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Verein kündigt seinen Spielern

Verein kündigt seinen Spielern

Der FSV Trier-Tarforst wächst und wächst - und zieht nun die Reißleine.

Trier Eine Whatsapp-Nachricht, die von der Jugendleitung an Spieler der C-Junioren versendet wurde, sorgt beim FSV Trier-Tarforst momentan für Aufregung. "Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen, aber wir haben uns dazu entschieden, dass Du nächste Saison nicht mehr dabei bist. Tut uns leid." So lautet die Kernbotschaft der Mitteilung via Mobiltelefon. Sowohl die 13-/14-jährigen Spieler, wie auch zahlreiche Eltern fühlen sich vor den Kopf gestoßen. "Als mein Sohn Colin diese Whatsapp erhalten hat, wollte er sofort aufhören, Fußball zu spielen, obwohl er schon seit den Bambini dabei ist. Er war fix und fertig", berichtet Det Muthers. So, wie er, kritisieren auch weitere Eltern in Gesprächen mit dem TV vor allem die Art und Weise dieser weitreichenden Entscheidung des Vorstandes, die rund 30 der bisherigen 70 C-Jugendspieler des FSV angeht.Statt drei, will der Verein in der neuen Saison nur noch zwei Mannschaften in dieser Altersklasse an den Start schicken. Mit wem man weiter zusammenarbeiten möchte, wurde unter anderem in einem Sichtungstraining eruiert. Nachwuchsspielern zu kündigen, habe man sich reiflich überlegt, betonen sowohl Jugendleiter Dominik Wintersig, wie auch Vorsitzender Werner Gorges. "Ab der C-Jugend beginnt für uns der Leistungsbereich, um konsequent und top auszubilden. Aufgrund unserer ersten Mannschaft, die auf hohem Niveau in der Rheinlandliga spielt, haben wir uns ganz bewusst dazu entschieden", sagt Wintersig auf TV-Anfrage. In der abgelaufenen Saison schickte der seit Jahren boomende FSV alleine im Nachwuchsbereich 17 Teams zwischen den A-Junioren und den Bambini ins Rennen. Hinzu kamen drei Senioren, eine Altherren- und eine Frauenmannschaft. "Angesichts unserer enormen Platzknappheit waren wir auch zum Handeln gezwungen", fügt Clubchef Gorges an. Der Rasenplatz an der Kohlenstraße kann in den Wintermonaten kaum oder gar nicht genutzt werden. Auf dem einen Steinwurf entfernten Kunstrasen am Trimmelter Hof würden sich in Spitzenzeiten bis zu acht (!) Mannschaften gleichzeitig zum Training tummeln, berichtet Dominik Wintersig - und gibt zu bedenken: "Wenn wir den Spielern auf die Dauer nur unzureichende Bedingungen anbieten könnten, wäre der Aufschrei bei den Eltern bestimmt doch auch groß gewesen."Den Akteuren habe man empfohlen, sich umliegenden Vereinen wie dem SV Trier-Irsch oder dem SV Olewig anzuschließen. Selbstkritisch räumen die FSV-Verantwortlichen ein, dass der Weg, die Spieler per Whatsapp zu benachrichtigen, der falsche gewesen sei. "Wir hätten den direkten Kontakt suchen und die Spieler und deren Eltern im Gespräch davon unterrichten müssen", gesteht Wintersig ein. Die FSV-Verantwortlichen haben inzwischen eingelenkt und wollen in Kürze (Vorsitzender Gorges befindet sich noch bis Ende der Woche im Urlaub) zu einem Elternabend einladen. Hier soll es auch darum gehen, mögliche Kompromissmöglichkeiten auszuloten. "Ein Ansatz ist, die Idee zu besprechen, eventuell doch eine CIII, dann aber mit eingeschränktem Trainingsumgang, anzumelden", lässt Gorges durchblicken. Den Vorwurf von Teilen der Eltern, dass der FSV über einen Aufnahmestopp für Jugendspieler nicht früher für eine Entspannung der Situation gesorgt hat, lässt Gorges nur bedingt gelten: "Es bestand schließlich immer noch die Hoffnung, dass wir auch auf dem Uni-Platz trainieren und spielen können. Trotz einiger guter Gespräche mit den dortigen Verantwortlichen lässt sich aufgrund der Nutzungspläne und Besitzverhältnisse aber keine schnelle Lösung realisieren."KommentarMeinung

Die Entwicklung erkennenDie jahrelang sehr gute Nachwuchsarbeit und der stetig wachsende Stadtteil lassen den FSV Trier-Tarforst, aber auch andere Trierer Vereine (allmählich) aus allen Nähten platzen. Ein bis zwei Sportplätze in den Sommermonaten und die (äußerst geringen) Hallenkapazitäten reichen da im Grunde genommen schon länger nicht mehr aus, um den Kindern und Jugendlichen ein adäquates Training anzubieten. Die Kunst liegt darin, rechtzeitig zu erkennen, wie sich die Mitglieder- und damit auch die Aktivenströme entwickeln und entsprechend frühzeitig zu handeln. Ein Aufnahmestopp ist allemal das geringere Übel und sorgt auch für einen weniger großen Aufschrei, als dann später zum Teil langjährigen Jugendspielern zu kündigen.