1. Sport
  2. Sportmix

Tiger Woods beim Masters wieder gefürchtet

Tiger Woods beim Masters wieder gefürchtet

Tiger Woods ist den Hype um seine Person gewohnt. Sichtlich entspannt und gut gelaunt stimmte sich der Amerikaner mit einer lockeren Trainingsrunde über neun Löcher auf das 76. Golf-Masters in Augusta ein.

Die riesigen Erwartungen der Kollegen, Fans und Weltpresse prallen an dem viermaligen Champion ab. Woods hat sich bei seinem 16. Start an der Magnolia Lane ohnehin viel vorgenommen. Der Superstar hat sein Leben neu geordnet und mit neuem Caddie (Joe LaCava) und neuem Coach (Sean Foley) sein Spiel wiedergefunden.

Auch die Ehrfurcht der Konkurrenten ist zurück und Woods rechtzeitig vor dem ersten Saisonhöhepunkt von Donnerstag bis Sonntag auf dem Augusta National Golf Club wieder in Topform. „Ich fühle mich großartig, keine Schmerzen oder Wehwehchen“, erzählte der Kalifornier, den in der Vorwoche noch Achillessehnenprobleme geplagt hatten, „jetzt geht es darum, die beste Leistung dann zu bringen, wenn man sie bringen will.“

Mit seinem überzeugenden Triumph vor zwei Wochen im Arnold Palmer Invitational hatte er eine Durststrecke von 923 Tagen ohne Turniersieg beendet. Der britische Buchmacher Ladbrokes machte ihn prompt zum Topfavoriten in Augusta, und nicht nur der Schotte Colin Montgomery, europäischer Ryder Cup-Kapitän 2010, kommentierte beeindruckt: „Das war wieder der alte Tiger.“ Woods kann die schnellen, unberechenbaren Grüns des Par-72-Kurses besser lesen als die meisten seiner Konkurrenten und nach einer erneuten Schwungumstellung ist auch die Genauigkeit in seinem langen Spiel zurückgekehrt.

Selbst Golf-Legende Jack Nicklaus, inzwischen 72 und mit 18 Major-Siegen noch immer der erfolgreichste Golfer der Geschichte, schwärmte wieder „vom einzigartigen Golfer Tiger Woods“. Es wäre „töricht, Tiger nicht zum engsten Favoritenkreis“ zu zählen. Die „Chicago Tribune“ erwartet ein „unvergessliches Duell der Generationen“ zwischen Woods und dem nordirischen Ausnahmekönner Rory McIlroy, der inzwischen im Weltranking die Nummer zwei ist. Der 22 Jahre alte US Open-Champion war sieben, als Woods 1997 zum ersten Mal Masters-Sieger wurde.

Seit der US Open 2008 hat Woods allerdings kein Major mehr gewonnen. Der 36-Jährige Sport-Milliardär musste Demut lernen, als seine außerehelichen Skandale nach einem Autounfall am 27. November 2009 bekanntgeworden waren. Er nahm eine viermonatige Auszeit, begab sich in Therapie wegen angeblicher Sexsucht und verlor einige Sponsorenverträge.

Zu seiner verzweifelten Formsuche kam der erbarmungslose Spott der Öffentlichkeit. Der 14-malige Major-Sieger wurde abgeschrieben und von einigen, früher eingeschüchterten, Profikollegen sogar verhöhnt. Der gestürzte Weltstar benutzte die Häme als Motivationshilfe und wollte der Welt beweisen, warum er 623 Wochen, fast zwölf Jahre lang, unangefochten die Nummer 1 war.

Jetzt ist der einstige Dominator wieder da - vielleicht sogar stärker denn je. In der Weltrangliste war er zwischenzeitlich auf Platz 51 abgerutscht. Jetzt wird er auf Position sieben geführt, einen Rang hinter dem Rheinländer Martin Kaymer. Als Woods auf der Anlage in Augusta auftauchte, kreischten die Fans so hysterisch wie bei jedem seiner vier Masters-Erfolge. Der Mythos Woods lebt.