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WM-Fünfter, aber Zoff bei deutschen Footballern

WM-Fünfter, aber Zoff bei deutschen Footballern

Deutschland bleibt die beste europäische Mannschaft im American Football, doch im Team gibt es Zoff. Die Spieler fühlen sich schlecht betreut, der Ärger sitzt tief. Trotzdem erkämpfte sich die Nationalmannschaft bei der WM in Österreich mit einem 21:17 gegen Frankreich Platz fünf.

Damit haben die deutschen Footballer seit sechs Jahren nicht mehr gegen einen europäischen Kontrahenten verloren. Schon vor dem WM-Kickoff gab es Ärger. Der deutsche American Football Verband (AFVD) hatte von seinen Nationalspielern - allesamt Amateure - zunächst eine Kostenbeteiligung von je 321 Euro verlangt. Als die Aktiven mit Boykott drohten, verzichtete der AFVD auf das Geld, verkleinerte aber den Betreuerstab und verkürzte die WM-Vorbereitung auf nur zwei Tage. Experten warnten, dass das eindeutig zu wenig sei - und wurden bei den Niederlagen gegen Mexiko (15:22) und die USA (7:48) mit haarsträubenden Abstimmungsfehlern bestätigt.

„Leider muss ich sagen, dass wir unserem eigenen Verband für gar nichts danken können“, beschwerte sich der Wiesbadener Abwehrspieler Milan Misic im „Wiesbadener Kurier“ in einem Interview. „Der Verband kümmert sich nicht um uns.“

Der Düsseldorfer Niklas Römer sagte ebenfalls „vielen Dank für nichts“ und wagte die Prognose. „Man gebe uns eine Woche Camp: Wir schlagen Mexiko. Man gebe uns zwei Wochen Camp: Dann wäre es für die USA sehr eng geworden! Wir haben so viel Talent im Team, wie kann man das so verschandeln?“

Der 22-jährige schnelle Passempfänger ist selbst das beste Beispiel: In zwei der vier Partien wurde Römer zum „wertvollsten Spieler“ gewählt, stellte im Verlauf des Turniers sechs WM-Rekorde auf und zwei weitere ein - und spielte sich damit in die Notizbücher der US-amerikanischen Talentsucher.

Vor allem dank Römers Gala-Vorstellungen gegen Australien und in der Neuauflage des letztjährigen EM-Finales gegen Frankreich sowie dank solider Abwehrarbeit schaffte Deutschland als bester europäischer Teilnehmer doch noch Rang fünf und somit das von Sportdirektor Marshall Happer vorher ausgegebene Minimalziel.

„Daher sind wir zufrieden, aber es wäre sicher mehr möglich gewesen. Wir haben gemerkt, dass wir nicht weit hinter den Topnationen sind“, sagte Happer.

Titelverteidiger USA wurde der Favoritenrolle gerecht und sicherte sich den Finalsieg mit einem 50:7 über Kanada. Gastgeber Österreich konnte erst im letzten Spiel den ersten Sieg einfahren und erreichte Platz sieben. Insgesamt kamen rund 70 000 Zuschauer zu den 16 WM-Spielen - mehr als je zuvor bei einem solchen Turnier. Bei der WM 2015 dürfte das Starterfeld von acht auf zwölf Teams vergrößert werden. Wo das Turnier stattfinden wird, ist noch unklar.