Bolls Erfolgsgeheimnis: Authentisch bleiben

Trier · In der Arena Trier beginnen am heutigen Freitag die vom TV präsentierten 78. Deutschen Tischtennis-Meisterschaften. Timo Boll könnte alleiniger Rekordsieger werden.

(bl) Am Samstag, 13.30 Uhr, ist es laut Zeitplan so weit. Dann soll der topgesetzte Timo Boll ins Geschehen bei den heute beginnenden Deutschen Tischtennis-Meisterschaften in der Arena eingreifen. Im Interview mit TV-Redakteur Mirko Blahak kritisiert er das Fernsehen — und Thierry Henry.

Sie klingen etwas angeschlagen, zuletzt hatten Sie zudem muskuläre Probleme. Ist Ihre Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften in Gefahr?

Boll: Ich hatte eine Zerrung. Sie war aber nicht so schlimm. Aber ich habe mir noch einen Weisheitszahn ziehen lassen. Das hat mir jetzt ein bisschen mehr Probleme bereitet. Deshalb konnte ich nicht trainieren. Ich gehe aber fest davon aus, dass ich am Wochenende spielen kann.

Sie streben nach internationalen Erfolgen — was ist da eine Deutsche Meisterschaft wert?

Boll: Ich kann, wenn ich noch einmal gewinne, mit zehn Einzeltiteln alleiniger Rekordhalter werden. Auch wenn ich kein Statistik-Freak bin, wäre das eine schöne Sache. Mein Hauptziel in diesem Jahr ist aber die Team-Weltmeisterschaft. Dort möchte ich mit der deutschen Nationalmannschaft sehr weit kommen.

Es gab Versuche, mehr Tischtennis im Fernsehen zu zeigen. Sie sind gescheitert. Für immer?

Boll: Ich würde nicht sagen, dass die Versuche gescheitert sind. Man kann nicht binnen ein, zwei Jahren von null auf 100 durchstarten. Es muss weiter ständig deutsche Erfolge geben. Das Fernsehen muss realisieren, dass im Tischtennis immer ein Deutscher mit vorne dabei ist. Zudem müssen wir weiter versuchen, unsere Sportart professionell darzustellen. Ich hoffe, dass wir in Trier wieder ein gutes Bild abgeben.

Erfolge sind nun schon länger da. Müssen sich vielleicht Regeln ändern, um bildschirmkompatibler zu sein?

Boll: Es gab schon Überlegungen, ob wir auf Zeit spielen sollen. An sich haben wir eine sehr attraktive Sportart. Es gibt Sportarten, die medial sehr im Vordergrund stehen, obwohl eigentlich nur auf die Uhr geschaut wird, um zu sehen, ob einer schneller oder langsamer war. Bei uns passiert immer etwas.

Zuletzt kassierten Sie für den Erfolg beim Europa-Top-Zwölf-Turnier 9000 Euro. Nicht schlecht. Wären Sie nicht dennoch manchmal lieber Fußballer — angesichts der Summen, die dort in der internationalen Spitze zu verdienen sind?

Boll: Es hat alles Vor- und Nachteile. Ich bin zufrieden, so wie es ist. Uns Tischtennisspielern geht es nicht schlecht. Vielen anderen Sportlern geht es wesentlich schlechter als uns. Ich beschwere mich nicht. Ich bin dankbar, dass ich vom Sport ganz gut leben kann.

Sie sammeln viele Titel. Dennoch: Sie betreiben eine Randsportart, sind nicht schrill, sondern eher zurückhaltend. Und gleichwohl sind Sie ein Star. Mit Verlaub: Wie machen Sie das?

Boll: Man muss authentisch bleiben und sich nicht verstellen. Es würde jedem auffallen, wenn ich auf einmal den Kasper spielen würde. Das würde falsch rüberkommen. Ich verhalte mich so, wie ich wirklich bin. Damit fahre ich gut.

Sie stehen für Fair Play im Sport. Bei den Weltmeisterschaften 2005 in Shanghai haben Sie eine Schiedsrichterentscheidung im Einzel-Achtelfinale bei eigenem Matchball im siebten Satz zu Ihren Ungunsten korrigiert. Mal Hand aufs Herz: Wenn Sie Fußballer Thierry Henry wären — hätten Sie dem Schiedsrichter das Handtor im WM-Qualifikationsspiel gegen Irland gebeichtet?

Boll: Oh ... Mit Sicherheit. Aber im Mannschaftssport gibt es andere Situationen. Im Fußball ist es gang und gäbe, dass man alles für die eigene Mannschaft probiert. Ich bin Einzelsportler. Ich bin für meine Aktionen selbst verantwortlich und kann das von daher etwas freier entscheiden als vielleicht ein Thierry Henry. Aber ich würde immer den fairen Weg gehen.

Extra

Programm: Heute stehen in der Arena die Qualifikationen im Herren- und Damen-Einzel an (ab 14 Uhr). Anja Schuh (15) aus Schillingen (Kreis Trier-Saarburg) trifft in Gruppe D auf Sonja Busemann (Leutzscher Füchse, 14 Uhr), Kathrin Mühlbach (Essen-Holsterhausen, 16 Uhr) und Lisa Maylin Vossler (Watzeborn-Stbg., 18 Uhr). Die Stars (neben Boll Europameisterin Wu Jiaduo, Christian Süß, Dimitrij Ovtcharov oder Elke Schall) greifen ab Samstag ein. Absage: Rekordsiegerin Nicole Struse hat wegen einer Verletzung kurzfristig ihre Teilnahme abgesagt. Karten: Laut Veranstalter gibt es für alle drei Meisterschafts-Tage (Freitag, Samstag, Sonntag) noch Tickets an den Tageskassen der Arena. Alle Infos im Internet: www.ndm2010.de (bl)

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