Weltmeister Lurz: „Nicht den großen Affen machen“

Weltmeister Lurz: „Nicht den großen Affen machen“

Zehnter WM-Titel, über fünf Kilometer gar den siebten nacheinander - Rekord-Champion Thomas Lurz fabriziert Erfolge am Fließband.

Doch nach dem neuerlichen Sieg im Freiwasserschwimmen in Shanghai blieb der 31-Jährige gewohnt sachlich. Sein großes Ziel steht in einem Jahr an. Dann will der Würzburger in London Olympiasieger über zehn Kilometer werden.

Jubelt man als Seriensieger immer noch oder geht das mehr ins Innere?

Lurz: „Man freut sich natürlich schon noch drüber, ganz klar. Jeder Sieg wird eigentlich immer schwieriger. Aber siebenmal nacheinander zu gewinnen ist natürlich schon ganz gut.“

Wie sah Ihre Taktik aus?

Lurz: „Ich wollte von Anfang an mit vorne dabei sein und die letzten 800 Meter schwimmt man eh so schnell wie es geht und dann guckt man, wer noch mithält. Ich wusste, dass der Grieche natürlich ganz gut sein wird, wusste auch, dass er die letzten 30 Meter definitiv schneller ist als ich. Also musste ich mir schon bisschen Vorsprung rausholen.“

Wann waren Sie sich bei dem spannenden Finish sicher?

Lurz: „Beim Zieleinlauf war ich mir eigentlich relativ sicher, dann hab ich noch mal hinter mich geguckt und gemerkt, oh jetzt wird es doch nochmal eng. Und dann eigentlich erst am Anschlag wirklich.“

Sie haben es angesprochen, es wird immer schwieriger. Heißt das, dass Ihr Maß auch immer größer wird?

Lurz: „Mein Fokus liegt schon noch auf den zehn Kilometern beziehungsweise nächstes Jahr auf den Olympischen Spielen. Daher sind die fünf Kilometer nicht ganz so wichtig wie die zehn. Aber bei einer Weltmeisterschaft ist eine Medaille immer gleich. Aber es letztendlich wird es doch immer schwieriger, man wird zum einen nicht jünger und die Jugend kommt nach.“

Sie wirken so cool, kommen aus dem Wasser und es wirkt nach „Pflicht erfüllt“. Man merkt Ihnen die große Freude äußerlich nicht so an.

Lurz: „Ich freue mich schon da drüber, was soll ich sagen. Man muss nicht irgendwie den großen Affen machen und sich auf die Leine setzen. Ich freue mich wirklich darüber. Alle, die daran beteiligt sind, wissen das auch. Wir arbeiten seit Jahren. Zehn WM-Titel, in einer anderen Sportart wären sie wahrscheinlich mit 'ner Sänfte rausgetragen worden.“

Spüren Sie dann selbst, dass Sie ein absoluter Hero sind?

Lurz: „Nö, ich gehe trotzdem wie jeder andere auf die Toilette, muss ich machen. Klar ist die Leistung natürlich schon sehr, sehr gut. Ich denke auch, dass Langstreckenschwimmen in keinster Weise so anerkannt wird wie es eigentlich gehört. Das steht außer Frage.“

Olympia ist das große Ziel - ist es das letzte Ziel in Ihrer Karriere?

Lurz: „Das würde ich nicht sagen, Olympia ist jetzt erstmal das ganz große Ziel, das ist ganz klar, und danach muss man gucken, wie es läuft. Langstreckenschwimmen geht theoretisch vom Alter, das kann man schon machen, aber es kommt natürlich drauf an, ob es sich immer auch rentiert beziehungsweise man muss ja auch irgendwie ein bisschen Geld verdienen und schauen, dass das auch passt. Es gäbe noch genug andere Optionen, aber jetzt zählt eigentlich nur London und alles andere ist völlig sekundär.“