| 18:47 Uhr

Seitz Weltcup-Dritte
Super-Turnerin Simone Biles fasziniert Stuttgart

 Deklassierte bei ihrem Weltcup-Debüt in Stuttgart die Konkurrenz: Simone Biles. Foto: Marijan Murat
Deklassierte bei ihrem Weltcup-Debüt in Stuttgart die Konkurrenz: Simone Biles. Foto: Marijan Murat
Stuttgart. Entspannt lehnte sich Simone Biles auf der Couch in der Kiss-and-Cry-Zone zurück und genoss lächelnd die Ovationen der 5.000 Turn-Fans. Von Frank Thomas, dpa

Die Rekordweltmeisterin aus den USA hat ihren ersten Start beim Weltcup in Stuttgart zu einer begeisternden Machtdemonstration genutzt und die anderen Weltklasse-Turnerinnen fast zu Statisten degradiert. Mit den besten Wertungen und 58,800 Punkten setzte sich die viermalige Olympiasiegerin im Mehrkampf überlegen mit fast vier Zählern vor Anne-Marie Padurariu aus Kanada durch und kassierte die 12.000 Schweizer Franken Preisgeld.

Lokalmatadorin Elisabeth Seitz turnte mit 54,399 Punkten einen starken Vierkampf und sicherte sich als Dritte eine Belohnung von 8.000 Franken. Besser war sie beim Stuttgarter Weltcup nur 2012 und 2018 jeweils als Zweite. „Wenn wir beide gemeinsam turnen würden, würde sie wahrscheinlich über mich drüber fliegen. Sie bringt das Turnen auf ein völlig neues Niveau“, sagte Seitz zur unglaublichen Überlegenheit von Biles. „Ich bin aber dennoch mehr als zufrieden.“

Die Stuttgarterin präsentierte erstmals seit sechs Jahren wieder die Doppelschraube bei ihrem Jurtschenko-Sprung und erkämpfte mit 14,50 Punkten das zweitbeste Resultat am Auftaktgerät. Gleiches gelang der WM-Dritten am Stufenbarren (14,233), wo sie ebenfalls nur Biles (14,300) den Vortritt lassen musste. Kim Bui kam bei ihrem Heimspiel vor 5000 Zuschauern in der ausverkauften Porsche-Arena auf Platz sieben (52,166 Punkte). „Was Simone Biles macht, ist von einem anderen Stern“, räumte auch sie ein.

Biles, die nur 1,42 Meter große Powerfrau, die mit 22 Jahren schon 14 WM-Titel gewonnen hat, war begeistert von der Stimmung in Stuttgart. „Ich wollte die Bedingungen für die WM kennenlernen. Toll, wie hier das Publikum mitgeht. Viele haben mir gesagt, dass sie wegen mir gekommen sind“, meinte Biles.

Bei der zurückliegenden WM in Doha hatte die Vierfach-Olympiasiegerin bei ihrem Comeback nach Olympia mit vier Titeln die Fachwelt beeindruckt. Dieser Erfolg kam überraschend, weil sie im Januar 2018 öffentlich gemacht hatte, wie mehr als 260 junge Sportlerinnen vom früheren US-Teamarzt Larry Nassar sexuell missbraucht worden zu sein. Konsequenz waren Strafen von bis zu 175 Jahren Haft für Nassar.

Tags zuvor hatte Marcel Nguyen mit einem stabilen Sechskampf (82,864 Punkte) und Platz vier überzeugt, danach aber überraschend seinen Wunsch öffentlich gemacht, bei der EM vom 10. bis 14. April in Stettin auf den Mehrkampf zu verzichten. „Es ist legitim von ihm, dass er solche Gedanken äußert. Aber ich habe eben eine andere Meinung“, sagte Cheftrainer Andreas Hirsch. „Wir werden uns nun zusammensetzen und die Sache klären.“ Das Sieger-Preisgeld holte Weltmeister Artur Dalalojan ab. Der in der Bundesliga für Schwäbisch Gmünd startende Russe kam trotz zwei Abstürzen am Reck auf 84,497 Punkte.

Im Team-Finale konnten die Deutschen mit einem starken zweiten Platz überraschen. Das Quintett mit fünf Kandidaten für die EM in Stettin (10. bis 14. April) kam auf 168,162 Punkte und musste sich nur den Russen (170,995) beugen. Für die besten Resultate sorgten Lukas Dauser (14,966 Punkte) und Nils Dunkel (14,666) am Barren.

Zeitplan DTB-Pokal und Weltcup

Ergebnisse Team Challenge

Steckbrief Marcel Nguyen

Steckbrief Elisabeth Seitz