Viel Rauch um Nouri

Fußball: Trainer von Werder Bremen steht in Mainz vor persönlichem Endspiel.

Bremen (dpa) Dass sich Alexander Nouri angesichts der immer stärker werdenden Kritik an seiner Arbeit beleidigt zurückgezogen hätte, das kann man ihm nun wirklich nicht vorwerfen. Am Sonntag mischte sich der Werder-Coach beim Auslaufen unter seine Spieler, am Dienstag stellte er sich geduldig den Medienvertretern zur XXL-Fragerunde, und am Donnerstag saß er gut gelaunt Seite an Seite mit Bremens Sportdirektor Frank Baumann in der Pressekonferenz. Nouri trat die Flucht nach vorne an, auch wissend, dass die öffentlichen Auftritte womöglich seine letzten als Trainer von Werder Bremen sein könnten.
Die Ausgangslage ist klar. Verliert Nouri mit seinem Team am heutigen Samstag (15.30 Uhr) auch beim FSV Mainz 05, dürfte seine Zeit an der Weser abgelaufen sein. Werder ist das einzige Erstliga-Team, das in diesem Jahr noch keinen Punkt geholt hat. Der damit gleichbedeutende Absturz auf den Relegationsplatz zeigt, wie prekär die Lage am Osterdeich ist.
Auch Baumann nennt die Situation "sehr dramatisch", schließlich weiß keiner, ob sich Werder von einem Abstieg in die zweite Liga überhaupt noch einmal erholen würde.
Baumann steckt in der Zwickmühle. Er weiß, dass auch er als sportlicher Entscheidungsträger beschädigt sein wird, wenn er innerhalb einer Saison gleich zwei Mal den Trainer wechseln muss. Nach dem Fehlgriff mit Viktor Skripnik ginge auch das missglückte Experiment mit Nouri auf seine Kappe. Aber Baumann muss eben auch das Gesamtwohl von Werder im Blick haben, weshalb er für den Fall einer Niederlage in Mainz handeln dürfte.
Zweifel an Nouris fachlicher Kompetenz sind seit der Winterpause enorm gestiegen. Vor allem taktisch lag er zuletzt mehrmals daneben. Die ständigen System-Wechsel in der Defensive haben das Team weiter verunsichert. Auch dass der Coach Serge Gnabry, den Hoffnungsträger der Hinrunde, vom Flügel in die Mitte gezogen hat, wirkte sich bislang negativ aus. Längst kursieren Namen möglicher Nachfolger, allen voran der von Bruno Labbadia.