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Wasserski: Deutsche Nationalmannschaft trainiert in Pölich (Mosel)

Wasserski : Dreistöckige Pyramiden auf der Mosel

In Pölich trainiert eine deutsche Nationalmannschaft. Auf der Mosel wird in den nächsten Monaten das Team für die Wasserski-Show-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Florida geformt.

Im Zehn-Minuten-Takt heulten die Außenborder auf. Schnell Fahrt aufnehmen ist gefragt, wenn zehn Wasserskifahrer gleichzeitig mit dem Boot über die Mosel gezogen werden sollen. Am vergangenen Wochenende war so Dauerbetrieb auf dem Oberstau bei Pölich (Kreis Trier-Saarburg). Das deutsche Wasserski-Show-Nationalteam trainiert unter anderem in der Region für die Weltmeisterschaft im Oktober 2022 in Florida.

Besser gesagt: Aus den vielen Dutzend Wasserskiläufern, die sich momentan regelmäßig treffen, sollen im kommenden Frühjahr die je 16 Frauen und Männer ausgewählt werden, die als Team Germany die deutschen Farben vertreten. „Wir sind noch in der Phase, in der wir mit allen sehr breit trainieren, um die Show-Neulinge mit rein zu holen“, erklärt Christian Bockweg.

Warum auf der Mosel? Hier liegt eine der deutschen Wiegen des Wasserski-Show-Sports. Peter Scheffer gründete hier vor mehr als 30 Jahren das Erste Deutsche Wasserski-Showteam. Der 76-Jährige, so etwas wie der Spiritus Rector der nationalen Wasserski-Show-Szene beobachtet das Geschehen vom Ufer aus. „Die Aufträge sind alle weggefallen“, bedauert er. Statt mit dem Pölicher Team beispielsweise beim Alsterfest in Hamburg aufzutreten, war zuletzt nur Ruhe. Mit dem Nationalteam kommt wieder Bewegung in die Szene.

Sonnenbrille, T-Shirt und kurze Hose, Flipflops – Bockweg ist ganz der Strandtyp. Ende vergangenen Jahres hat er vom Deutschen Wasserski- und Wakeboard-Verband (DWWV) das Mandat zur Bildung einer Wasserski-Show-Nationalmannschaft bekommen. „Im Prinzip bin ich Bundestrainer in der Disziplin Wasserteam-Show“, sagt Bockweg.

Nicht seine einzige Aufgabe: „Daneben bin ich auch Projektleiter. Mit 40 Personen nach Florida zu fliegen, das ist ein ordentliches Projekt. Wir haben ein Budget von ungefähr 120 000 Euro, das erst einmal die Läufer selber stemmen müssen. Wir fallen leider aus sämtlichen Fördertöpfen raus“, erklärt Bockweg. Rund 2500 Euro werden nach aktueller Rechnung auf jeden zukommen. Nicht nur für die Reise, auch Kostüme und das Equipment müssen die Aktiven selbst finanzieren. Kostenminimierung hat sich der beruflich bei Unternehmensberatung aktive Teamchef deshalb auf die Fahnen geschrieben. Statt Hotel Campingplatz lautet das Motto deshalb in Pölich. Sponsoren? Wären gerne gesehen. Bockweg lacht. Gerade durch Corona wird es noch schwieriger Unterstützung für eine nicht-olympische Sportart zu bekommen.

Das, was auf der Mosel seinen Anfang nimmt, ist Leistungssport, betont Bockweg. „Die einzelnen Vereine fahren Shows vor Publikum. Das was wir hier machen ist Wettkampfsport. Man fährt für Punkte. Man achtet deshalb auch auf den Schwierigkeitsgrad, guckt auf Schwierigkeitstabellen. Grundsätzlich ist es so: Je mehr Leute auf dem Wasser, desto mehr Punkte“, erklärt er. „Am Ende erzählen wir aber eine Geschichte auf dem Wasser in einer einstündigen Show“, so Bockweg.

Da ist Kondition gefragt. Drei Boote sind gleichzeitig auf dem Wasser. Irgendetwas muss immer los sein, um die Jury zu beeindrucken. Wenn die Sportler mit einem Teil fertig sind, wird es im Sprint meist direkt zum nächsten Dock und aufs Wasser zum nächsten Showteil gehen.

Jacky Kirsch weiß, was auf sie zukommt. „Ich war bei der Weltmeisterschaft 2018 auch schon mit dabei“, erzählt die Barfuß-Wasserski-Spezialistin aus Schleich (Kreis Trier-Saarburg). Was die Show ausmacht? „Die Vielfältigkeit. Ob man mit zwei Ski, mit einem Ski fährt, barfuß fährt, man muss einiges können. Rumklettern, Hebefiguren, alles!“ Dabei kommt es Kirsch wie vielen anderen zugute, dass sie oft auch eine turnerische Ausbildung haben. „Im besten Fall geht es bis in den vierten Stock. Das nennen wir dann vierstöckige Pyramide. Ich war da auch schon mal oben. Das ist schon ganz schön hoch. Aber es macht viel Spaß“, erzählt Kirsch.

Hört sich aber auch nicht ganz ungefährlich an. „Man kann auch schon mal runterfallen“, sagt die 21-Jährige. „Aber so lange man nach hinten fällt, passiert nichts. Man fällt ja ins Wasser.“ Gefährlich wird es, wenn jemand nach vorne auf die Wasserski fällt. Für alle Fälle haben die Sportler deshalb Schwimmwesten an, erklärt Bockweg.

An diesem Wochenende werden auf der Mosel dreistöckige Pyramiden gebaut. Zwischen 15 und 45 Jahre alt sind die Sportler und kommen aus ganz Deutschland „Ganz bunt“, sagt Bockweg und blickt voraus aufs WM-Ziel der überhaupt erst zweiten deutschen Teilnahme: „Der olympische Gedanke zählt auch bei den nicht-olympischen Sportarten“, sagt der Jogi Löw der Wasserski-Show-Athleten grinsend. „Die Mannschaft, mit der wir uns am ehesten messen, sind die Belgier. USA und Kanada ist noch einmal ein anderes Niveau. Dort gibt es auch professionelle Läufer. Wir sind alles Amateure.“

Internet: www.wasserskishow.com