Steffen: Wenn Paul mich braucht, bin ich da

Steffen: Wenn Paul mich braucht, bin ich da

Britta Steffen wird vier Jahre nach ihrem großen Triumph bei der Schwimm-EM in Budapest die diesjährigen kontinentalen Titelkämpfe in der ungarischen Hauptstadt als Zuschauerin erleben.

Die Doppel-Olympiasiegerin wird in der kommenden Woche als Gast der ARD ihren Freund Paul Biedermann von der Tribüne aus unterstützen. Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa spricht die 26-Jährige über ihre Beziehung zum Doppel-Weltmeister, wie sie dem 23-Jährigen helfen kann und die Sehnsucht nach dem eigenen Comeback.

In Budapest ging 2006 mit vier EM-Titeln Ihr Stern auf, nun fehlen Sie wegen Trainingsrückstands. Was werden sie bei der EM machen?

Steffen: „Ich werde in Budapest sein, viel Zeit auf der Tribüne verbringen, der ganzen Mannschaft und vor allem Paul die Daumen drücken. Außerdem hatte ich vor vier Jahren wenig Zeit, mir die Stadt anzusehen. Das könnte ich nachholen.“

Wie könnte es sein, nach vier Jahren wieder an die Stätte des ersten großen Triumphes zurückzukehren?

Steffen: „Ich denke schon, dass es ein komisches Gefühl sein wird, aber dass man es erst richtig vor Ort definieren kann. Es ist eben schon wieder vier Jahre her und manchmal fragt man sich, wo ist die Zeit eigentlich hin. Ich bin gespannt.“

Was hat den Ausschlag gegeben, doch nach Budapest zu kommen, obwohl Sie sich ja eigentlich nicht so gern im Rampenlicht zeigen?

Steffen: „Ich glaube, wenn es Paul nicht geben würde, wäre ich nicht dabei. Dann würde ich mich zurückziehen und mein eigenes Ding machen. Aber es hat mir schon ein bisschen wehgetan, dass ich nicht dabei sein kann, wenn er schwimmt. Ich wollte unbedingt live dabei sein, wenn er schwimmt. Ich war ein bisschen hin und her gerissen: Es wird mir wehtun, nicht selber an den Start gehen zu können, aber die Freude darauf, ihm beim Schwimmen zuzusehen, überwiegt. Deswegen finde ich es ganz toll, dass die ARD mich als Gast mitnimmt.“

Wie wichtig ist es für Euch, dem anderen beim Schwimmen zuzusehen?

Steffen: „Ich weiß gar nicht, ob das für ihn wichtig ist. Ich glaube, er freut sich, wenn ich da bin. Aber letztendlich muss er schwimmen und muss sehr konzentriert sein, und da spiele ich dann nicht so eine Rolle. Im Moment kann ich ihm mehr entgegenkommen, weil auf mir kein Druck lastet.“

Ist da mehr die Spitzensportlerin oder die Freundin gefordert?

Steffen: „Ich glaube, beide Rollen bieten Vorteile. Auf der einen Seite bin ich seine Freundin, und wenn er mich braucht, bin ich da. Auf der anderen Seite bin ich die Sportlerin und weiß genau, was in ihm vorgeht und lass ihn in Ruhe. Wenn er dann vielleicht sagt 'du, ich brauch' jetzt meine Ruhe', dann würde ich als Freundin denken 'oh mann, eigentlich wollte ich ihm nur helfen'. Als Sportlerin würde ich sagen: 'Klar verstehe ich total, würde mir nicht anders gehen'. Diese Mischung ist ganz förderlich für die Beziehung.“

Gibt es Erfahrungswerte, was wann besser ist?

Steffen: „Ja, wir haben grundsätzlich darüber gesprochen. Die Strategie ist einfach die, dass ich sage, wenn du mich brauchst, ruf mich an, dann bin ich da, wenn nicht, halte ich mich komplett zurück. Ich selber würde total in Ruhe gelassen werden wollen. Deswegen werde ich mich komplett zurücknehmen. Wenn er was möchte, dann wird er sich melden und ich bin auch für ihn da.“

Der erste große Schwimm-Wettkampf als Zuschauerin. Interessiert auch die Außenansicht?

Steffen: „Es geht mir darum, die Perspektive zu wechseln und trotzdem beim nächsten Mal wieder als Sportlerin dabei zu sein. Mir liegt schon viel daran, einfach mal live zu erleben, wie ein Großereignis ist, wenn man nicht schwimmt. Das wird eine große Motivation für die nächste Saison sein.“

Interview: Marc Zeilhofer, dpa