Volleyball: Blackout kostet EM-Titel - „Stolz“

Volleyball: Blackout kostet EM-Titel - „Stolz“

Der erste EM-Titel für die deutscher Volleyball-Frauen seit fast einem Vierteljahrhundert war zum Greifen nach. Doch ein unglaublicher Blackout im vierten Satz verhinderte den Triumph. Nach ihrer tollen EM durften Angelina Grün und Co. aber dennoch lange feiern.

Erst bei Pizza und Rotwein wich bei den deutschen Volleyball-Frauen so langsam der Frust über den EM-Blackout. „Nach dem Spiel waren wir alle sehr traurig. Aber im Volleyball ist leider immer alles möglich“, erklärte Bundestrainer Giovanni Guidetti im enttäuschten Rückblick auf den Aussetzer zur 2:3-Niederlage im EM-Finale gegen Gastgeber Serbien. Erst mit etwas Abstand überwog bei Angelina Grün und Co. die Freude über Silber - und einen starken EM-Auftritt. „Wir haben gegessen, wir haben getrunken - und dann haben wir einem Club noch einige Stunden viel getanzt“, sagte Guidetti nach der langen Nacht von Belgrad.

So ganz vergessen konnten die Frauen des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) ihren unglaublichen Einbruch allerdings nicht. Serbien war so gut wie besiegt, im vierten Durchgang führten Grün und Co. mit 6:0 und kurz vor Satzende mit 18:15. Den Triumph vor Augen zeigte das Team plötzlich etwas, was es das ganze Turnier nicht gezeigt hatte: Nerven. Plötzlich lief gar nichts mehr, Serbien machte unfassbare neun Punkte am Stück und kam doch noch zum Satzausgleich. „Das war der entscheidende Moment in diesem Finale“, erkannte Guidetti. Der Rest war Formsache.

So wurde beim Fünf-Satz-Krimi im Belgrader Hexenkessel der erste Titel seit fast einem Vierteljahrhundert verpasst, dennoch durfte der größte Erfolg seit der Wiedervereinigung gefeiert werden. „Ich bin sehr stolz auf mein Team, über die Silbermedaille und ein insgesamt fantastisches Turnier„, analysierte Spielführerin Margareta Kozuch.

Auch Guidetti war letztlich nur hingerissen von seinem Team. „Dank an die Mädels! Ich muss ihnen einfach für diese Leidenschaft danken. Ich bin total stolz. Diese Mädels trainieren zu dürfen, ist einfach wunderbar“, schwärmte der Italiener. Guidettis Hingabe hatte aber auch Grenzen: „Die Mädels haben probiert, meine Haare zu färben. Aber ich habe gut gekämpft.“

Wie seine Schützlinge im gesamten Turnier. Nach dem enttäuschenden Auftritt beim Grand Prix waren die Deutschen in Belgrad nicht wieder zu erkennen und gaben auf dem Weg ins Finale nur einen einzigen Satz ab. Selbst Titelverteidiger Italien wurde im Halbfinale mit 3:0 abgefertigt. „Das war ein perfektes Spiel. Das war das beste Spiel meiner Mannschaft, was ich je gesehen habe“, staunte sogar Guidetti.

DVV-Präsident Werner von Moltke, eigens zum Halbfinale angereist, durfte sich nach den Negativ-Schlagzeilen zum schwachen EM-Auftritt der Männer endlich wieder freuen. „Das ist eine tolle Sache. Mehr kann man sich eigentlich gar nicht wünschen. Das ist für uns super, dass wieder positiv über den deutschen Volleyball gesprochen wird.“

Nun soll auch die Olympia-Teilnahme her. Als Zugabe zum starken EM-Auftritt machten die DVV-Frauen den Sprung zum ersten Qualifikationsturnier für die Sommerspiele 2012 im November perfekt. „Wir haben jetzt wieder eine größere Chance“, erkannte Guidetti. „Wenn wir so weitermachen, ist Olympia möglich.“