Vom Strand ins Rampenlicht

Kronjuwelen nennt Julius Brink die Goldmedaille bei Olympia - jetzt steht nur noch ein Hindernis vor dem größten Coup seiner Karriere. Mit Partner Jonas Reckermann geht es im Finale (heute, 22 Uhr) gegen die Weltmeister Cerutti/Rego aus Brasilien.

London. Gestern spielte Julius Brink Reisebüro. Er versuchte für Freunde, die doch noch kurzfristig beim Griff nach Gold live in London dabei sein wollen, Unterkünfte und Tickets zu organisieren. "Das hat\'s ja auch noch nicht gegeben, dass ein deutsches Beach-Team im Olympiafinale spielt. Das kann man sich schon mal anschauen", sagte er grinsend.
Die Dimension des größten Erfolgs in der Geschichte des deutschen Beachvolleyballs konnten Julius Brink und Jonas Reckermann kurz nach dem souveränen 2:0 im Halbfinale gegen die Holländer Reinder Nummerdoor/Rich Schuil noch gar nicht so richtig einordnen. "Das ist der sportlich größte Moment meines Lebens. Was das für den deutschen Beachvolleyball bedeutet, ist mir im Moment scheißegal", meinte Reckermann. Und Brink flachste in Richtung Raimund Wenning, des Olympia-Teamchefs der deutschen Volleyballer: "Er kriegt seinen Vertrag verlängert. Sonst wäre er am Montag auf dem Arbeitsamt gewesen."

Ende einer Durststrecke


Das war natürlich ein Witz. Aber welche Bedeutung dieser Erfolg hat, konnte man schon daran ermessen, das eine ganze Traube von deutschen Journalisten um Mitternacht Antworten von den beiden Strandhelden wollte. Dass sie 2009 die ersten europäischen Weltmeister in der Trendsportart geworden waren und sich in diesem Jahr erneut zum Europameister gekrönt hatten, war an der Öffentlichkeit weitgehend vorbeigegangen. Noch immer waren die Namen von Jörg Ahmann und Axel Hager präsenter, die 2000 in Sydney mit Bronze die bislang einzige deutsche Beach-Olympiamedaille gewonnen hatten.

"Beginn eines Beach-Booms"


"Das waren zwölf lange Jahre. Ich bin so froh, dass die beiden jetzt auch eine Medaille haben. Und mit einem Olympia-Erfolg kannst du ganz weit nach vorn kommen", sagte der heute als Bundestrainer tätige Ahmann: "So können wir die Öffentlichkeit auf diese geniale Sportart aufmerksam machen. Das kann der Beginn eines Beach-Booms sein."
Zumal die wundersame Reise der deutschen Beachboys im Finale gegen die brasilianischen Weltmeister Alison/Emanuel noch ihre goldene Krönung finden soll. "Das ist das beste Team der Welt, und wir haben zwei Jahre nicht gegen sie gewonnen", sagte Brink: "Aber sie waren hier auch nicht ganz so souverän. Natürlich wollen wir jetzt Gold holen." Bei kühlen 13 Grad und Nieselregen spielten die beiden Deutschen bei ihrem sechsten Sieg im sechsten Turnierspiel fast perfektes Beachvolleyball. Sie wirkten wie im Tunnel, mental perfekt vorbereitet von ihrem Psychologen Lothar Linz. "Ihre Nervenstärke zeichnet sie so unglaublich aus", sagte Ahmann dazu. "So können sie auch Gold holen." Damit sich die Reise nach London für alle auch wirklich richtig gelohnt hat.