Trierer macht den Luxemburgern Beine

Trierer macht den Luxemburgern Beine

Einen Marathon will Erich François nicht laufen. Der Organisationschef des ING Night Marathon Luxembourg fährt Mountainbike. Dass man aber kein eingefleischter Läufer sein muss, um ein Lauf event auf die Beine zu stellen, beweist der aus Rittersdorf stammende Fotograf seit 2006.

Luxemburg/Trier. Am Samstagabend kurz vor Mitternacht klingelte bei Erich François das Handy - wie so oft in den letzten Tagen. Der Organisationschef war immer und überall gefragt. Auch jetzt, mitten in der Abschluss-Pressekonferenz, gibt es organisatorische Fragen. François: "Holt die Gitter bitte zurück", sagt er in den Hörer, um sich dann kurz bei den Journalisten zu entschuldigen.
Der ING Night Marathon Luxembourg, das ist François\' Baby. Der aus Rittersdorf (Eifelkreis Bitburg-Prüm) stammende Fotograf wurde einst von einer Bekannten auf den Düsseldorf-Marathon aufmerksam gemacht. François beschäftigte sich näher mit der Materie und erkannte: Luxemburg ist die einzige europäische Hauptstadt, die keinen Marathon veranstaltet. Und: "Ich wusste immer, dass ich etwas in Luxemburg machen will", sagt er.
Die Premiere wurde gleich zu einem Riesenerfolg. "Ich werde nie vergessen: Wir hatten Wetten abgeschlossen, wie viele Teilnehmer kommen würden. Der höchste Tipp war 2300 - es waren 6000", erzählt François. Der Marathon löste einen Laufboom unter bisherigen Nicht-Läufern in Luxemburg aus. Stück für Stück erhöhte man das Teilnehmerlimit auf nun 10 000. "Wir hätten dieses Jahr locker 3000 mehr haben können", sagt François. Ob das Limit 2014 hochgesetzt wird, darauf wollte er sich am Samstagabend nicht festlegen. Qualität vor Quantität, langsam wachsen, ist seit jeher die Devise.
Der Erfolg des Luxemburger Marathons liegt vielleicht auch gerade darin, dass François kein Läufer ist. "Ich bin Mountainbiker", erzählt er, wie er sich fit hält für die 15, manchmal auch 16 Stunden langen Arbeitstage vor der Veranstaltung.
"Das erste Mal haben wir im Büro geschlafen", erinnert er sich. Bei so einem Job ist Kondition Grundvoraussetzung. Dass er als Nicht-Läufer die Organisation aus einem anderen Blickwinkel sieht, kommt der Veranstaltung in vieler Hinsicht zugute. Die Stimmung ist wichtig. Samba-Bands (in jedem Jahr rund 30), die nicht nur Läufer, sondern auch Zuschauer unterhalten, sind ein Aspekt, um auch die Bevölkerung auf die Straße zu bekommen. Als Fotograf legt François Wert auf optische Reize. Heißluftballons, Kerzen, die Lichtshow beim Zieleinlauf - das alles schafft eine einmalige Atmosphäre.
Und die möchte er wirklich nicht einmal aus der Marathonläufer-Perspektive erleben? Nein, Erich François bleibt konsequent - noch. teu