Zum Einschlafen

Nach der Vorrunde geht das EM-Turnier jetzt richtig los. Endlich. Der neue Modus hat für reichlich Langeweile gesorgt. Das 3:3 zwischen Ungarn und Portugal war vielleicht das einzige Spiel, das einen richtig packte.

Selbst bei den Spielen der französischen Mannschaft herrscht in den Städten bislang kaum Euphorie. Das Fernsehen tut alles, um die EM den Franzosen schmackhaft zu machen. Aufwendige Übertragungen, viel Stimmungsmache und Fußball-Folklore aus den Spielorten. Aber es zündet kaum.

Das hat meiner Meinung nach nicht mit der befürchteten Terrorbedrohung zu tun. Ich glaube, dass auch die Franzosen gespürt haben, dass bei diesem Modus eh fast alle weiterkommen. Ich hoffe, die Begeisterung steigt jetzt.

Grundsätzlich hat sich mein Bild von Frankreich und seinen Menschen nochmal positiv verstärkt. Die Zeiten, als man mit gebrochenem Schulfranzösisch, Englisch oder Deutsch auf Abweisung stieß, scheinen vorbei. Mein schönster EM-Moment war bislang, die unglaubliche Freude der Isländer übers Weiterkommen zwischen Fassungslosigkeit und Extase zu erleben, die im Kommentar des isländischen Kommentators gipfelte, der völlig heiser und unter Tränen ins Mikro brüllte. Berührend war aber auch eine andere Szene - als irische Fans in der Straßenbahn ein Schlaflied für ein Baby sangen.

Sven Voss stammt aus Daun. Für das ZDF berichtet der 39-jährige Sportjournalist derzeit von der EM aus Frankreich.
In der täglichen TV-Experten-Kolumne schreiben Klaus Toppmöller, Paul Linz, Philipp Wollscheid, Jeff Strasser, Sven Voss, Herbert Fandel und Edgar Schmitt abwechselnd über die EM 2016. Hier geht es zu allen Beiträgen.