Weltmeister gegen die Ex-Kollegen

Weltmeister gegen die Ex-Kollegen

Die KF Oberthal sind das Bayern München des Kegelsports. Zumindest in der Rubrik Schere. Gegen den Rekordmeister aus dem Saarland ist der KSV Riol ein Emporkömmling. Aber einer, der sich nicht nur bereits den Respekt der Konkurrenz erworben hat, sondern auch dabei ist, die große Kegeltradition im Gau Mosel wiederzubeleben.

Fragt man vor dem Gipfeltreffen in der 1. Kegel-Bundesliga zwischen dem KSV Riol und den KF Oberthal (Sonntag, 10 Uhr, Kegelsporthalle Riol) den Sportchef der Moselaner, was seinem Verein den letzten Schub verliehen hat, um in der absoluten deutschen Spitze mithalten zu können, genügen zwei Worte: "Steve Blasen."

Als der Weltmeister aus Luxemburg vor zwei Jahren von eben diesen Oberthalern nach Riol wechselte, "hatten wir von einem Tag auf den anderen einen anderen Stellenwert und eine ganz andere Akzeptanz", sagt Krämer.

Blasen selbst sieht das nicht so dramatisch. Ich habe mehr als ein Jahrzehnt in Oberthal gekegelt, habe dort alles gewonnen, was zu gewinnen war, und habe einfach einen Tapetenwechsel gebraucht." Dass die Wahl auf Riol fiel, hat gleich mehrere Gründe. Zunächst die praktischen: "Der Weg ist kürzer, und damit bleibt mehr Zeit für die Familie." Was er nicht sagt - Riol hatte clever agiert und seine Frau José Marie bereits 2005, also zwei Jahre vor ihm, verpflichtet. Und weiter: "Hier herrscht eine gute Kameradschaft, und es entwickelt sich etwas. Vielleicht erreichen wir in absehbarer Zukunft dieselbe Qualität wie Oberthal, aber das wird schwer."

Natürlich kennt er sie alle, auf die er am Sonntag treffen wird. Der haushoch über dem Rest der Liga thronende Titelverteidiger aus Oberthal liegt zwei Spieltage vor Schluss der Normalrunde elf Punkte vor seinem schärfsten Verfolger - und das ist Riol. Aber Statistiken zählen in diesem Duell nicht. Die Tagesform wird darüber entscheiden, wie gut sich die Gastgeber aus der Affäre ziehen. Im Hinspiel kamen sie auf einen Schnitt von mehr als 900 Holz und nahmen verdient einen Punkt mit nach Hause. "Wir sind Außenseiter", sagt Blasen, "aber das heißt ja nicht, dass wir chancenlos sind." Dass sein Wechsel nach Riol den Verein auch für andere Topspieler interessant gemacht hat, zeigt ein Blick in seine sportliche Vita. Der 38-Jährige holte zwei WM-Titel im Einzel und ein Mal im Paarkampf, war Sieger bei den World Games, Europameister und mit Oberthal neun Mal deutscher und sieben Mal europäischer Titelträger. Mit einem solchen Kracher spielt man gerne zusammen, "zumal er ein richtig guter Typ ist", sagt Krämer, der nicht an ein 3:0 gegen Oberthal glaubt: "Der Gesamtsieg ist unser vorrangiges Ziel." Er rechnet mit einer offensiven Taktik der stärksten deutschen Mannschaft: "Sie werden mit ihren Besten, mit Holger Mayer und Markus Gebauer beginnen, um uns unter Druck zu setzen."

KSV Riol: Knobel, Blasen, Valentin, C. Krämer, Albach, Glöckner, Hoffmann

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