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Wenn ein Allrounder die Spezialisten ärgert

Wenn ein Allrounder die Spezialisten ärgert

In der Vielseitigkeit ist Michael Jung kaum zu schlagen. Niemand sammelt so viele Goldmedaillen wie der dreimalige Olympiasieger. Doch der 34-Jährige kann noch mehr.

Stuttgart. Mit einem weiteren Rekord ist Michael Jung in das Weltcup-Reitturnier von Stuttgart gestartet. Als bisher jüngsten Pferdesportler zeichnete der deutsche Reitverband (FN) den 34 Jahre alten Rekordreiter mit dem Titel "Reitmeister" aus. Diese Ehrung war für den dreimaligen Olympiasieger aber nur der angenehme Auftakt eines strammen Programms. Der Vielseitigkeitsreiter geht gewissermaßen fremd und misst sich mit den Spring-Spezialisten, die er mit seinen Erfolgen schon häufiger geärgert hat.
"Das ist eine große Leidenschaft", sagt Jung über das Springreiten, das in der Vielseitigkeit nur eine der drei Teildisziplinen ist. "Es macht einfach Spaß." Die Springprüfungen sind für Jung jedoch nicht nur Hobby, er reitet sie mit dem gleichen Ehrgeiz wie die Vielseitigkeit. "Mal sehen, wie weit ich kommen kann", sagt er. Bislang erstaunlich weit. Immerhin 13 Siege bei internationalen Springen hat er in den vergangenen drei Jahren gefeiert - mehr als manch ein Spring-Spezialist aus dem deutschen B-Kader. Die bedeutendste Platzierung war bislang der zweite Platz beim Großen Preis von München 2015. Beim Höhepunkt des Vier-Sterne-Turniers ließ er sogar Cracks wie Marcus Ehning und Christian Ahlmann hinter sich.
In den Hauptprüfungen von Stuttgart wird das diesmal nicht passieren. Jung hat nur zwei Nachwuchspferde und "Sportsmann" mitgebracht, der zuletzt verletzt war und wohl noch nicht bei 100 Prozent ist. Bei den ganz großen Springen ist Jung dieses Mal nicht dabei.
Während andere Vielseitigkeitsreiter während der Hallensaison von Mitte Oktober an fast keine Wettbewerbe bestreiten, tritt Jung häufiger bei Spring-Turnieren an. Schwerpunkt der Arbeit ist im Winter gleichwohl das Training. Nicht nur mit Sam, mit dem er in Rio seine dritte olympische Goldmedaille gewann. "Sam ist ein Sportler, der braucht immer ein bisschen Training", berichtet Jung.
"Wir galoppieren über die Wiesen und springen über Bäume und andere Hindernisse", berichtet Jung. Das Motto lautet: "Alles, was ihm Spaß macht." Fünf- oder sechsmal in der Woche wird das Goldpferd geritten. "Ab Januar wird das Training dann wieder gezielter."
Das gilt auch für die anderen Pferde in Jungs Stall. Wichtiges Ziel für das kommende Jahr sind die Europameisterschaften, bei denen er als bisher einziger Reiter dreimal hintereinander Doppel-Gold gewann. "Mal sehen, ob das mit Lennox schon geht", sagt Jung mit Blick auf den achtjährigen Wallach. "Ich habe mich da noch nicht ganz festgelegt."
Zu seinem Programm 2017 gehören auch die großen Klassiker der Vielseitigkeit in Kentucky, Badminton und Burghley. Als erster Reiter könnte Jung zum zweiten Mal den Grand Slam gewinnen und einen weiteren Rekord aufstellen. Und im Sommer kommen natürlich einige Springen hinzu, bei denen er die Spezialisten wieder ärgern kann.