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Was beim 24h-Rennen am Wochenende auf dem Nürburgring abgeht

Motorsport : 24 Stunden, in denen alles anders ist

Das 24h-Rennen: Der Klassiker in der Eifel wird in diesem Jahr unfreiwillig Geschichte schreiben. Den Piloten wird in der Kälte der Herbstnacht noch mehr an Kraft und Können abverlangt werden

Ein Eifelklassiker, den es in dieser Form so noch nie gegeben hat. Ein Rennen, das trotz des Fehlens der unvergleichlichen Atmosphäre, die diesen „Höllenritt“ seit Jahrzehnten auszeichnet, für die Teilnehmer nichts von seiner Anspannung, seiner physischen und psychischen Herausforderung verloren hat. Und ein junger Starter aus der Vulkaneifel, der trotz Pokalen und Titeln in frühen Jahren vor dem größten Rennen seiner Karriere steht: Das ADAC TOTAL 24h-Rennen am Nürburgring (Start Samstag 15.30 Uhr) hat trotz aller Pandemie-Einschränkungen seinen Stellenwert als Nervenkitzel mit vielen Unbekannten nicht verloren.

Rund 100 Fahrzeuge, weniger als in den „unverseuchten“ Jahren, werden das Rennen zweimal rund um die Uhr aufnehmen. Die besten Langstrecken-Piloten der Region treffen auf die Crème de la Crème des Tourenwagensports. Auf Werkspiloten, DTM- und GT-Masters erfahrene Profis. Viele, die den begehrtesten Pokal am „Ring“ schon einmal jubelnd in die Höhe gehalten haben. Aber noch mehr Unentwegte, die einem Triumph in der Eifel mit all den unvorhersehbaren Zwischenfällen, mit Hitze, Sturm, Regen, Gewitter, nächtlichen Aberwitzigkeiten seit Jahren hinterherhecheln.

Es werden natürlich nicht nur weniger Teilnehmer, sondern vor allem keine Zuschauer an der Nordschleife, weniger „Motorsport-und-Party-Fans“ mit Camping, Lagerfeuer, und Zeltstädten sein. Das Wichtigste aber sei, und das sagen Gastgeber, Veranstalter, Fahrer und auch ein Teil der Enttäuschten, die nicht ans Brünnchen oder zum Pflanzgarten dürfen: „Es ist wichtig für uns alle, für den Motorsport, dass überhaupt gefahren wird.“

Die größte Unbekannte, vor allem für Körper und Kopf, sei die fast auf das Doppelte angestiegene Anzahl der Nachtstunden. September statt Mai: Das bedeutet Herbst statt Frühling. Also: Kürzere und weniger helle Tage. Dafür längere Nächte, Dämmerung, Morgengrauen, Finsternis. Philipp Leisen aus Irrel, der im Quartett das „24h“ im BMW angeht, prognostiziert: „Nachts wird es im Auto eiskalt werden. Ich hoffe, dass es zumindest trocken bleibt.“ Von der Anstrengung her, sagt der VLN-Meister von 2018, „wird es meiner Meinung nach noch härter, als es ohnehin ist“.

Wie ihm geht es auch den meisten anderen Piloten aus der Region: „Während des Fahrens wird man nur wenig davon merken, dass Ruhe an der Nordschleife ist. Da ist man so fokussiert, dass man das höchstens am Rande noch wahrnimmt.“ Natürlich sei das immer ein Riesen-Highlight gewesen, aber „dieses eine Jahr wird es auch mal so gehen müssen“.

Besonders im Fokus stehen wird der Bitburger Thomas Mutsch im exotischen SCG004C, dem neuen Supercar der Scuderia Glickenhaus. Eines, das den ambitionierten GT3-Boliden von Audi, BMW, Mercedes-Benz, Porsche, Ferrari und Aston Martin in die Suppe spucken kann. „Wir haben beim letzten Testlauf in der NLS viele wertvolle Daten sammeln können und gehen optimistisch in das Rennen“, sagt der erfahrenste der Glickenhaus-Besatzung.

Für (fast) alle anderen gilt: Durchhalten, auf alles vorbereitet sein, keinen Dauersprint aus dem Marathon machen und ankommen.

Dass ihm dies gelingt, hofft auch Alex Schneider aus Bleckhausen in der Eifel. Der 20-Jährige wurde in seinem NSU TT 1300 von 1970 Meister in der NSU TT Trophy und im „Kampf der Zwerge“, einer Rennserie für Tourenwagen mit 1300ccm von den 1960ern bis 2000.

In der 24h Classic tritt er, wie immer bestens vorbereitet und begleitet von Vater Wolfgang und Mutter Jutta im Familien-eigenen Team, am Freitag (9.55 bis 12.55) in einem dreistündigen Marathon über Nordschleife und Grandprix-Strecke an. „Das wird etwas Anderes. Da sind fast nur neuere BMW und Porsche am Start“, weiß er. „Ich hoffe, dass wir die Zielflagge ohne Blessuren sehen.“

Wie immer ist auch das Rahmenprogramm hochkarätig. So der Tourenwagen-Weltcup, die frühe WTCC (World Touring Car Championship). In der Serie fahren Tourenwagen mit zwei Liter großen Turbo-Motoren mit etwa 360 PS Leistung und vielen Einheitsteilen.

Informationen und detaillierter Zeitplan: www.24h-rennen.de