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Sport
TV-Serie Spochtipedia: Snooker - der britische Riese

Der Trierer Tim Goergen kennt sich im Billard bestens aus - allerdings vor allem im Pool-Billard, wo er Junioren-Europameister war. Er weiß auch, warum in Deutschland viel seltener Snooker gespielt wird als etwa in Großbritannien. In Trier gibt es aktuell gar keinen Snooker-Tisch. TV-Foto: Archiv/Ludwig Hoff
Der Trierer Tim Goergen kennt sich im Billard bestens aus - allerdings vor allem im Pool-Billard, wo er Junioren-Europameister war. Er weiß auch, warum in Deutschland viel seltener Snooker gespielt wird als etwa in Großbritannien. In Trier gibt es aktuell gar keinen Snooker-Tisch. TV-Foto: Archiv/Ludwig Hoff FOTO: Ludwig Hoff (LH) ("TV-Upload Hoff"
Trier. Snooker ist auf den Britischen Inseln seit langem eine Topsportart, in Deutschland haben die Tourniere regelmäßig hohe Einschaltquoten und trotzdem ist der Sport im Trierer Raum so gut wie ausgestorben. Johann Wacht

"Warum schreibst du nicht über Pool-Billard?", fragt Tim Goergen verwundert, als ihn die Interviewanfrage zum Thema "Snooker in der Region Trier" erreicht. "Snooker im Trierer Raum? Da kenne ich niemanden. Da wird sich auch niemand finden, glaube ich!" Mit dieser Einschätzung liegt Goergen richtig. Im Billard-Café Royal stand bis vor ein paar Jahren der letzte Snookertisch in Trier.
Goergen weiß, wovon er redet, er selbst hat bis vor zwei Jahren in Trier insgesamt sieben Jahre lang Pool-Billard gespielt, war Junioren-Europameister und spielte mit dem Pool-Billard-Club (PBC) Trier in der ersten Bundesliga. Doch woran liegt es, dass hierzulande lediglich etwa 4000 Hobbysportler die Billard-Variante Snooker spielen, wohingegen in Großbritannien die Spieler längst prominente Spitzensportler und Multimillionäre sind - und der Sport von Millionen Fans begeistert betrieben wird? Wenn jedes Jahr im Crucible Theatre in Sheffield die Stars der Szene bei der World Snooker Championship um die World Snooker Championship spielen, schauen sich auch in Deutschland regelmäßig Hunderttausende Zuschauer in Eurosport den Kampf um den Titel an. Insgesamt 1,75 Millionen Pfund wurden dieses Jahr allein bei diesem Turnier als Preisgeld ausgeschüttet. Der Anstieg der Preisgelder ist auch durch den Boom in China zu erklären. Mit Ding Junhui ist seit über einem Jahrzehnt ein chinesischer Snookerspieler einer der Topstars. Firmen aus China gehören zu den Top-Sponsoren im Turnierzirkus und dank Ding Junhui hat Snooker im Reich der Mitte traumhafte Einschaltquoten von über 100 Millionen Fernsehzuschauern.
Dieser Ding Junhui hat auch bereits das wichtigste Turnier in Deutschland gewonnen. 2014 konnte er die German Masters für sich entscheiden. Es ist einer von weltweit 19 Ranglisten-Turnieren und gehört zur Snooker Main Tour. Im Berliner Tempodrom kommen so viele Zuschauer pro Tag wie zu keinem anderen Turnier in der Welt und das obwohl es keinen deutschen Topspieler im Snooker gibt. Mit 20 000 Zuschauern rechnet der Veranstalter jährlich. Doch trotz der Begeisterung vor den Fernsehgeräten und an den Turnieren in Deutschland hat der Sport unter den Aktiven nur wenige Anhänger. Auch Goergen hat sich die Frage, warum es in Deutschland so wenige aktive Snookerspieler gibt schon oft gestellt, er hat dafür eine simple Erklärung: "Ich denke, dass es sicherlich auch wirtschaftliche Gründe dafür gibt. Snookertische sind mit einer Länge von über 3,5 Metern deutlich größer als Pooltische. Und ein einzelnes Spiel dauert im Normalfall länger. Wenn ein Café eröffnet und die Wahl hat zwischen 16 Pooltischen oder 8 Snookertischen, wird es sich aufgrund der höheren Einnahmen für die Pooltische entscheiden." Dabei hat auch ihn der Sport schon gereizt. Bei einem Pool-Billard-Turnier standen in den Räumlichkeiten auch Snookertische. "Der Unterschied ist schon beeindruckend. Die Dimensionen des Tisches sind gigantisch, die Bälle sind kleiner und die Löcher auch. Es ist einfach viel schwerer", erzählt Goergen mit einem Lachen von seiner Erfahrung in der ihm unvertrauten Sportart. "Da fragt man sich schon, wie die das im Fernsehen hinbekommen." Der Respekt des erfahrenen Pool-Spielers ist hoch. Eine andere Erklärung hat Ben, Student in Trier und ebenfalls Pool-Billard Spieler. Jedoch bekennt er sich klar zum Snooker: "Ich spiele nur Pool-Billard, weil es in meiner Umgebung keine Möglichkeit gibt, Snooker zu spielen." Mit diesem klaren Bekenntnis macht er sich unter den Mannschaftskollegen nicht beliebt. Er hat noch eine weitere Vermutung, warum in Billard-Cafés Pooltische stehen und keine Snookertische, "ich glaube, es liegt auch an den Regeln, eine Rote zu spielen und dann eine Farbe, immer abwechselnd - und dann auch noch die Punkte im Kopf mitzurechnen. Das schaffen die meisten in den Kneipen zumindest in Kombination mit Alkohol nicht mehr. Dazu kommt, dass die meisten Ungeübten die Löcher auf einem Snookertisch schon nüchtern nicht treffen." Wer auf den Geschmack gekommen ist und die Herausforderungen des Snookers selbst erleben will, hat dazu in Rheinland-Pfalz in Koblenz, Speyer und Bingen die Gelegenheit.