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Damen-Tennis-Turnier Luxemburg Interview Turnierdirektorin Danielle Maas

Damen-Tennis : „Ein Tennis-Fest mit ernsthaften Spielen“

Ein in Europa einzigartiges Format folgt im Herbst auf das Damen-Tennis-WTA-Turnier in Luxemburg.

(fan) 25 Jahre lang hat die Weltelite des Damen-Tennis im Sportcenter Kockelscheuer in Luxemburg aufgeschlagen, bevor der Luxemburgische Damen-Tennisverband (IWTP) das Kapitel nach der Jubiläumsauflage und einer Gala in der Luxemburger Philharmonie für beendet erklärte. Die Hauptursache für das Aus des Traditionsturniers war die fehlende Nähe zu den Fans und „der Wunsch , etwas Neues zu machen“, wie es Turnierdirektorin Danielle Maas beschreibt. Im Interview mit TV-Redakteur Stefan Strohm erklärt sie die Reaktionen auf das Aus, das neue Turnierkonzept und die neuen Herausforderungen, die sich für sie und ihre eingespielte Turniercrew stellen.

Frau Maas, im September des vergangenen Jahres haben Sie nach 25 Jahren das Aus des WTA-Turniers in Luxemburg verkündet. Wie waren die Reaktionen aus dem Umfeld und von den Sponsoren auf das Ende dieser Ära?

DANIELLE MAAS Im Nachhinein gab es ein sehr positives Feedback von den Sponsoren, der Stadt und dem Staat Luxemburg. Die Bank BGL BNP Paribas ist zwar kein Titelsponsor mehr, aber weiterhin als Sponsor dabei. Das künftige Luxemburger Lady Tennis Masters wird vom Staat unterstützt, wir möchten damit Reklame machen für Luxemburg und das Damen-Tennis.

Vor dem letzten WTA-Turnier in Luxemburg gab es noch eine hochkarätige Jubiläumsgala. Reifte da das Konzept für das neue Event? Oder war das schon länger im Hinterkopf?

MAAS Ein neues Konzept war schon vor dem letzten Turnier angedacht, denn wir waren nicht mehr zufrieden. Es gab auch durch die Covid-19-Regularien keine Nähe mehr zu den Spielerinnen, was unser Turnier immer ausgezeichnet hatte. Aber wir wollten nicht aufhören, ohne das Jubiläum 25 Jahre vollzumachen. Der Schlussstrich war klar, ohne dass es Druck von irgendeiner Seite gab. Es wurde immer schwieriger, auch von der Logistik her. Die Halle Kockelscheuer ist für so ein Turnier ja auch nicht prädestiniert. Wir waren froh, das letzte Turnier gut über die Bühne gebracht zu haben. Den Wunsch, etwas Neues zu machen, gab es schon vorher. Nach dem Turnier erhielten wir große Unterstützung durch die Medien und den Staat, Octagon (Anm. der Red.: eine Sportmarketingagentur) unterschrieb als neuer Partner für zwei Jahre.

Was versprechen Sie sich vom neuen Format als Einladungsturnier? Wieder mehr Nähe zu den Fans?

MAAS Wir wollen wieder mehr Nähe zu den Fans und die Jugendlichen und Sponsoren wieder stärker integrieren. Das Konzept steht, für das Turnier werden acht Spielerinnen eingeladen, die kein aktuelles WTA-Ranking mehr haben dürfen. Es soll aber kein Showturnier mit alternden Diven werden, sondern wir legen den Fokus auf den Wettbewerb. Insgesamt gibt es ein Preisgeld von 100.000 Euro, wir setzen auf bekannte Namen und die Nähe zu den Spielerinnen. Das Turnier soll ein Tennis-Fest mit ernsthaften Spielen werden, es werden keine Spielerinnen eingeladen, die seit 20 Jahren aus dem Tennis-Zirkus raus sind. Uns schweben Spielerinnen wie Ana Ivanovic, Kim Clijsters, Martina Hingis oder Julia Görges vor. Das Preisgeld ist sehr lukrativ, auf die Siegerin warten 40.000 Euro – das ist mehr als es beim letzten WTA-Turnier in Luxemburg gab.

Wie schwer war es, das neue Format neben den WTA-Turnieren auf dem Markt zu platzieren?

MAAS Das war nicht schwer. Vom Knowhow war es nicht schwer, weil wir es schon 30 Jahre lang machen – 25 Jahre als WTA-Turnier, davor fünf Jahre als Einladungsturnier. Zudem waren alle Sponsoren begeistert, und es gibt ein großes Medieninteresse. Das hat uns geholfen. Wir haben Eurosport, die zwei Matches live zeigen werden, und RTL, die sieben Matches live zeigen werden, an Bord. Dieses Format gibt es in Europa noch nicht – es ist laut unserem Vermarktungspartner Octagon „unique“, also einzigartig. Die Herausforderung für uns ist, dass wir auch die Location wechseln werden: Die Spiele werden in der
Coque auf dem Kirchberg im Gymnasium stattfinden. Die Arena wäre eine Nummer zu groß, alles wird eine Nummer kleiner als bisher beim WTA-Turnier ablaufen. Wir wollten ja mehr Nähe zu den Spielerinnen – mal schauen, wie das läuft. An vier Tagen können jeweils maximal 1200 Zuschauer kommen, es wird auch einen VIP-Bereich, ein Publikums-Village, Meet & Greet und weitere Veranstaltungen geben. Besser vier Tage ausverkauft und die Leute haben Spaß! Unser Ziel ist es, Reklame für Luxemburg und das Damen-Tennis zu machen.

Weniger Zuschauer bedeuten weniger Einnahmen – in manchen Jahren kamen bis zu 20.000 Zuschauer ins Sportcenter Kockelscheuer, nun können es maximal 4800 Tennis-Fans werden. Führen die geringeren Einnahmen zu finanziellen Problemen?

MAAS Nein, das ist kein Problem für uns. Wir sind nicht von den Zuschauereinnahmen abhängig, das macht höchstens fünf Prozent von unserem Budget von ungefähr 800.000 bis 900.000 Euro aus. Die Eintrittspreise werden stabil bleiben, damit sich auch Familien mit mehreren Kindern den Eintritt leisten können.

Woran arbeiten Sie gerade? Ist der Vorbereitungsaufwand höher oder geringer als in den Jahren zuvor?

Damen-Tennis-Turnier Luxemburg Interview Turnierdirektorin Danielle Maas
Foto: dpa/Kamran Jebreili

MAAS Es ist eine andere Arbeit, da es um etwas total Neues geht. Es gibt also nicht weniger zu tun. Unser Leitmotiv ist: Wir kümmern uns mehr um die Kleinigkeiten. Wir können viel mit Herz und persönlichen Kontakten machen. Es gab schon viele Meetings mit der Coque, das Hotel für die Spielerinnen haben wir auch schon gebucht. Derzeit läuft noch die Sponsorenakquise, dafür haben wir uns bis zum Monat März Zeit gegeben. Es schaut insgesamt schon gut aus.