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Triers unbekannter Erstligist

Trier. Kaum Fans, kaum Beachtung: In Trier gibt es einen Erstligisten, den so gut wie niemand kennt. Dabei schlägt sich der Pool-Billard-Club in Deutschlands höchster Spielklasse recht anständig. Mirko Blahak

Trier. Seine Prognose klingt niederschmetternd. "Fragt man 100 Leute in der Stadt, weiß vielleicht einer, dass es uns gibt." Gut möglich, dass Bruno Ernst mit seiner Einschätzung tatsächlich eher Realist denn Pessimist ist.
Der 54-Jährige steht dem Pool-Billard-Club (PBC) Trier vor, der nach einer Aufspaltung in der Billard-Interessen-Gemeinschaft Trier im Jahr 1997 entstanden ist. Ernst war in den 1980er Jahren Deutscher Meister und Vizeeuropameister. Bis zum Jahr 2010 führte er das Billard-Café Tropical in der Trierer Paulinstraße. Dort ist der PBC beheimatet. Dort trägt der Verein seine Meisterschaftsspiele aus, oft vor null Zuschauern. Und das, obwohl an der Mosel seit November 2010 wieder Bundesliga gespielt wird. Nach einem Absturz in die Regionalliga ging es in den vergangenen Jahren sportlich wieder bergauf.
Acht Teams gehören zur höchsten deutschen Spielklasse. Es gibt zwei Absteiger. Als Tabellenfünfter nach acht Spieltagen hat Trier realistische Chancen auf den Klassenerhalt. Pro Saison gibt es insgesamt 14 Spieltage (siehe Hintergrund). Die Reisen führen den PBC bis nach Dachau und Osnabrück. 5000 Euro muss der Club nach Aussage von Bruno Ernst pro Saison für den Spielbetrieb berappen. Sie fallen vor allem für Fahrten und Übernachtungen an. Gestemmt wird das Saisonbudget dank kleinerer Sponsoren. Die Spieler verdienen kein Geld. Triers Bester - Marko Vogel aus Ratingen bekommt immerhin eine Aufwandsentschädigung. "In Deutschland gibt es vielleicht zwei, drei Spieler, die mit Pool-Billard Kasse machen", sagt Ernst.
Theoretisch kann ein Verein pro Bundesliga-Partie bis zu acht Spieler nominieren. Der PBC Trier ist froh, eine Handvoll Top-Spieler aufbieten zu können. Den Stamm bilden neben Vogel die Luxemburger Steve Leisen und Gregory Barticcioni, Team-Senior Ralf Mund aus Trier (47) sowie Nachwuchshoffnung Tim Görgen aus Wincheringen (19). Ab und an mischt auch Ernst noch mit, vornehmlich ist der gebürtige Pfälzer jedoch Spielführer der zweiten PBC-Mannschaft in der Verbandsliga. Eine hohe Konzentrationsfähigkeit, räumliches Sehvermögen, Kombinationsgabe das zeichnet aus Sicht von Ernst einen guten Poolbillard-Spieler aus.
Wichtig für jeden Akteur ist sein Queue, der Stock, mit dem die Kugeln gestoßen werden. "Wenn man einem Spitzenspieler das persönliche Queue wegnimmt und ihm ein fremdes gibt, spielt er nur noch halb so gut", sagt der 54-Jährige. Die Bundesliga-Spiele werden stets an vier Tischen gleichzeitig ausgetragen. Im Billard gibt es laut Ernst durchaus einen Heimvorteil trotz einheitlicher Tischgrößen (2,54 Meter mal 1,27 Meter Spielfläche) und trotz von der Deutschen Billard-Union gestellter einheitlicher Tischbeläge. Ernst: "Je nach Luftfeuchtigkeit und Raumtemperatur laufen die Kugeln auf dem Belag sehr unterschiedlich." Die Einhaltung der Regeln überwachen Schiedsrichter. "Generell geht es im Billard sehr fair zu. Pro Spiel kommt es vielleicht zu ein, zwei strittigen Entscheidungen", sagt Ernst, der mit Blick auf die Zuschauergunst etwas neidisch zu Bundesliga-Konkurrent Dachau blickt: "Dort verfolgen manchmal bis zu 200 Fans die Heimspiele." In Trier sieht das anders aus. Auch die Nachwuchsarbeit ist schwierig. Ernst: "Heute spielt die Jugend Billard lieber am Computer."
Die nächsten beiden Bundesliga-Spiele bestreitet der PBC zu Hause im Café Tropical (Paulinstraße 76). Am Samstag, 18. Februar, ist der Tabellenführer BC Oberhausen zu Gast (14 Uhr), am Sonntag, 19. Februar, dann der Tabellenletzte BSG Osnabrück (11 Uhr). Zuschauer sind willkommen. Weitere Informationen: www.billardarea.de
Extra

Beim Billard werden bis zu 35 Spielarten unterschieden. Zu den populärsten Varianten zählen Poolbillard, Snooker und Carambolage. Der Carambolage-Tisch hat keine Löcher. Bei dieser Disziplin geht es nicht um die Versenkung von Kugeln in Taschen im Gegensatz zum Poolbillard und Snooker. Diese beiden Disziplinen wiederum unterscheiden sich nicht nur in den Regeln. Der Snooker-Tisch ist im Vergleich zum Billard-Tisch größer. Die Tascheneinläufe sind nicht eckig, sondern rund. Die beim Snooker verwendeten Kugeln sind zudem etwas kleiner. In der Poolbillard-Bundesliga besteht eine Partie aus acht Begegnungen (jeweils Eins-gegen-eins-Duelle). Dabei werden vier Spielarten zwei Mal absolviert. 14.1 endlos: Auf dem Tisch liegen alle 15 nummerierten, farbigen Kugeln sowie die weiße Spielkugel. Jede versenkte Kugel zählt einen Punkt. Der Spieler, der als erster 125 Punkte gesammelt hat, gewinnt. 8-Ball: Diese Disziplin kennen die meisten Kneipen- und Freizeitspieler: Ein Akteur muss die komplett farbigen Kugeln (die "Vollen") versenken, der andere die mit einem farbigen Streifen versehenen Kugeln (die "Halben"). Wer seine Farbe weggespielt hat, muss noch die schwarze "8" in der Tasche unterbringen. 9-Ball: Hierbei liegen nur die Kugeln mit den Nummern eins bis neun auf dem Tisch. Bei jedem Stoß muss die Kugel mit der niedrigsten Zahl zuerst angespielt werden. Wer zuerst die Nummer neun korrekt locht, gewinnt. 10-Ball: Im Spiel sind die Kugeln mit den Nummern eins bis zehn. Sie müssen wie beim 9-Ball in aufsteigender Reihenfolge gelocht werden, wobei angesagt werden muss, in welche Tasche gespielt wird. Eine Bundesliga-Partie dauert im Schnitt maximal vier Stunden. Der höchstmögliche Sieg fällt mit 8:0 aus, es gibt aber auch 4:4-Unentschieden. Für ein Remis bekommt eine Mannschaft einen Punkt, für einen Sieg drei Zähler. bl