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Traben-Trarbach: Ruder-Weltmeister ist auch im E-Sport-Radeln top

E-Radsport : Ruder-Weltmeister ist auch im E-Sport-Radeln top

Jason Osborne gewinnt die erste virtuelle Rad-Weltmeisterschaft. Hannah Ludwig aus Traben-Trarbach ist als Elfte beste Deutsche.

Ein deutscher Ruder-Weltmeister hat die erste E-Sport-WM des Radsport-Weltverbands UCI für sich entschieden. Jason Osborne gewann am Mittwoch das Pixel-Regenbogentrikot auf einem 50-Kilometer-Parcours durch die virtuelle Welt Watopia. Der 26-Jährige setzte sich unter anderem gegen Stunden-Weltrekordler  Victor Campenaerts aus Belgien durch. Als Ruderer hatte Osborne unter anderem bereits mit dem aus Zeltingen-Rachtig stammenden Olympiateilnehmer Jost Schömann-Finck den nationalen Winter-Langstreckentest im Leichtgewichts-Zweier gewonnen. „Das ist krass. Ich habe ja in Mainz mit Jason trainiert. Was der für Leistungswerte hatte ist unmenschlich. Meiner Meinung nach ist er momentan der stärkste Leichtgewichtsruderer auf der Welt“, sagt der 38-Jährige, der seit zwei Jahren in Ratzeburg in Schleswig-Holstein als Bootsbauer arbeitet über seinen ehemaligen Zweier-Partner.

Miguel Heidemann aus Hockweiler bei Trier hätte mit einer Wette auf seinen Nationalmannschaftskollegen Osborne Gewinn machen können. „Ich kennen ihn ja vom Training und aus anderen virtuellen Rennen. Ich wusste, dass er das kann“, sagte der 22-Jährige vom luxemburgischen Profiteam Leopard Pro Cycling.

Die Taktik in der deutschen Mannschaft war auf Osborne zugeschnitten: Dran bleiben, Kräfte schonen und gegebenenfalls Ausreißergruppen wieder einfangen sei die Marschrichtung von Teamleiter Tim Böhme gewesen, erzählt Heidemann. Nach etwa 30 Kilometern verlor er an einem Hügel den Anschluss an die Spitzengruppe. Durch die kleine Zeitverzögerung bei der Internet-Übertragung in Heidemanns Studenten-WG in Darmstadt konnte er nicht mehr rechtzeitig reagieren. „In der Realität wäre ich auf den Abfahrten mehr Risiko gegangen“, erklärt er. Auf der Plattform Zwift, auf der das WM-Rennen ausgetragen wurde, funktionierte es so aber nicht, wieder ins Feld zu fahren: „Da wird in keiner Kurve gebremst.“ Als deutscher U23-Zeitfahrmeister gab Heidemann trotz des Rückstands aber alles, konnte auch noch einige Fahrer überholen und war mit dem 44. Platz im Mittelfeld zufrieden.

Mit „super cool“ kommentierte Hannah Ludwig den Weltmeistertitel ihres Nationalmannschaftskameraden Osborne. Die 20-Jährige aus Traben-Trarbach war als Elftplatzierte des Frauen-Rennens (wie bei den Männern 50 Kilometer mit gut 400 Höhenmetern auf dem Kurs Figure 8 Reverse) beste Deutsche beim Titelgewinn der Südafrikanerin  Ashleigh Moolman-Pasio. „Ich bin mit wenigen Erwartungen reingegangen und deshalb war es eigentlich besser, als erhofft“, sagte die Fahrerin vom Team Canyon-Sram.

Als das große US-amerikanische Team nach sechs Kilometern erstmals attackierte, schaffte Ludwig mit ihrer Teamkollegin Tanja Erath (Heidelberg) in die etwa 30-köpfige Spitzengruppe. Ausreißversuche hätten sich nicht gelohnt. Dafür sei das deutsche Team mit nur zwei Fahrerinnen in der Spitzengruppe beispielsweise im Vergleich mit dem Amerikanerinnen, die noch zu sechst waren, zu schwach vertreten gewesen.

Wie erwartet fiel die Entscheidung erst am knapp einen Kilometer langen Schlussanstieg (durchschnittlich mehr als fünf Prozent Steigung). Den virtuellen Anstieg bewältigte  Ludwig zwar in persönlicher Bestzeit, gut sieben Sekunden fehlten ihr am Ende auf den Bronzeplatz, acht für den Sieg.

Begeistert war sie nicht nur von dem WM-Rennen, sondern auch von der Stimmung im deutschen Team. Frisch geduscht und etwas erholt traf man sich am Mittwochabend noch virtuell zu einer kleinen Feier: Hannah Ludwig in Traben-Trarbach, Miguel Heidemann in Darmstadt, Weltmeister Jason Osbone im Ruder-Trainingslager in Portugal und Lucas Carstensen beispielsweise in Thailand. Allerdings nicht allzu lange. Am Donnerstagmorgen nach dem Rennen stand Wirtschaftsingenieur-Student Heidemann um 6.30 Uhr wieder am Motorprüfstand der TU Darmstadt, um Dieselpartikelfilter zu testen.