1. Sport
  2. Sportmix
  3. Regional

Zum ersten und zum letzten Mal

Zum ersten und zum letzten Mal

Premiere zum Abschluss einer großen Karriere: Lahm ist "Fußballer des Jahres" — Nagelsmann bei den Trainern vorne.


München (dpa) Weltmeister Philipp Lahm ist nach seiner Bilderbuchkarriere erstmals zum "Fußballer des Jahres" gekürt worden. Der langjährige Kapitän der deutschen Nationalmannschaft und des FC Bayern setzt sich bei der Wahl mit 242 Stimmen klar vor Champions-League-Sieger Toni Kroos (192 Stimmen) durch. Der Star von Real Madrid hätte aus rein sportlicher Sicht die Ehrung in dieser Spielzeit sicher eher verdient gehabt. "Es ist eine große Auszeichnung, ich habe mich wirklich sehr darüber gefreut. Ich denke, dass die deutschen Sportjournalisten bei dieser Wahl wohl meine ganze Karriere gesehen haben", sagte Lahm nach einer Auszeichnung - auch für sein Lebenswerk.
Bei der vom Kicker-Sportmagazin durchgeführten Wahl wurde Julian Nagelsmann von 1899 Hoffenheim an seinem 30. Geburtstag erstmals "Trainer des Jahres". "Sportliche Erfolge sind das Ziel jedes Sportlers, das ist bei mir nicht anders. Aber diese Auszeichnungen zeigen einem doch, dass man nicht auf dem ganz falschen Weg ist", sagte der Trainer. Champions-League-Gewinnerin Dzsenifer Marozsán von Olympique Lyon durfte sich ebenfalls zum ersten Mal über die Ehrung zur "Fußballerin des Jahres" freuen. Zwei Monate nach dem Ende seiner Karriere für die Fußball-Ewigkeit mit acht deutschen Meistertiteln, sechs Pokalsiegen und noch je einem Triumph in der Champions League und bei der Club-WM genießt Lahm die Zeit mit seiner Familie und als Privatier. Schon länger treibt er seine zweite berufliche Laufbahn als Unternehmer voran.
"Es ist einfach nicht so, dass ich jetzt jeden Samstag ins Stadion gehen muss. Ich war lange genug in Stadien, ich hatte das Glück, dass ich immer dabei sein durfte", sagte der 33-Jährige im Kicker. "Ich freue mich darauf, mich mit ganz neuen Themen außerhalb des Fußballs zu beschäftigen. Ich glaube, dass dieser Perspektivenwechsel nach so vielen Jahren einfach wichtig ist." Hinter ihm und Kroos wurde Bundesliga-Torschützenkönig Pierre-Emerick Aubameyang von Borussia Dortmund (120 Stimmen) Dritter bei dieser seit 1960 durchgeführten Ehrung.
Von Bundestrainer Joachim Löw wurde Lahm zu einem "der besten Fußballer überhaupt" gekürt, für seinen Ex-Coach Pep Guardiola ist er eine "Legende", für Bayern-Nachwuchsleiter Hermann Gerland gehört er in die "Jahrhundertelf des FC Bayern": Umso überraschender ist es, dass Lahm in anderthalb Jahrzehnten Profifußball zuvor nie zum "Fußballer des Jahres" gewählt wurde.
"Das hängt auch mit der Position zusammen. Die Vergangenheit zeigt, dass es für einen Abwehrspieler viel schwieriger ist, Fußballer des Jahres zu werden, weil es über einen Zeitraum von einem ganzen Jahr doch oft jemanden gibt, der sich in der Offensive in den Vordergrund spielt", sagte der 113-malige Nationalspieler Lahm. Nun geht der Titel aber im zweiten Jahr nacheinander an einen Abwehrspieler; zuletzt gewann sein ehemaliger Teamkollege Jérôme Boateng.
Nagelsmann, der Hoffenheim ins internationale Geschäft führte, ist Nachfolger von Dirk Schuster. Mit 273 Stimmen gewann er vor Christian Streich vom SC Freiburg (261) und Ralph Hasenhüttl von Vize-Meister RB Leipzig (107). 885 Mitglieder des Verbandes Deutscher Sportjournalisten hatten ihre Stimme abgegeben.
"Auf so breite Anerkennung zu stoßen freut mich, ist aber auch Ansporn, akribisch weiterzuarbeiten", sagte Nagelsmann, der innerhalb von knapp eineinhalb Jahren die Kraichgauer vom Abstiegskandidaten zum Champions-League-Qualifikanten formte.
Ein goldenes Jahr liegt hinter Marozsán. Die in Ungarn geborene und in Saarbrücken aufgewachsene 25-Jährige wurde in Rio Olympiasiegerin mit der deutschen Mannschaft, mit Olympique Lyon gewann sie die Champions League. "Diese Auszeichnung macht mich unheimlich stolz. Die Saison ist so genial gelaufen für mich, ich habe ja einige Trophäen gewonnen. Aber Fußballerin des Jahres zu werden, ist noch mal eine ganz besondere Ehre", sagte die Nachfolgerin von Alexandra Popp.
Extra: DIE BESTENLISTE


1960 Uwe Seeler, 1961 Max Morlock, 1962 Karl-Heinz Schnellinger, 1963 Hans Schäfer, 1964 Uwe Seeler, 1965 Hans Tilkowski, 1966 Franz Beckenbauer, 1967 Gerd Müller, 1968 Franz Beckenbauer 1969 Gerd Müller, 1970 Uwe Seeler, 1971 Berti Vogts, 1972 Günter Netzer, 1973 Günter Netzer, 1974 Franz Beckenbauer, 1975 Sepp Maier, 1976 Franz Beckenbauer, 1977 Sepp Maier, 1978 Sepp Maier, 1979 Berti Vogts, 1980 Karl-Heinz Rummenigge, 1981 Paul Breitner, 1982 Karlheinz Förster, 1983 Rudi Völler, 1984 Harald Schumacher, 1985 Hans-Peter Briegel, 1986 Harald Schumacher, 1987 Uwe Rahn, 1988 Jürgen Klinsmann, 1989 Thomas Häßler, 1990 Lothar Matthäus, 1991 Stefan Kuntz, 1992 Thomas Häßler, 1993 Andreas Köpke, 1994 Jürgen Klinsmann, 1995 Matthias Sammer, 1996 Matthias Sammer, 1997 Jürgen Kohler, 1998 Oliver Bierhoff, 1999 Lothar Matthäus, 2000 Oliver Kahn, 2001 Oliver Kahn, 2002 Michael Ballack, 2003 Michael Ballack, 2004 Ailton, 2005 Michael Ballack, 2006 Miro Klose, 2007 Mario Gomez, 2008 Franck Ribery, 2009 Grafite, 2010 Arjen Robben, 2011 Manuel Neuer, 2012 Marco Reus, 2013 Bastian Schweinsteiger, 2014 Manuel Neuer, 2015 Kevin De Bruyne, 2016 Jérôme Boateng, 2017 Philipp Lahm. (dpa)