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Von der Liebe zu klackernden Kugeln

Von der Liebe zu klackernden Kugeln

Ralf Simmer hat sein Leben einer Sportart gewidmet, die in der Öffentlichkeit wenig wahrgenommen wird: dem Carambolage-Billard. Im Mai organisiert der Rheinland-Pfalz-Meister ein Turnier, an dem luxemburgische und französische Spitzenspieler teilnehmen.

Trier. Es war ein großer Moment für Ralf Simmer: Bei einem Turnier in Elversberg stand der Trierer direkt neben Frédéric Caudron, schüttelte dem belgischen Billardprofi sogar die Hand. "Da haben sich meine Nackenhaare hochgestellt", erzählt der 53-Jährige. Caudron sei schließlich der beste Carambolage-Spieler der Welt, sagt Simmer. Und Carambolage-Billard - das ist "sein Leben".
Simmer spielt schon seit seinem 16. Lebensjahr im Trierer BC Treviris. Etwa fünfmal die Woche, in Summe rund 15 Stunden, investiert er in den Sport, der für ihn mehr ist als ein Hobby. Er liebt die Ruhe des Spiels, das Klackern der Kugeln. Der hauptberufliche Unternehmensberater spielt selbst, fährt zu Turnieren und arbeitet dort ehrenamtlich als Schiedsrichter.
Im Mai organisiert er einen eigenen Wettkampf. Spitzenspieler wie Caudron werden wohl nicht mit dabei sein, aber unter den 16 angemeldeten Teilnehmern werden lokale Größen aus der französischen A-Liga (vergleichbar mit der deutschen Bundesliga) und der luxemburgischen Nationalmannschaft sein. Messen werden sie sich in der "Königsdisziplin", wie Simmer sagt: dem Dreiband-Spiel. Diese Variante gilt als schwierigste beim Carambolage-Billard.
Mit dem Pool-Billard, das man aus Kneipen oder Cafés kennt, hat diese Spielart übrigens nichts zu tun. Der Tisch hat keine Löcher, um die Kugeln zu versenken - Punkte erzielt man durch den Zusammenstoß der Bälle - die Carambolage.
Beim Dreiband muss der Spieler den eigenen Ball vor diesem Zusammenstoß über drei Banden des Tisches spielen - daher kommt auch der Name. Es brauche viel Übung und Geduld, bis man das beherrsche, sagt Simmer. "Geduld, die heute nur noch wenige mitbringen", wie er mit Bedauern feststellt. Denn der BC Treviris und andere Clubs in der Region haben große Nachwuchssorgen. Rund um Mosel und Saar gibt es nur noch höchstens 500 Spieler, schätzt Simmer.
Als er 1979 seine Billardkarriere begann, war das noch ganz anders. "Die Clubs waren voll, es wurde auch in Kneipen gespielt", erzählt er. Damals nahm er Unterricht bei dem mehrmaligen Weltmeister Fonsy Grethen, später beim deutschen Bundesligatrainer Werner Naruhn. "Heute bin ich die Nummer eins in der Region", sagt der 53-Jährige, der schon zehnmal Rheinland-Pfalz-Meister wurde.
Auch bei seinem eigenen Turnier im Mai wird es ihm in den Fingern jucken selbst mitzuspielen. "Aber als Gastgeber habe ich natürlich keine Zeit", sagt er. Er freue sich trotzdem auf den Wettkampf - darauf, bei den Spielen mitzufiebern.

Die Ausscheidungsrunden im Dreiband-Turnier werden am Samstag, 7. Mai, Sonntag, 8. Mai, Sonntag, 15. Mai und Samstag, 28. Mai, ab 14 Uhr ausgetragen. Das Finale beginnt am 29. Mai um 11 Uhr. Austragsungsort ist der BC Treviris in der Matthiasstraße 29 in Trier.
Extra

Billardspieler nehmen ihren Sport sehr ernst. Reden, Rauchen oder Chips essen ist für die Zuschauer eines Turniers tabu. Außerdem gilt bei Wettkämpfen eine strikte Kleiderordnung: weißes Hemd zu schwarzer Hose und schwarzen Schuhen. Darüber tragen die Spieler Westen mit den Wappen ihrer Clubs. Viele stülpen sich außerdem Handschuhe über, die es leichter machen, den Coeu zwischen den Fingern zu bewegen. cha