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Trommeln, bis der Alltag flieht

Trommeln, bis der Alltag flieht

Faible für den WM-Gastgeber Brasilien: Die Trommelgruppe SambaSistas aus Wittlich gibt vor allem bei Laufveranstaltungen den Rhythmus vor.

Wittlich. Rufen Sie auf dem Handy an, wenn Sie da sind - die Türklingel werden wir eher nicht hören! Der TV-Reporter bekommt vor dem Besuch der SambaSistas-Probe eine kleine Vorwarnung von der Leiterin Judith Friedrich. Es wird laut. Nicht brachial, es ist ja nun keine Metalband. Aber schon so laut, dass an Smalltalk während des rhythmischen Trommelns nicht zu denken ist. Ein Samstag im Haus der Jugend Wittlich. Hier proben die SambaSistas seit rund zehn Jahren. Gegründet wurde die Gruppe ursprünglich in Bettenfeld (Kreis Bernkastel-Wittlich) von Michaela Bell, inzwischen geben die promovierte Zahnärztin Judith Friedrich und Sylvia Jungen den Takt vor. Oder sie pfeifen ihn.
Die Leiterin hat sich vor Ort die Begeisterung für die Sambatrommeln abgeholt. "Ich habe drei Monate in Recife gearbeitet, in einer Zahnstation, in der wir Straßenkinder behandelt haben", sagt Judith Friedrich, "und die lag gegenüber von einer Sambaschule."
Bei Assoziationen an Brasilien mag schnell die Klischeefalle zuschnappen: Strand, Sonne, Samba, Lebensfreude. Aber das ist nur die halbe Wahrheit.
Was den Reiz ausmacht? Da kommen die Antworten der SambaSistas zackzack - 14 sind bei der Probe dabei, 13 Damen, ein Herr. "Ich powere mich aus", sagt eine. Und: Den Kopf ausschalten. Nur den Rhythmus spüren. Den Alltag wegtrommeln. Das geht in Wittlich fast so gut wie in Recife oder Rio. Die Sambarhythmen sind komplex, schnell, nicht unbedingt leicht zu lernen. Aber auch Anfänger können sich schnell integrieren, sagt Judith Friedrich. Die Auswahl an Percussioninstrumenten ist groß: von der Surdo, einer Basstrommel, über die Caixa - vergleichbar mit einer Snaredrum - zu Agogôs (Metallglocken) oder den kleineren Trommeln Timba oder Repinique. Samba zu tanzen - das überlassen die Wittlicher anderen Gruppen. Sie konzentrieren sich auf die Rhythmen und kleinere Choreographien. Die Auftrittsmöglichkeiten sind bunt gemischt. Friedrich: "Wir spielen häufig bei Läufen, etwa beim Silvesterlauf in Trier, sind aber auch schon beim Christopher Street Day oder beim Karneval als Fußgruppe aufgetreten." AF