"Springen muss ich selbst"

"Springen muss ich selbst"

TRIER. Gut beraten. Seit mittlerweile 50 Jahren unterstützt die Handwerkskammer (HWK) Trier Betriebe in allen Fragen der Unternehmensführung. 40 000 Beratungen innerhalb der vergangenen fünf Jahrzehnte lautet die Bilanz. Offiziell gefeiert wird das Jubiläum am "Tag der Beratung für das Handwerk" im November.

Ein Handwerksmeister wird in allen betrieblichen und technischen Bereichen gefordert. Marketing, Finanzierung, Rechtsfragen, Umweltschutz und viele weitere Anforderungen wollen oft gleichzeitig erfüllt sein. "Für einen Meister mit einer 60-Stunden-Woche und durchschnittlich acht Mitarbeitern kaum zu schaffen", sagt HWK-Geschäftsführer Hans-Hermann Kocks. "Da ist die externe Beratung unverzichtbar." Rund 800 Anfragen wickele das Beratungs-Team der Handwerkskammer (HWK) Trier um Armin Stumpp, Christian Neuenfeldt, Herbert Tschepe und Rainer Thielen pro Jahr ab, ergänzt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Kammer, Josef Adams. Das Angebot reiche dabei von der Existenzgründung bis hin zur Krisenberatung. Etwa 40 bis 50 Prozent der Betriebe, bei denen "Matthäi am Letzten war, konnten durch die HWK-Betriebsberatung gerettet werden", freut sich Kocks. Seit der Gründung der Trierer Beratungsstelle im Jahr 1956 - damals in Rheinland-Pfalz die erste ihrer Art - habe man so 2000 Unternehmen aus der wirtschaftlichen Krise führen und 15 000 Arbeitsplätze sichern können. Doch warum sollte ich es so weit kommen lassen, dachte sich wohl Winfried Feller, Schreinermeister in Kell am See, der bereits mehrfach das Beratungsangebot der Kammer in Anspruch genommen hat: "Um zu sehen, wo man steht und wo man hin will." Eines der Ergebnisse: Die Firma führte das von der HWK entwickelte Controlling-Programm ein. "Ein Frühwarnsystem für Unternehmer, so behalten sie ihre Zahlen im Auge", beschreibt Adams. "Praxisgerecht" und "alltagstauglich" sei die Beratung gewesen, bescheinigt Schreinermeister Feller der Kammer Trier. Auch Ziele habe man gemeinsam entwickelt. "Wie bei einem Hochspringer. Liegt da eine Latte als Anreiz, kommt er viel höher als ohne. Die Betriebsberatung sehe ich dabei als Trainer - springen muss ich selbst." Dennoch ist sich HWK-Geschäftsführer Kocks bewusst, dass "es in Zukunft nicht einfacher wird". Schwierigere Rahmenbedingungen wie stagnierende Absatzmärkte und der Mangel an qualifiziertem Personal stelle höhere Anforderungen an die Berater. "Deshalb werden wir die Grundberatung zeitlich begrenzen, um genügend Zeit für Spezialfälle zu haben", verrät Adams, "zudem wird das Online-Angebot ausgebaut". Im November werde aber zunächst das 50. Jubiläum mit einem "Tag der Beratung für das Handwerk" gefeiert, zu dem Staatssekretär Siegfried Englert in Trier erwartet wird.

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