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Spitzensport schenkt Japan wieder das Lächeln

Spitzensport schenkt Japan wieder das Lächeln

Es soll auch ein weiterer Schritt auf dem langen Weg zurück in die Normalität für Japan sein. Ein halbes Jahr nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe will das Land mit drei Top-Sportereignissen wieder positive Schlagzeilen liefern.

Im mutigen Kampf Japans um ein Stück Normalität schenken drei WM-Gastspiele Nippons begeisterten Sportfans wieder das Lächeln. „Was sie in den vergangenen Monaten durchgemacht haben, übersteigt meine Vorstellungskraft“, sagte Formel-1-Champion Sebastian Vettel voller Demut. Ob die Königsklasse des Motorsports, die Motorrad-WM oder die Turn-Titelkämpfe: Spitzensportler aus aller Welt bieten den von Tsunami- und Atomkatastrophe gebeutelten Japanern in diesen Tagen auch eine kleine Flucht aus dem beschwerlichen Alltag. „Natürlich ist der Weg des Wiederaufbaus noch weit, aber die Fortschritte sind bemerkenswert“, betonte Vettels japanischer Rennkollege Kamui Kobayashi.

Doch noch kann so mancher Top-Athlet ein gewisses Unbehagen oder sogar schlichtweg Angst nicht verhehlen. Die Sorgen sind noch da, um radioaktiv verseuchtes Essen oder neue Naturgewalten mit katastrophalen Folgen. Sei es bei den deutschen Turnern um Ex-Weltmeister Fabian Hambüchen, für die die Titelkämpfe in Tokio an diesem Freitag beginnen. Oder bei den Motorradpiloten, die am vergangenen Wochenende in Motegi an den Start gingen.

„Ich will dort überhaupt nicht fahren“, hatte Zweirad-Ikone Valentino Rossi noch im Juni gesagt. Gegen die Mehrheit der Fahrer pochten der Weltverband und vor allem die japanischen Hersteller aber auf die Rennen im nur rund 150 Kilometer von der Atomruine Fukushima gelegenen Motegi. Und am Ende lieferten die waghalsigen Piloten den japanischen PS-Fans das erhoffte sportliche Spektakel.

Gleiches hat sich auch die Formel 1 vorgenommen. Ein halbes Jahr nach den schrecklichen Ereignissen des 11. März wollen Fast-Weltmeister Vettel und seine Kollegen dem Land ihren Tribut zollen. „Die gesamte Formel-1-Gemeinschaft ist entschlossen, den leidenschaftlichen Fans ein tolles und spannendes Rennen zu bieten“, betonte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug.

Die Japaner können es kaum erwarten. Längst sind alle Tickets für den Grand Prix in Suzuka am Sonntag ausverkauft. „Ich bin sehr stolz, dass die Formel-1-Weltmeisterschaft Japan an diesem Wochenende auf die Bühne des Weltsports bringt“, sagte McLaren-Pilot Jenson Button.

Für den Weltmeister von 2009 ist das Land der aufgehenden Sonne längst zur zweiten Heimat geworden, seine Freundin Jessica Michibata ist Halb-Japanerin. „Während das Land noch immer dabei ist, sich selbst wieder aufzubauen, bin ich mir sehr darüber bewusst, dass der Sport eine bedeutende Rolle spielen kann, weitere Hoffnung zu schöpfen und Normalität zurückzubringen in Gemeinden, die von dem Erdbeben und dem Tsunami zerrissen wurden“, sagte Button.

Aber auch die Formel 1 wird ohne Zweifel Vorsichtsmaßnahmen treffen. Das Vettel-Team Red Bull soll angeblich das Essen eigens mit nach Japan bringen. Neben dem zum Greifen nahen WM-Titel denkt der 24 Jahre alte Heppenheimer vor allem auch an die so leidgeplagten begeisterungsfähigen japanischen Formel-1-Fans: „Ich hoffe, wir können ihnen am Wochenende eine gute Show liefern.“

Ein Signal für Japan und ihren Sport wollen auch die deutschen Turner setzen. „Ich habe im Mai bei meinem Besuch in Japan meinen Freunden und Sportkameraden volle Unterstützung nach ihren schweren Stunden signalisiert“, beteuerte Ex-Reck-Weltmeister Hambüchen. Und sein Mannschaftskollege Philipp Boy erklärte sogar: „Die durch die Reaktor-Katastrophe entstandene Situation ist für unser Team kein Thema mehr.“ Das wäre wohl ganz im Sinne der WM-Gastgeber. Mehr denn je ist ihr Wunsch spürbar, dass die Welt wieder aus anderen Gründen auf Japan schaut. Der Sport bietet die perfekte Bühne dafür.