Rekord-Kanutin Fischer: Mit „Lust“ ins Training

Rekord-Kanutin Fischer: Mit „Lust“ ins Training

Noch ist Olympia in London für Birgit Fischer „irgendwo am Horizont“, aber auf dem Weg zur Rückkehr in den Leistungssport hat Deutschlands Rekord-Olympiasiegerin einen „ziemlich entscheidenden Schritt“ gemacht.

Exakt ein Jahr vor den ersten Finals der Rennsport-Kanuten bei den Sommerspielen in England treibt die 49-Jährige ihr Comeback-Vorhaben voran. „Ich wollte bis heute das Umfeld geprüft haben, habe auch das Boot wieder rausgeholt, meine Hanteln im Keller wieder entstaubt beziehungsweise den Rost abgeklopft“, sagte Fischer am Montag der Nachrichtenagentur dpa. „Es geht, es funktioniert, ich habe weiter Lust, es ist nach wie vor spannend für mich.“

Die achtmalige Olympiasiegerin hatte mit ihrer Meldung für das Trainingskontrollsystem der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) eine Grundlage für ein Olympia-Comeback geschaffen. Dazu wollte sie bis zum 8. August die Rahmenbedingungen abklopfen. Rund 30 Kilometer sei sie in den vergangenen Wochen im Boot unterwegs gewesen - und es fühlte sich „erschreckend leicht“ an. „Es ging noch nie so leicht wie jetzt in diesem Bereich“, sagte die 27-malige Weltmeisterin über die Paddelschläge im „Wohlfühlbereich“.

Nach sechs Jahren Wettkampfpause - ihren letzten WM-Podestplatz holte Fischer 2005 bei der WM in Zagreb mit ihrer Nichte Fanny Fischer im Kajak-Zweier - will die Ausnahme-Kanutin nun das Training aufnehmen. Eine Unterbrechung ist für die WM in diesem Jahr vom 18. bis 21. August in Ungarn geplant, wo Fischer vor Ort sein wird.

„Ich rechne mit vier Stunden pro Tag, Training und Erholung. Wenn man älter ist, muss man sich länger erholen, das kenne ich schon von 2004“, sagte die zweifache Mutter. Nach zwei Babypausen und einer Laufbahnunterbrechung nach den Olympischen Spielen in Sydney kehrte sie jeweils stark zurück. Vor Olympia in Peking hatte Fischer ebenfalls mit einer Rückkehr geliebäugelt, ein halbes Jahr vor den Sommerspielen in China aber den Comeback-Verzicht erklärt.

In den kommenden Tagen will die „Sportlerin des Jahres 2004“ auch einmal auf die Regattastrecke nach Brandenburg. Zum einen, um ihren Geschwindigkeitsmesser nach langer Pause neu einzustellen, zum anderen, um einen Ausgangswert für die 500 Meter im Kajak zu haben. Dann soll nach und nach die Belastung gesteigert werden und im März über die Teilnahme an der nationalen Olympia-Ausscheidung entschieden werden.

„Wenn man sich gerade bei den Kanuten in Deutschland qualifizieren will, muss man richtig was drauf haben“, sagte Fischer, die 1980 in Moskau mit Gold die erste Olympia-Medaille von insgesamt acht goldenen und vier silbernen holte. „Aber wenn man sich dort qualifiziert hat, hat man die Gewissheit, dass man sicherlich in London irgendwo mit um die Medaillen paddeln kann. Aber das ist der dritte vor dem zweiten und dem ersten Schritt. Der erste Schritt ist, jetzt erstmal ins Training zu gehen und zu gucken, wo die Grenzen sind.“

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