Traumpaar nervenstark zur WM - Di Carli Nr. 1

Traumpaar nervenstark zur WM - Di Carli Nr. 1

Die Weltmeister Britta Steffen und Paul Biedermann sicherten sich in letzter Minute ihr WM-Ticket, das ehemalige „Großmaul“ Marco di Carli schwamm ebenso Weltjahresbestzeit wie Benjamin Starke.

Im Schlussspurt der deutschen Meisterschaften in Berlin haben Etablierte, Emporkömmlinge und Rückkehrer ihr Potenzial gezeigt. Biedermann gewann die 200 Meter Freistil in 1:45,72 Minuten und sprach stellvertretend für die Elite: „Die Erleichterung ist groß.“

Dagegen zeigte Kurzbahn-Weltrekordler Steffen Deibler Nerven und verfehlte überraschend die Qualifikation. Im letzten Rennen musste er sich dem Berliner Starke geschlagen geben. Der löste in 51,65 Sekunden den bislang Schnellsten des Jahres über 100 Meter Schmetterling, den amerikanischen Ausnahmekönner Michael Phelps (51,75), an der Spitze ab.

Biedermann kündigte nach der verpassten Norm über 400 Meter und der drittschnellsten Zeit weltweit in diesem Jahr auf seiner Paradestrecke an: „Je stärker die Gegner sind, desto stärker bin ich. Jetzt freu ich mich auf die WM.“ Freundin Britta Steffen beseitigte ebenfalls letzte Zweifel an ihrem WM-Start: Ihre 24,67 Sekunden über 50 Meter Freistil sind die viertschnellste Zeit in diesem Jahr.

„Ich hätte mir ein bisschen mehr vorgestellt. Ein zweiter Platz hätte für mich einen kleinen Weltuntergang bedeutet. Ich bin sehr froh, dass ich ein Häkchen hinter die deutsche Meisterschaft machen kann“, sagte Steffen, die wie Freund Biedermann ihre beiden WM-Titel von 2009 verteidigen will.

Neben Starke sorgte di Carli für den Höhepunkt. In 48,24 Sekunden über 100 Meter Freistil löschte der Frankfurter Biedermanns deutschen Rekord aus der Ära der High-Tech-Anzüge und stellte zudem eine von zwei Weltjahresbestzeiten von Berlin auf. „Wir haben eine kleine Anzahl von Leuten, die der Weltklasse zuzuordnen sind“, sagte Bundestrainer Dirk Lange. „Aber wir haben noch ein gutes Stück zur Weltspitze offen.“ Zwar verwies er auf viele Zeiten unter den Top 10 der Welt, kritisierte aber auch den Fitnesszustand der Athleten und dass sich „einige Etablierte zu sicher gefühlt“ haben.

Die strengen Normzeiten für die WM in Shanghai (16. bis 31. Juli) unterboten elf Schwimmer. Neben Britta Steffen, Biedermann, di Carli, Dorothea Brandt (Berlin/50 Meter Brust und Freistil), Hendrik Feldwehr (Essen/beide 50 Meter Brust) und Jan David Schepers (Essen/200 Meter Lagen) sicherten sich noch am Schlusstag Rückkehrer Helge Meeuw (Frankfurt/100 Meter Rücken), der Wuppertaler Christian vom Lehn mit der weltweit zweitschnellsten Zeit über 200 Meter Brust und im letzten DM-Rennen eben Starke (Berlin/100 Meter Schmetterling) das WM-Ticket. „Bei der WM geht noch mehr“, sagte der 24-Jährige.

Kurzbahn-Weltrekordler Steffen Deibler verpasste überraschend in jedem seiner Rennen die WM-Norm. Mit deutschem Rekord dürfen neben di Carli auch Yannick Lebherz (Darmstadt/400 Meter Lagen) und Markus Deibler (Hamburg/200 Meter Lagen) nach China fliegen.

Hinzu kommen die Staffelbesetzungen. Hier löste unter anderen die Vize-Europameisterin Silke Lippok (Pforzheim) über die Staffel- Regelung das WM-Ticket und darf auch auf einen Einzeleinsatz hoffen. Eine Sonderregelung braucht Kurzbahn-Europameister Marco Koch (Darmstadt), der über 200 Meter Brust am Sonntag erkrankt fehlte und sich nun über einen weiteren Wettkampf qualifizieren will.

Weltrekordlerin Britta Steffen erlebte bei ihrem Langbahn-Comeback nach 22 Monaten Pause Licht und Schatten. Über ihre Paradestrecke 100 Meter Freistil hatte sie nach starkem Vorlauf in 54,14 Sekunden die Norm überraschend um 6/100 verpasst. „Wenn man die eigenen Erwartungen nicht erfüllt, ist man erst mal geschockt“, sagte sie.

Vor dem Rennen waren in einer Einspielung der ZDF-Liveübertragung in der Halle private Szenen von ihr und Freund Paul Biedermann gezeigt worden, was der 27-Jährigen bitter aufstieß. Steffen fühlte sich wie „in einem Boxkampf. Die Erwartungen werden aufgebauscht.“

Biedermann war über 100 Meter Freistil in guten 48,66 Sekunden von di Carli geschlagen worden. Schon über 50 Meter hatte der 26-Jährige gewonnen. „Vor vier Jahren habe ich den Fehler gemacht, und die Fresse aufgemacht“, sagte di Carli. „Ich habe ein bisschen mehr das Privatleben genossen und die Prioritäten für Schwimmsport verloren.“

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