„Unterirdisch“: EM-Debakel für Volleyballer perfekt

„Unterirdisch“: EM-Debakel für Volleyballer perfekt

Trotz der besten Turnierleistung haben die deutschen Volleyballer ihr EM-Debakel nicht verhindern können und knapp ein Jahr vor Olympia einen bedenklichen sportlichen Tiefpunkt erreicht.

Die Auswahl von Bundestrainer Raúl Lozano verlor in Prag auch ihr drittes Vorrundenspiel gegen Bulgarien mit 1:3 (16:25, 27:25, 24:26, 23:25) und muss damit ohne einzigen Punktgewinn frühzeitig die Heimreise antreten.

„Das ist ein Rückschlag auf dem Weg zu Olympia“, klagte Präsident Werner von Moltke vom Deutschen Volleyball-Verband (DVV) nach dem schwächsten Auftritt bei einer EM-Endrunde. Drastischer formulierte es Kapitän Björn Andrae: „Das ist ein unterirdisches Ergebnis. Wir müssen daraus unsere Lehren ziehen.“

Nach den 1:3-Niederlagen gegen Polen und gegen die Slowakei blieb das Wunder von Prag aus. Nur ein deutlicher Sieg gegen den EM-Dritten aus Bulgarien hätte die deutschen Hoffnungen auf ein Weiterkommen am Leben erhalten, doch daraus wurde nichts. Zwar wehrte sich das deutsche Team nach Kräften, aber wie in den beiden vorangegangenen Partien fanden die DVV-Männer vor allem in den entscheidenden Ballwechseln zu selten zu ihrem Spiel und leisteten sich erneut viele unnötige Fehler etwa beim Aufschlag.

„Wir wollten bei der EM eigentlich Flagge zeigen. Wir haben uns einen Aha-Effekt erhofft“, sagte von Moltke, der das Aus daheim am Fernseher verfolgte. „Das ist wirklich schlimm.“ Nationalspieler Sebastian Schwarz, den Rückenprobleme bei der EM lahmlegten, bilanzierte kurz und deutlich: „Das ist ein beschissenes Gefühl.“

Gegen die Bulgaren, die bei der EM erneut als Medaillenanwärter gelten, kamen die Deutschen zunächst überhaupt nichts ins Spiel. Im ersten Durchgang dominierte Bulgarien fast nach Belieben, vor allem gegen das starke Block-Spiel des Gegners fanden die DVV-Männer kein Mittel. Doch nach dem deutlich verlorenen ersten Satz steigerten sich die deutschen Männer. Nun agierten sie endlich selbstbewusster und erhöhten auch im Angriffsspiel die Durchschlagskraft.

Nach Abwehr von zwei Satzbällen stellte Rückkehrer Georg Grozer mit einem Block den Ausgleich her - und nun lief es plötzlich besser im deutschen Spiel. Im dritten Durchgang lagen die Schützlinge Lozanos sogar schon mit drei Punkten in Front und hatten auch einen Satzball. Doch wieder einmal folgte dem Hoch ein Tief. Bulgarien kam zurück, gewann Satz drei und besiegelte damit das deutsche EM-Aus. Der vierte Durchgang war nur noch Formsache.

„Wir sind mental nicht so gut vorbereitet wie andere Teams, unser Fokus lag mehr auf der physischen Arbeit“, hatte Nationalspieler Robert Kromm schon nach der Slowakei-Pleite erkannt. Für das große Ziel Olympia kündigte Verbandspräsident von Moltke nach dem schwachen EM-Auftritt eine rasche Aussprache an, bei der sich auch der Bundestrainer kritischen Fragen ausgesetzt sehen dürfte: „Wir werden mit den Verantwortlichen reden müssen.“

EM-Infos des DVV

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