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Trier: Vereine setzen auf Treue der Mitglieder

Sport : Vereine setzen auf Treue der Mitglieder

Sportvereine in der Corona-Krise: Clubs droht wirtschaftliche Schieflage. Gerade jetzt hoffen sie aber auf Solidarität.

Wenn auf Sportplätzen und in Hallen nichts los ist und die Mitglieder, aber auch Zuschauer zu Hause bleiben müssen, gibt es keine Einnahmen. Kosten laufen oft weiter, eine finanzielle Schieflage droht. Austritte von Mitgliedern, weil die meisten Sportangebote ausbleiben (müssen), gibt es bei den vom TV befragten Großvereinen aber bis dato  kaum. „Die große Frage ist, wie lange die Lage so ist und wir wieder in den geregelten Betrieb zurückkehren können“, lässt Dirk Zenzen vom SFG Bernkastel-Kues durchblicken. Die Grundbeiträge der Mitglieder seien nicht an konkrete Leistungen gebunden und würden weiter eingezogen, sagt Zenzen (siehe dazu auch der unten stehende Bericht mit Sportbund-Infos). Für die insgesamt neun hauptamtlichen Mitarbeiter habe man Kurzarbeit beantragt. Insgesamt sei der finanzielle Schaden noch überschaubar: „Wenn die Maßnahmen aber etwa bis zum Jahresende gelten, sähe das anders aus.“

Sensibel müsse man an Sponsoren rangehen – auch vielen Firmen bereitet die Corona-Zeit existenzielle Sorgen. Für den TuS Mosella Schweich betont Präsident Harald Emmrich: „Wir werden jetzt auf keinen Fall hingehen und unseren Sponsoren in der aktuellen Situation Rechnungen stellen.“ Bei der Mosella brechen vor allem die Einnahmen durch Eintrittsgelder und auch Vermietungen weg. Auf der anderen Seite laufen alle Verträge der Übungsleiter weiter und die Betriebskosten sowieso.

Beim Polizei-Sportverein Wengerohr hat man entschieden, im Sommer die Betriebsferien in der vereinseigenen Sportstätte und im Fitnessstudio ausfallen zu lassen. „Das ist quasi ein Ersatz für die jetzigen Ausfälle besonderes im Studio, Aerobic-Bereich und im Rehabilitationssport“, so Geschäftsführerin Claudia Pütz. Ferner regt sie an: „Optimal wäre es, wenn auch die kommunalen Sportanlagen in dieser Zeit eventuell anstatt sechs  nur drei Wochen schließen würden, so dass auch andere Sportarten wie Volleyball, Judo, Ju-Jutsu oder allgemeine Fitnessgruppen nicht noch zusätzliche Ausfälle hinnehmen müssten.

Gebühren würden beim PSV zurückgezahlt, „wenn nicht die Möglichkeit bestehen sollte, die Kurse fortzuführen“.  Weil es im Wittlicher Stadtteil kaum größere Sponsoren gibt, sei man nicht unbedingt von solchen Zahlungen abhängig. „Wenn die Corona-Krise nicht zu lange anhält, wird der Verein seine Ausgaben auch für das angestellte, hauptamtliche Personal weiterhin leisten können“, stellt Pütz klar.

Eine stabile Wirtschaftslage im Verein macht auch Marco Hausen für den TuS Fortuna Saarburg aus: „Wir haben sehr gute und langjährige Partnerschaften mit Sponsoren und Gönnern des Vereins. Hier ist nicht erkennbar, dass absehbar eine Einschränkung eintreten wird.“ Für den TV Bitburg hofft der geschäftsführende Vorsitzende Thomas Elgass, dass „die Sponsoren, deren Verträge im Sommer enden,  uns zu Beginn der neuen Saison – wann auch immer dies sein mag – weiter unterstützen.“

Mit einer großen Verbundenheit rechnet Werner Gorges, Vorsitzender des FSV Trier-Tarforst: „Echte und ehrliche Fans, Mitglieder, Gönner, Abonnenten und Sponsoren bleiben uns sicher während und nach der Krise treu. Gute, nachhaltige und transparente Vereinsarbeit wird bestimmt auch weiterhin honoriert.“

Der FSV bewirtschaftet unweit der Trierer Universität ein großes Sportzentrum.  Hier fehlen derzeit die täglichen Einnahmen aus Hallen- und Veranstaltungsbuchungen. Auf der anderen Seite läuft ein Großteil der bestehenden Personal- und Bewirtschaftungskosten weiter. Gorges geht davon aus, dass sich vorerst Gespräche mit Sponsoren „erst einmal als schwierig gestalten könnten“. Für die sieben Vollzeitkräfte habe man Kurzarbeitergeld beantragt. Klares Ziel sei es, „mit allen Mitarbeitern auch nach der Krise weiter zusammenzuarbeiten“.

Erste Kündigungen von Mitgliedschaften sind bei der Turngemeinde Konz eingegangen, berichtet der sportliche Leiter Christian Albrecht. Auch er setzt aber auf „Solidarität, damit wir einigermaßen gut aus der Krise raus kommen“. Man biete den Mitgliedern an, etwaige Zusatzbeiträge für die einzelnen Abteilungen zu erstatten.

Einen Appell, sich in der aktuell schwierigen Zeit mit den Clubs solidarisch zu zeigen, entsenden die Sportkreisvorsitzenden Michael Maxheim (Trier) und Felix Jäger (Trier-Saarburg) in einer Stellungnahme:  „Vereine kommen in Schwierigkeiten und wissen nicht mehr, wie sie langfristig ihre laufenden Kosten decken sollen.“

Mitglieder sollten dem Verein die Treue halten und die Beiträge weiter zahlen, auch, wenn momentan das Vereinsleben ruhe. Maxheim und Jäger gehen sogar noch weiter: „Jene, die keine finanziellen Einbußen bei monatlichem Gehalt oder Arbeitslohn zu erwarten haben, sollten einmal überlegen, neben dem aktuellen Mitgliedsbeitrag zusätzlich etwas zu spenden.“

Übungsleiter und Trainer fordern sie auf, möglichst zu überlegen, auf ihre Pauschalen, Gehälter oder Honorare für eine kurze Zeit zu verzichten  – auch dann, wenn rechtlich laut Vertrag ihnen diese Pauschale, Gehalt oder Honorar weiterhin zustehe.

Gleichwohl bitten sie die Politik auf unterschiedlichen Ebenen, bei den finanziellen Hilfen den organisierten Vereinssport nicht zu vergessen: „Das, was Sportvereine für das Gemeinwohl leisten, ist es wert, nicht nur in guten, sondern auch in schlechten Zeiten, gewürdigt und unterstützt zu werden.“

Angebote, Sorgen, Chancen: Wie geht Ihr Sportverein aktuell mit der Corona-Krise um? Wir wollen’s wissen. Schreiben Sie uns Ihre Nöte, Pläne und Aktionen gerne per E-Mail an sport@volksfreund.de