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Trier: Ein Abend als Ansporn in schwierigen Zeiten

TV-Sportlerwahl-Gala : Ein Abend als Ansporn in schwierigen Zeiten

Absagen war keine Option: Trotz aller coronabedingten Einschränkungen fand so auch diesmal die TV-Sportlerwahl-Gala statt. Vieles war anders, und die aktuellen Probleme von Teams, Sportlern und Trainern wurden deutlich. Umso mehr freuten sie sich über motivierende Worte und die Auszeichnungen.

Es war viel leerer und ruhiger als sonst. Die 15. Auflage der TV-Sportlerwahl-Gala war ganz anders als ihre Vorgänger. Kein vollbesetzter Rokokosaal im Kurfürstlichen Palais und auch kein hochkarätiges Rahmenprogramm: Wegen der Corona-Einschränkungen musste die Ehrung der Besten aus der Region diesmal ohne großen Glanz stattfinden. „Aber gerade jetzt ist es wichtig, dass die Sportler für ihre tollen Leistungen im vergangenen Jahr eine Anerkennung erhalten. Schließlich fehlte 2020 oft der aufmunternde Applaus der Zuschauer, oder zahlreiche Wettkämpfe fanden pandemiebedingt erst gar nicht statt“, sagte Rainer Düro, Sportlerwahl-Initiator und Moderator eines Abends, an dem die Ehrungen in mehreren Etappen und unabhängig voneinander stattfanden, um die maximal im Raum zugelassene Anzahl von 15 Personen  nicht zu überschreiten.

Disziplin, Respekt, Toleranz, Ehrgeiz, noch dazu Durchhaltevermögen: Aus eigener Erfahrung als langjähriger Aktiver weiß Düro, Präsident des Ironman-Clubs Trier, was alles für einen Sportler wichtig ist. Und an Selbstbewusstsein darf es nicht mangeln. Das betonte Schirmherr James Marsh. Schon mit 16 spielte er in der 2. Basketball-Bundesliga und hatte am Aufschwung der heimischen Korbjäger in den nachfolgenden Jahren großen Anteil. „Trier war in Deutschland ein Nobody. Wir kamen aus dem Nirgendwo. Aber wir wollten was erreichen und waren im Gefüge enorm stark.“ Den anwesenden Topsportlern rief er zu: „Setzt euch realistische Ziele und versucht dann, noch ein bisschen darüber hinaus zu kommen.“

Auf der Bühne konnte der 50-Jährige mit Uli Kaurisch auch einen seiner frühen Förderer als Trainer des Jahres auszeichnen. Einst begeisterte der heute 66-Jährige als Trainer mit Streetballturnieren („Da hatten wir rund 600 Teilnehmer und mussten den ganzen Rindertanzplatz absperren lassen.“) und Basketballcamps die Jugend, darunter auch den später zweifachen Deutschen Pokalsieger Marsh. Der langjährige Coach der MJC Trier („Wir sind von einer auf 30 Mannschaften gewachsen“) hat in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten 21 Teams zum Landestitel bei „Jugend trainiert für Olympia“, dem weltgrößten Schulsportwettbewerb, geführt. Einmal hat es beim Finale in Berlin sogar zur deutschen Vizemeisterschaft gereicht: „Ein unvergessenes Erlebnis, zumal uns die Trierer Bundesligamannschaft, die wegen eines Spiels gegen Alba vor Ort war, in der Halle als Fans unterstützte.“ Der pensionierte Lehrer am Max-Planck-Gymnasium (MPG) hatte den Trainer-des-Jahres-Titel „nicht erwartet – und er macht mich verdammt stolz“. Kaurisch sieht die Ehrung als Anerkennung für sein Lebenswerk. Weitere Erfolge sind trotz seines (offiziellen Ruhestands) gut möglich. „Ich habe unverändert enge Verbindungen zur Schule, gebe derzeit noch acht Wochenstunden am MPG als Schwangerschaftsvertretung. So ganz kann ich noch nicht loslassen.“

 Uli Kaurisch, Trainer des Jahres
Uli Kaurisch, Trainer des Jahres Foto: Sebastian J. Schwarz/sjs / Sebastian J. Schwarz

Die zweitmeisten Stimmen in der Trainer-des-Jahres-Kategorie vereinte Yannik Duppich auf sich. Freuen konnte sich der Gerolsteiner nicht nur über seinen zweiten Platz, sondern auch über den Sieg des von ihm trainierten Samuel Fitwi, der Sportler des Jahres 2020 ist und noch ganz beseelt schien vom Deutschen Rekord. Diesen lief der am Sonntag zuvor in einer Fabelzeit von 13:33 Minuten beim Fünf-Kilometer-Rennen von Monaco.

Zweitplatzierter Sportler des Jahres ist der Trierer Ruderer Richard Schmidt (Trainingslager bedingt vertreten von seiner Mutter Inge Fürst-Schmidt) vor Radfahrer Miguel Heidemann aus Hockweiler, der gerade mit seinem luxemburgischen Team aus Spanien zurückgekehrt ist, zudem studienbedingt viel um die Ohren hat und den seine Mutter Esther entschuldigte.

 James Marsh
James Marsh Foto: Sebastian J. Schwarz/sjs / Sebastian J. Schwarz

Darüber hinaus mussten einige weitere Sportler wegen auswärtiger Verpflichtungen passen. Die Konzerin Sophia Junk startet am heutigen Samstag über die 60-Meter-Distanz bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Dortmund, Triathletin Rebecca Bierbrauer – Vize-Nachwuchssportlerin hinter Diskuswerferin Hanna Kaiser von der LG Bernkastel-Wittlich – feilt derzeit am Bundesleistungszentrum in Kienbaum bei Berlin an ihrer Form. Dort kann sie „endlich auch wieder schwimmen, was hier bei uns ja leider nicht möglich ist“, berichtete Mutter Annette.

 Die Eintracht-U19
Die Eintracht-U19 Foto: Sebastian J. Schwarz/sjs / Sebastian J. Schwarz

Wie sehr die Corona-Einschränkungen gerade den Mannschaftssportlern zu schaffen machen, wurde am Donnerstagabend deutlich. Ende Oktober standen die Fußballer der Eintracht, die sich knapp vor den Drittliga-Handballerinnen der HSG Wittlich und den Leichtathletik-Seniorinnen des Post-Sportvereins Trier durchsetzten, das letzte Mal auf dem Platz. „Einmal in der Woche treffen wir uns virtuell zum Zoom-Training, ansonsten macht jeder für sich seine Übungen“, sagte Simon Maurer, Kapitän des aktuellen Spitzenreiters der Oberliga-Nordgruppe. Man werde nach der coronabedingten Pause „noch stärker zurückkommen“, ist er aber überzeugt. Das hofft auch Jan Stoffels. Die von ihm gecoachte A-Jugend der Eintracht wurde zweiter Sieger hinter den Basketballerinnen des Angela-Merici-Gymnasiums, deren Lehrerin Gaby Heidemann betonte: „Bei uns ist das gesamte Team der Star. Es ist fast egal, wer gerade spielt.“

Für Eintracht-Nachwuchstrainer Stoffels ist es „jetzt schon gefühlt ein ganzes Jahr, in dem wir nicht gemeinsam trainieren und spielen können – das tut verdammt weh“. Individuelle Einheiten würden die Präsenz nicht ersetzen. „Es wird immer schwieriger, die Jungs bei Laune zu halten. Irgendwann ist der Saft raus. Schließlich muss der Ball im Mittelpunkt stehen“.

Wenn sie auch in vielerlei Hinsicht anders war als sonst: Die TV-Sportlerwahl-Gala dürfte für die Geehrten Ansporn gewesen sein, trotz derzeitiger Tristesse bei der Stange zu bleiben – und vielleicht im nächsten Jahr wieder zum Kreis der Besten aus der Region zu gehören.

 Die Basketballerinnen des Angela-Merici-Gymnasiums.
Die Basketballerinnen des Angela-Merici-Gymnasiums. Foto: Sebastian J. Schwarz/sjs / Sebastian J. Schwarz

Nichts würde sich auch Initiator Rainer Düro dann mehr wünschen, als eine 16. Auflage unter den gewohnten Bedingungen und mit vollem Haus im Rokokosaal des Kurfürstlichen Palais.