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Zeiten statt Weiten: Konzer Dreispringer zur Europameisterschaft

Leichtathletik : Zeiten statt Weiten: Konzer Dreispringer zur EM

Michael Strupp ist der jüngste von 13 Nationalen Zielbildauswertern in Deutschland. Der 24-Jährige aus Konz will aber nicht nur als Kampfrichter, sondern auch als Dreispringer zu deutschen Meisterschaften.

Was Michael Strupp als Sportler noch schaffen will, kann er als Kampfrichter in jeden Fall erreichen: die Deutschen Meisterschaften. Der 24-Jährige aus Konz gehört in den kommenden vier Jahren zum erlauchten Kreis der 13 sogenannten nationalen Zielbildauswerter des Deutschen Leichtathletik-Verbands. Nach Abschluss eines Lehrgangs im Herbst wurde Strupp bis 2024 als einer von fünf neuen Kandidaten (unter 13 Bewerbern) in den Kreis aufgenommen. Die Teilnahme an zwei bis drei nationalen Titelkämpfen als Obmann Zeitmessung (so der offizielle Name der Funktion bei Wettkämpfen) ist damit Pflicht – eine, die Strupp gerne wahrnimmt. Und es warten noch reizvollere Aufgaben: „Kurz vor Weihnachten hat mich der Einsatzleiter der Europameisterschaften im kommenden Jahr in München angerufen und gefragt, ob ich nicht im Ziel helfen wolle“, erzählt Strupp und lacht: „Ich habe direkt zugesagt.“

Dass ihm sein Engagement als Kampfrichter einen internationalen Einsatz bescheren würde, daran hatte Strupp nicht gedacht, als er vor gut fünf Jahren begann, seinem Vater Andreas bei der Durchführung der Zeitmessung bei Leichtathletik-Veranstaltungen vor allem im Trierer Moselstadion zu helfen. „Nach meinem Abitur 2016 fand in Konz der Wettbewerb Jugend trainiert für Olympia statt. Ich hatte als einziger Zeit und habe die Zielbildauswertung gemacht“, erzählt Strupp von seinem ersten eigenverantwortlichen Einsatz.

Als Dreispringer mit einer persönlichen Bestleistung von 14,48 Metern ist Strupp mehr in der Sandgrube als auf der Kunststoffbahn zu Hause. Die Technik, die hinter der Zeitmessung steckt, fasziniert ihn aber so sehr, dass er sich tief in das Thema hinein gearbeitet. „Es gab früher Schwierigkeiten damit, dass zum Beispiel das Bild unscharf war. Ich habe mich eingelesen und Sachen ausprobiert. Es passt zu meinen Interessen und zu meinem Elektrotechnik-Studium“, erzählt er. In Kaiserslautern hat Strupp mittlerweile seine Bachelorarbeit abgegeben und arbeitet an seinem Masterabschluss.

Foto: Holger Teusch

Je tiefer er in die Materie eintauchte, desto mehr Ideen kamen ihm zur Weiterentwicklung des Zeitmesssystems im Leichtathletikkreis Trier-Saarburg, zum Beispiel die Netzwerkanbindung aller Komponenten. Die Startpistole ist nicht nur mit dem Videozeitnahmesystem auf Höhe der Ziellinie, sondern auch mit der Windmessung verbunden. Die Auswertung, für die immer noch das geschulte Auge notwendig ist, erfolgt wechselweise auf zwei PCs. So kann der nächste Lauf gestartet werden, während der kurz zuvor beendete noch ausgewertet wird. Startlisten und Ergebnisse werden nicht mehr auf Papierlisten, sondern ebenfalls digital zwischen Auswertung und Wettkampfbüro ausgetauscht. Wenige Minuten nach dem Zieleinlauf sind die Ergebnisse bereits im Internet verfügbar.

Zur schnellen Information der Athleten, Trainer und Zuschauer hat Strupp eine Anzeige gebaut, die vorläufige Zeiten anhand der Platzierung nahezu in Echtzeit zur Verfügung stellt. „Das war ein kleines Nebenprodukt“, sagt der 24-Jährige bescheiden. Als er las, welche Informationen das Trierer Omega-System bereitstellt, lötete er etwas herum, programmierte einen Mikroprozessor und schloss alles an eine einfache Anzeige an. „Das macht mir einfach Spaß“, erzählt er lachend.

Eine der beeindruckendsten Erfahrungen, die er bei größeren Veranstaltungen und Meisterschaften bisher gesammelt hat, war die vom Rehlinger Pfingstsportfest. „Da war das Fernsehen dabei, und die Anforderung war, dass die Zeiten der drei Erstplatzierten nach zehn Sekunden vorliegen müssen“, berichtet er von der besonderen Herausforderung.

Nicht nur als Kampfrichter, auch als Dreispringer möchte es Strupp zu den Deutschen Meisterschaften schaffen. Als Jugendlicher war er 2015 schon einmal dabei (zwölfter Platz mit 13,72 Metern). Unrealistisch sei es nicht, im Sommer zu den zwölf besten deutschen Dreispringern zu gehören, glaubt der mittlerweile für den 1. FC Kaiserslautern startende Leichtathlet. Und mit 24 Jahren ist er für einen Dreispringer auch noch jung. „Weil es beim Dreisprung so viel auf die Technik ankommt, kann man lange springen und erreicht oft erst spät seine Höchstleistungen“, erklärt Strupp. Wenn man eine gute Basis gelegt habe, sei Dreisprung auch nicht besonders verletzungsanfällig.

Dieses Fundament legte Strupp genauso wie sein Bruder, Zwei-Meter-Hochspringer Aaron, bei der TG Konz. Zunächst im Kindertraining bei Bianca Brachmann, später bei Winfried Weires und Siegfried Wegener. Mittlerweile wird er beim FCK von der aus Rumänien stammenden Liliana Hofer betreut. In Konz hilft Michael Strupp am Wochenende beim Training der Zwölf- bis Fünfzehnjährigen. „Momentan machen wir natürlich nur Online-Training“, bedauert er. Aber selbst Wettkämpfe werde es irgendwann auch wieder geben, freut er sich schon jetzt auf den Re-Start.