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Volleyballer vor WM-Reifeprüfung - „Alles machbar“

Volleyballer vor WM-Reifeprüfung - „Alles machbar“

Nichts ist unmöglich: Offiziell lautet das Ziel Viertelfinale, doch im Lager der erstarkten deutschen Volleyballer darf sogar ganz offen vom größten WM-Coup seit dem DDR-Gold vor 40 Jahren geträumt werden.

Die WM-Favoriten heißen erneut Brasilien und Russland, doch den deutschen Männern werden durchaus Außenseiter-Chancen zugerechnet. „Mit viel Optimismus, Glück und Fantasie traue ich aber auch uns den Titel zu“, sagt Kapitän Björn Andrae sogar kess vor dem schweren Auftakt am 25. September im italienischen Triest gegen Serbien. „Wenn alles hinhaut und auch der Gegner mal Schwächephasen hat, dann ist alles machbar.“

Dass mit den Deutschen, die seit der Einheit lediglich zwei neunte WM-Plätze zu Buche stehen haben, wieder zu rechnen ist, hat die Konkurrenz im WM-Jahr lernen müssen. Erst trumpften die Männer des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) in der Weltliga unter anderem mit Siegen gegen Europameister und dem kommenden WM-Vorrundengegner Polen auf. Beim Endspurt in der WM-Vorbereitung gab es dann fast schon Historisches zu vermelden: Gegen Titelverteidiger Brasilien gelangen dem jungen deutschen Team gleich zwei Testspiel-Siege - immerhin die ersten Erfolge seit 16 Jahren.

Bundestrainer Raúl Lozano warnt vor zu viel Euphorie: „Die WM fängt bei Null an“, sagt Lozano, der die deutschen Männer 2009 und 2010 immer näher an die Weltspitze geführt hat. Doch auch der ehrgeizige Argentinier hat bei der WM große Ziele: Erstmals seit 36 Jahren soll ein deutsches Männer-Team wieder das Viertelfinale erreichen. „Enttäuscht wäre ich mit einer Platzierung hinter den zehn Top-Teams, zufrieden mit einem Rang acht bis zehn und glücklich, wenn wir unter die besten Acht kommen würden“, erklärt Lozano. So sieht es auch DVV-Präsident Werner von Moltke: „Ich würde mich freuen, wenn sie Fünfte, Sechste oder Siebte werden. Wir haben eine gute Truppe.“

Doch bis dahin steht den deutschen Männern ein schwerer Weg bevor - auch in Triest. „Es ist die schwierigste und ausgeglichenste Gruppe der WM-Vorrunde. Jedes Ergebnis ist möglich“, betont Lozano mit Blick auf den Weltranglisten-Vierten Serbien, Europameister Polen und Kanada. „Kanada ist die große Unbekannte“, sagt Andrae über den Außenseiter, gegen den ein Sieg auf dem Weg in die nächste Runde ein absolutes Muss ist.

Anders als vor einem Jahr, als die Deutschen bei der EM mit Platz sechs unter ihren Möglichkeiten geblieben waren, sieht Kapitän Andrae das junge Team nun bestens gerüstet. „Wir haben einen kleinen Reifeprozess gemacht“, betont der Routinier. „Es ist mit der ausgeglichenste Kader, den wir in den vergangenen zehn Jahren hatten. Jeder der 14 Spieler kann spielen, jeder Spieler kann wichtig sein. Wir können den Anpfiff kaum erwarten.“