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Interview Achim Schmitt
Warum viele Schulen auf Schach setzen

Der Schweicher Achim Schmitt setzt sich für schlankere Strukturen ein, um  Schach zukunftsfähig zu machen.
Der Schweicher Achim Schmitt setzt sich für schlankere Strukturen ein, um Schach zukunftsfähig zu machen.
Schweich. Der Präsident des Schachbezirks Trier hat besonders die Nachwuchsförderung im Visier.

Aus dem Schachklub 1933 Schweich geht Achim Schmitt hervor, war hier 20 Jahre lang Vorsitzender. Der 56-Jährige ist weit über den Schachbezirk Trier hinaus als Funktionär aktiv – und sogar auf Bundesebene engagiert (siehe Info-Kasten rechts). Schmitts Ziel ist es, Schach und seine Strukturen zukunftsfähig zu gestalten. Wo die Probleme liegen, weiß er nur zu genau.

Die ewige Frage, welche sich einige immer noch stellen: Ist Schach überhaupt Sport?

SCHMITT  Ja. Auch das Internationale Olympische Komitee hat neben vielen anderen motorischen Aktivitäten Schach schon lange als Sport anerkannt. Die körperliche Belastung während eines Schachspiels wird vielfach unterschätzt, verbraucht man doch leicht einige Liter Wasser, sofern bei einer mehrstündigen Partie die Konzentration stetig am Maximum gehalten wird. Beim Schach gibt es Regeln, wird Leistung abverlangt, kommt es auf Organisation und den Wettbewerb an: All das sind Komponenten, die es zu einem Sport machen (siehe auch links).

Wie sind Sie zum Schachspielen gekommen?

SCHMITT Auch ich habe es vom Opa und vom Vater gelernt. In jungen Jahren hat es mich immer gewurmt, dass ich gegen meinen Vater nie gewinnen konnte. Das führte dazu, dass ich erst mal vom Schachsport Abstand genommen habe.  Erst nach der Ausbildung und einigen beruflichen Stationen in verschiedenen Ecken Deutschlands und der Rückkehr nach Schweich kam ich wieder zum Schach – 1983 bei einer offenen Meisterschaft für nicht in Vereinen organisierte Schachspieler anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Schachklubs Schweich. Das Turnier habe ich gewonnen und wurde gefragt, ob ich mir nicht vorstellen könne, Turniere für den Verein zu spielen.  Die Vereinsabende in unserem damaligen Stammlokal Denhard waren immer gut besucht, und die Begeisterung war groß. Der damalige Vorsitzende Willy Rößler fragte mich dann eines Tages, ob ich nicht auch im Vorstand mitarbeiten wolle. Als Jugendleiter ging es für mich im Jahre 1988 los. Es war für mich der Start in die Funktionärslaufbahn.

Alleine im Schachbezirk Trier hat sich die Anzahl der Vereine in den vergangenen 30 Jahren von 48 halbiert. Woran machen Sie den Schwund fest?

SCHMITT Es ist wie bei anderen Sportarten auch: Für Kinder gibt es heutzutage jede Menge Freizeitangebote. Hinzu kommt bei den Älteren, dass die Bereitschaft, ehrenamtliche Funktionen zu übernehmen, nicht zuletzt aufgrund immer höherer Anforderungen im Beruf insgesamt nachlässt. Der Schwund an Gaststätten gerade in den Dörfern  macht es zudem oft schwer, vor Ort Trainings, Spiele oder Turniere durchführen zu können. Andere Lokale erheben Mieten für die Nutzung von Räumen, genauso wie mittlerweile auch Kommunen für die Gemeindehäuser.  Die generell höheren Auflagen von öffentlicher Seite – von den Finanzen bis zur Haftung – werden immer komplexer und belasten gerade die kleineren Vereine.

Was lässt sich strukturell machen, um Schach auch in der Vereinsform zukunftsfähig zu gestalten?

SCHMITT Aktuell laufen Überlegungen, zum Beispiel eine hauptamtliche Stelle etwa auf Rheinland-Pfalz-Ebene zu schaffen, um hier Verwaltungsaufgaben zu bündeln und Ehrenamtler zu entlasten. Wir müssen dabei auch über schlankere Strukturen nachdenken. Das ist in unserem Bundesland, in dem Rheinländer, Rheinhessen und Pfälzer zu Hause sind, nicht so leicht durchzusetzen. Es gibt da oft noch regionale Widerstände und Kirchturmdenken.

Welche Ideen und Aktivitäten gibt es, wieder mehr Nachwuchs für Schach zu gewinnen?

SCHMITT Indem wir in die Ganztagsschulen gehen und im Nachmittagsprogramm entsprechende Kurse anbieten. Das Problem ist aber, dafür Leute zu finden. Das geht noch im Umfeld einer Universitätsstadt wie Trier. Auf dem Land finden wir aber kaum Leute, die am Nachmittag die Zeit oder die Nerven haben, Kindern und Jugendlichen in Kursen Schach näherzubringen. Die Nachfrage ist da, die Schulen rennen uns die Türen ein. Schließlich ist Schach gerade für die Jugend so wertvoll, weil es Konzentration, logisches Denken und Disziplin fördert.

Wie oft finden Sie angesichts vielfältiger Aufgaben noch Zeit, selbst Schach zu spielen?

SCHMITT Meist nur noch nachts, wenn ich von einer sportlichen oder kommunalpolitischen Sitzung nach Hause komme, im Internet, um abzuspannen. Ein paar Minuten oder wenn der Ehrgeiz zuschlägt, auch schon mal zwei Stunden spiele ich dann eine Blitzpartie gegen jemanden, der irgendwo anders auf der Welt zu Hause ist. Im Verein SK Schweich bin ich meist nur noch als Ersatzspieler aktiv.

 Interview: Andreas Arens