Unerwartete Freude, schmerzliche Tragik

Unerwartete Freude, schmerzliche Tragik

Zum fünften Mal in Folge erreichen mehr als 3000 Teilnehmer das Ziel beim Trierer Stadtlauf. Nora Schmitz von PST Trier gewinnt über zehn Kilometer.

TRIER Nora Schmitz konnte ihr Glück kaum fassen. Es war kein leichtes Zehn-Kilometer-Rennen für die 25-Jährige vom Post-Sportverein Trier (PST). Irgendwie lief es trotz angenehmer Temperaturen um 20 Grad am Sonntagmorgen um 9 Uhr nicht so locker beim 34. Trierer Stadtlauf. "Es war ganz schön hart heute. Die Zeit war mir irgendwann egal. Ich war nur noch froh, dass ich gewinnen konnte", sagte die angehende Lehrerin.
Schmitz konnte alle Schmerzen während des Rennens im Freudentaumel schnell vergessen. Bei Samuel Fitwi Sibhatu tat es nach dem Lauf nur noch mehr weh. Die Enttäuschung, dass er trotz der besseren Ergebnisse in diesem Jahr Yonas Kinde den Sieg nicht hatte streitig machen können, vergrößerte den körperlichen Schmerz seines lädierten Schienbeins. "Das gehört zum Sport dazu", sagte Willy Oelert von der LG Vulkaneifel (LGV). Doch auch die Worte seines Trainers konnten den 21 Jahre alten Flüchtling aus Eritrea, der in den vergangenen Monaten für Furore in der Region gesorgt hatte, in dem Augenblick nicht trösten.
Mehr als 3000 Mal Freude und Tragik gab es am Sonntagvormittag auf der Simeonstraße vor der Porta Nigra. Wobei die Freude beim 34. Trierer Stadtlauf weit überwog. Strahlende Gesichter vom kaum dreijährigen Bambino bis zum 78 Jahre alten Senior Helmut Michel aus Bell im Hunsrück (zehn Kilometer in 1:18:17 Stunden). 3425 Läufer erreichten das Ziel. 3824 waren gemeldet. Das ist das viertbeste Ergebnis nach dem Rekordjahr 2015 (3834/4151), 2016 (3621/3982) und 2013 (3497/3902).
Die Hauptrennen im Einzelnen:
alwitra Zehn-Kilometer-Lauf:
Aus dem Streckenrekord (30:57 Minuten) wurde nichts, aber Yonas Kinde konnte in 31:27 Minuten seinen Vorjahressieg wiederholen. "Ich bin unglaublich froh, dass das wieder geklappt hat", sagte der Äthiopier, der als Flüchtling in Luxemburg lebt. Denn diesmal wurde es dem 37-Jährigen besonders schwergemacht. "Ich habe bis Kilometer vier Tempo gemacht. Bis Kilometer acht konnte ich mithalten, dann tat der Fuß zu weh", erzählte Samuel Fitwi Sibhatu. Nur humpelnd konnte er sich in 32:11 Minuten vor dem Ukrainer Ivan Musiyako (32:24) als Zweiter über die Ziellinie retten. PST-Läufer Alexander Bock war als Viertter in 33:06 Minuten bester Deutscher.
Große Freude dagegen bei Nora Schmitz nach ihrem zweiten Stadtlauf-Sieg nach 2015. In 37:26 Minuten war sie zwar gut eine halbe Minute langsamer, als als Zweitplatzierte des Jahres 2016 (36:52), der unerwartete Sieg vor der Saarländerin Martina Schumacher (LC Rehlingen/37:35) und der Luxemburgerin Jessica Schaaf (38:25) entschädigte aber mehr als genug. (siehe Artikel unten).
Hafen-Trier-Halbmarathon:
Wenn wundert's, dass der Sieg im 21,1-Kilometer-Rennen an den aus Äthiopien stammenden Demeke Wosene ging? "Haile Gebrselassie war mein Vorbild", erinnerte der 30-Jährige daran, dass er seinem berühmten Landsmann, der 2009 den Trierer Silvesterlauf gewann, nacheiferte. In 1:08:58 Stunden setzte sich der für die LG Rüsselheim startende Wosene klar gegen die aus Eritrea geflüchteten Eyob Solomun (1:09:47) und Semere Fsehatsion (1:12:56) durch. Als Fünftplatzierter und Bester über 40 Jahre war Patrick Heim vom Sirona-SC Morbach in 1:15:08 Stunden auch schnellster Deutscher.
Bei den Frauen dominierten dagegen die Läuferinnen aus dem Südwesten der Republik. Stadtlauf-Dauergast Heike Kohler (seit 2013 jedes Jahr auf dem Podium über Halbmarathon) freute sich, dass sie in 1:23:42 Stunden gut eine Minute schneller war als vor einem Jahr. "Wie ich das gemacht habe, weiß ich auch nicht", sagte die 43-Jährige. Mit einem Überraschungsangriff sicherte sich Marina Wierz den zweiten Platz. Im Getümmel, bevor sich Zehn-Kilometer- und Halbmarathon-Strecke hinter dem Hauptmarkt rennt, überholte die Läuferin vom LT Schweich zusammen mit Coach Dirk Engel mit einem Kilometer in 3:40 Minuten die bis dahin zweitplatzierte Marion Azouagh. "Ich hätte nicht gedacht, dass ich heute so schnell laufen würde", freute sich Wierz über 1:28:26 Stunden.
SWT-Firmen- und Sparkassen-Publikumslauf (5,4 km):
Das gemeinsam gestartete Kurzstreckenrennen ist mit insgesamt 963 Finishern mittlerweile der zweitgrößte Einzelwettbewerb. Claudia Flesch vom Team "Der TV bewegt" des Medienhauses Trierischer Volksfreund in 22:47 Minuten und Lucas Meyer von der TG Konz in 19:27 Minuten waren die Schnellsten.