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TRIER/MONACO
Monte, Mosel, Machenschaften

 Der Gejagte im neuen Auto: Weltmeister Sébastien  Ogier absolvierte am Freitag bei der Monte seine ersten Prüfungs-Kilometer  im neuen Citroen WRC.
Der Gejagte im neuen Auto: Weltmeister Sébastien  Ogier absolvierte am Freitag bei der Monte seine ersten Prüfungs-Kilometer  im neuen Citroen WRC. FOTO: Red Bull / Picasa
TRIER/MONACO. Am Wochenende beginnt mit der „Rallye Monte Carlo“ die neue WRC-Saison. Der deutsche Lauf liefert derweil negative Schlagzeilen. Die Fahrer möchten wieder „mehr Weinberg“. Von Jürgen C. Braun

Mit der 87. Auflage der „Rallye Monte Carlo“ beginnt an diesem Wochenende die Rallye-Weltmeisterschaft 2019. Mit etlichen Personal-Rochaden, neuem Regelwerk, „schärferen“ Autos, neuen Schauplätzen.

Mittendrin die Frage nach der Zukunft der in der Region Mosel/Hunsrück/Saarland ausgetragenen ADAC Rallye Deutschland. Und die hat knapp sieben Monate vor dem diesjährigen Lauf (22. – 25. August) mit Schlagzeilen zu kämpfen, die den Machern nicht recht sein können.

Nachdem sowohl der kleine, verwinkelte Zick-Zack-Kurs in der Saarbrücker Innenstadt 2017 wie auch der Auftakt auf einem größeren Parkplatz am Rand von St. Wendel 2018 nicht gerade den Beifall der Piloten gefunden hatten, soll es in diesem Jahr etwas geräumiger losgehen. Vorgesehen hat der ausrichtende ADAC Saar für die erste Wertungsprüfung (WP) ein Areal bei Selbach rund um das Hofgut Imsbach.

Die Streckenführung soll zwar nicht im Landschaftspark starten. Dennoch möchte der Besitzer des Hofguts, die Naturlandstiftung, da wohl nicht mitmachen und hat Widerstand angekündigt. Die Teilnehmer müssten auf einer sogenannten Verbindungsetappe etwa drei Kilometer durch das Gelände der Naturlandstiftung fahren. Das, so die Stiftung, gehe nicht konform mit deren Zielen „Förderung des Naturschutzes und der Landschaftspflege.“

Auch im St. Wendeler Stadtteil Hoof sähe man die Boliden in diesem Jahr nach drei verschiedenen Rallye-Veranstaltungen 2018 wohl lieber draußen. Der Rat hat sich dort einstimmig auf eine Pause des Motorsports in diesem Jahr festgelegt. Doch das Land mit Innenminister Klaus Bouillon, lange Stadtbürgermeister von St. Wendel, protegiert die ADAC-Veranstaltung massiv. Im vergangenen Jahr sollen  nach SR-Angaben 250 000 Euro zugeschossen worden sein. Der derzeitige Vertrag „zur Förderung und finanziellen Unterstützung“ endet 2019. Ministerpräsident Tobias Hans habe aber eine Verlängerung in Aussicht gestellt, sagte ein ADAC-Sprecher.

Alle diese Schlagzeilen, so der Vorsitzende des Racing Team Trier und langjährige Chef der „Deutschland“ in Trier, Manfred Kronenburg, trügen nicht dazu bei, in turbulenten Zeiten das Ansehen des deutschen WM-Laufes beim Weltmotorsport-Verband FIA und dem WRC-Vermarkter zu stärken.

„Die WM muss in Zukunft Läufe in Europa streichen. 2019 kommt Chile hinzu, 2020 auf Drängen Toyotas Japan. Hyundai hat Interesse an einem Heimspiel in Korea, und China weckt Begehrlichkeiten. Da sind diese Nachrichten nicht förderlich.“

Die „Deutschland“ könne zwar mit dem Pfund wuchern, das beste Umweltkonzept zu haben. Aber das nütze nichts, wenn der Vermarkter „WRC Promoter GmbH“ seine Ziele gefährdet sieht.

Die meist unspektakulären Prüfungen, sagt auch der amtierende Deutsche Rallyemeister und „Deutschland“-WRC-Pilot 2018, Alexander Rath (Trier), sorgen bei den Fahrern nicht für Begeisterungsstürme. Bereits im vergangenen Jahr waren neue Prüfungen in den Weinbergen auf Wunsch der Fahrer und Hersteller hinzugekommen. Mit der Schotter-Rallye in Chile werden jetzt erstmals 14 Läufe ausgetragen.

Der Vertrag mit dem ausrichtenden ADAC Saar  läuft noch bis 2020, mit der Option um weitere zwei Jahre. Doch, dem Zeitgeist folgend, droht der Serie bereits neues Ungemach. Am 29. März 2019 endet die Einschreibefrist für die Elektro-Rallycross-WM (eWRX), die ab 2021 ausgetragen werden soll. Drei Hersteller sollten sich bereits dazu bekannt haben. Die Zeiten, und damit auch die Machenschaften, ändern sich. Nicht nur auf der Straße, auch auf der Piste.