Wittlicher Radsportlerin holt EM-Gold

Radfahren : Wittlicher Radsportlerin holt EM-Gold

So richtig konnte es Hannah Ludwig nicht glauben, als sie auch am Ende des EM-Zeitfahrens im niederländischen Alkmaar noch als Schnellste auf dem sogenannten heißen Stuhl saß.

„Wie? Kommt keine mehr?“, fragte die 19-Jährige vom RSC Stahlross Wittlich ungläubig. Gleich in ihrer ersten Saison bei den unter 23-Jährigen hat die letztjährige U19-Vizeeuropameisterin den kontinentalen Titel gewonnen. „Ich habe auf eine Medaille gehofft, aber mit dem Titel habe ich wirklich nicht gerechnet“, sagt sie.

Ludwig startete am Donnerstag als eine der ersten Fahrerinnen in die Zeitfahrkonkurrenz. Schnell merkte sie, dass etwas mit ihrem Fahrradcomputer nicht stimmte. „Mein Powermeter war nicht verbunden“, erzählt sie. Die Sportlerin aus Traben-Trarbach konnte deshalb nicht sehen, mit wie viel Watt sie aufs Pedal drückte. Ein Wert, mit dem viele Radsportler die Belastung steuern und sich ihre Kräfte einteilen. Aus der Ruhe bringen ließ sich Ludwig dadurch nicht.  Am Ende fuhr sie die 22,4 Kilometer lange Strecke in 29:20 Minuten und damit einem Schnitt von 45 km/h. Die Russin  Maria Novolodskaya hatte als Zweitplatzierte 38 Sekunden Rückstand. Bronzemedaillengewinnerin Elena Pirrone aus Italien 40.

Vor fünf Jahren holte Ludwig als U15-Vizemeisterin ihre erste DM-Medaille. Über nationale Titel ging es 2017 weiter zum vierten Platz im U19-Weltmeisterschaftsrennen und zur U-19-Vizeeuropameisterschaft. Seit vergangenem Herbst hat Ludwig einen Profivertrag beim Team Canyon Sram.

Beim U23-EM-Straßenrennen am gestrigen Freitag war Ludwig wieder ganz Mannschaftssportlerin im deutschen Team. Sie fuhr auf dem flachen Rundkurs während der 115 Kilometer für die spätere Fünftplatzierte Franziska Koch (Mettmann). Ludwig belegte mit 1:22 Minuten Rückstand auf Siegerin Letizia Paternoster (Italien) Platz 49. Bereits am Montag geht es weiter in die USA. Beim Colorado Classic, einem Etappenrennen (22. bis 25. August), kann sie ihre Qualitäten am Berg dann  – anders als in den Niederlanden – auch ausspielen.

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