die Gemelli-Klinik in Rom. Das Fahrzeug wurde von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt, die Unfallursache ist völlig unklar.
Defekt mögliche Ursache


Experten sowie Fahrer vor Ort in Italien gehen von einem Fahrfehler aus, möglicherweise soll Plasa zwei Kurven auf der über 15 Kilometer langen Strecke verwechselt haben - an der Unfallstelle gab es fast keine Bremsspuren. Diese Theorie wiegelt Fausto Bormolini, italienischer EBM-Routinier, allerdings ab: "Georg ist ein so erfahrener Pilot. Ich glaube nicht, dass ihm ein solch gravierender Fehler unterläuft", sagte er italienischen Medien. Eher glaubt er an einen technischen Defekt am BMW, den Plasa größtenteils in Eigenregie innerhalb von zwei Jahren für rund eine halbe Million Euro aufgebaut hatte - vor allem mit Teilen aus der Formel 1. Nach dem tödlichen Unfall wurde das Rennen sofort abgebrochen.
Der erfahrene Bayer - mehrfacher Sieger des Europa-Berg-Cups und Deutscher Bergmeister - lag vor dem Rennen in Italien mit seinem neuen BMW auf Rang drei in der EBM-Wertung. Beim Trierer Bergrennen Anfang Juni hatte er den Streckenrekord für Tourenwagen um unglaubliche drei Sekunden auf 1:38.783 Minuten verbessert - und war trotz des Gesamtsiegs des Schweizers Marcel Steiner der gefeierte Star. Alle Fans bewunderten im Fahrerlager den "bayerischen Muskelprotz", waren begeistert von der Fahrleistung Plasas sowie von der Technik, der Optik und dem Sound des BMW.
Die europäische Bergrenn-Szene ist geschockt. "Wir trauern um einen aufrichtigen und weltoffenen Sportsmann, der für den Bergrennsport gelebt hat", heißt es auf der Internetseite des Racing Teams Trier, dem Veranstalter des Trierer Bergrennens.
Bisher kein Unglück in Trier

Rennfahrer Georg Plasa. Foto: privat.


"Es ist unfassbar, wir alle haben einen guten Freund auf tragische Weise verloren", sagte Europameister Simone Faggioli, der in der auf Plasa folgenden Startgruppe in Rieti antreten sollte: "Als Georgs Fahrzeug in Polizeibegleitung von der Strecke gebracht wurde, wusste ich, was passiert war", meinte der Italiener. "Es gibt keine Worte dafür", heißt es von Plasas Team aus jungen Ingenieuren auf dessen Internetseite.
Vor nur zehn Monaten war der frühere Europameister und Ex-Streckenrekordhalter in Trier, Lionel Regal aus Frankreich, beim EBM-Rennen in St. Ursanne (Schweiz) tödlich verunglückt. In 40 Jahren Trierer Bergrennen hat es auf der Kreisstraße 82 zwischen Fell und Thomm noch keinen schlimmeren Unfall mit Schwerverletzten, geschweige denn Toten gegeben. Doch wie sagte schon Rennleiter Hans Willwert im TV-Interview vor dem diesjährigen Rennen: "Wir hatten immer Glück gehabt."