Viel Auswahl, mehr Druck

Zehn Spiele, zehn Siege, 43:4 Tore. Und zum Abschluss der WM-Qualifikation ein 5:1 (1:1) in Kaiserslautern gegen Aserbaidschan, das Bundestrainer Joachim Löw in der ersten Halbzeit wegen einiger Nachlässigkeiten fast auf die Palme brachte: Man nimmt dem Bundestrainer gerne ab, dass ihm der Rekord mit der besten WM-Quali aller Zeiten herzlich egal ist.

Die Gruppe war viel zu schwach, sie war kein Maßstab - und die Unterforderung in vielen Spielen ist eher schädlich als hilfreich. So war das WM-Ticket für den amtierenden Weltmeister nur eine Selbstverständlichkeit. Die Qualifikationsrunde hat aber gezeigt, dass Löw diesmal mehr potenzielle WM-Kandidaten hat als beim Titelgewinn vor vier Jahren. Er kann auf den meisten Positionen ohne großen Qualitätsverlust auf Ausfälle reagieren. Das erhöht den Konkurrenzdruck. Löw wird bei der Kaderzusammenstellung harte Entscheidungen treffen müssen. Das sind keine schlechten Vorzeichen für die WM in Russland. Aber allzu optimistisch sollte man in puncto Titelverteidigung nicht sein. So werden die Erwartungshaltung - und der Druck - im Juni 2018 deutlich größer sein als 2014 in Brasilien.
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