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Über den Tellerrand hinaus schauen: Bernkastel-Kueser Vereine gewinnen

Leistungssportförderung : Über den Tellerrand hinaus schauen

Die Zusammenarbeit von ältestem und jüngsten Bernkastel-Kueser Sportverein, dem Bernkastel-Kueser Ruderverein und dem Schwimmclub White Sharks, wurde ausgezeichnet.

„Wir sind komplett ausgebremst“, bedauert Udo Valerius. Die Schwimmer des erst 14 Monate alten Vereins White Sharks können wegen der Schließung der Schwimmbäder im Zuge der Corona-Infektionsschutz-Maßnahmen genauso wenig ihren eigentlichen Sport trainieren, wie viele andere auch. Aber einen Motivationsschub gab es kürzlich für den jüngsten Bernkastel-Kueser Sportspross ebenso wie für den ältesten. Die Kooperation von White Sharks (gegründet 2019) und Bernkastel-Kueser Ruderverein (BRV, gegründet 1874) wurde beim Leistungssportwettbewerb „Bäm Plopp Boom“ des Landessportbundes Rheinland-Pfalz mit einer Fördersumme von 2500 Euro ausgezeichnet. „Damit haben wir gar nicht gerechnet“, gesteht der zweite BRV-Vorsitzende Thomas Ruf.

Was wird beim Projekt „Swim&Row“ honoriert? „Normal kocht jeder sein eigenes Süppchen. Wir sehen den Sport als Ganzes, schauen über den Tellerrand hinaus“, sagt Valerius. Davon sollen sowohl Ruderer als auch Schwimmer profitieren. „Wir Ruderer schwimmen ja auch im Wintertraining“, erzählt Ruf. Zufällig lagen in der Vor-Corona-Zeit die Trainingszeiten von BRV und Sharks im Bernkastel-Kueser Hallenbad beieinander. Man traf sich, kam ins Gespräch und merkte, dass man sich gegenseitig helfen kann. Die Sharks den Ruderern im Schwimmbecken und der Kraftraum im BRV-Bootshaus ist etwas, was die Schwimmer bisher schmerzlich vermissten. Ruderer müssen nicht allein aus Sicherheitsgründen sichere Schwimmer sein, das Training hilft ihnen auch, sich kraftvoll in Riemen und Skulls zu legen.

Thomas Ruf nennt als Beispiel Oliver Zeidler. 2014 und 2015 war der 2,03-Meter-Hüne aus Bayern deutscher Jahrgangsmeister im Schwimmen. Als sich dessen Trainingsgruppe Ende 2016 auflöste, stieg der damals 20-Jäherige ins Ruderboot statt ins Schwimmbecken. Bereits im vergangenen Jahr wurde er Europa- und Weltmeister im Einer.

Valerius sieht in zusätzlichen und noch abwechslungsreicheren Trainingsmöglichkeiten einen Baustein für weitere Leistungssteigerungen. „Wir erhoffen uns noch einen weiteren Sprung nach vorn durch diese Impulse“, sagt der zweite Shark-Vorsitzende. Sechs Schwimmer hätten momentan bereits Rheinland-Pfalz-Niveau. Eine stehe sogar an der Schwelle zur Qualifikation zu deutschen Meisterschaften. Wenn die Corona-Krise nicht dazwischen gekommen wäre.

Ruf betont, dass auch die Schwimmer die Bewegungserfahrung im Ruderboot machen sollen. „Die Schwimmer kommen auch alle mal ins Boot. Andersrum ist es ja schon so gelaufen.“ Das wird wegen der momentanen Einschränkungen aber wohl noch etwas dauern. „Im Einer kann man zwar rudern, aber mit Anfängern geht man erst in die Großboote“, erklärt Ruf. Das ist momentan genauso wenig möglich, wie Schwimmtraining. Die White Sharks halten sich deshalb individuell nach Trainingsplänen an Land fit. „Es ist aber eher Motivation weiter zu machen. Alle fiebern der Nach-Corona-Zeit entgegen“, sagt Valerius.

Wenn wieder halbwegs normal trainiert werden kann, sollen auch die gewonnenen Fördermittel investiert werden. Zum einen in ein neues Krafttrainings-Gerät für den gemeinsam genutzten Fitnessraum. Aber auch in ein gemeinsames Trainingslager der gut 20-köpfigen Leistungssportgruppe. „Aber ich denke, das wird dann doch erst nächstes Jahr sein“, bedauert Ruf.