Stark im Strom

Stark im Strom

TRIER. In Trier fertigt die Firma Kautz Starkstromanlagen. Neben einer kontinuierlichen Weiterentwickung der Produkte setzt Geschäftsführer Rolf Kautz auch auf neue Vertriebswege über das Internet.

Die Aufkleber in kyrillischer Schrift auf den Geräten deuten es an: Was hier in der Montagehalle zusammengeschraubt wird, ist für den russischen Markt bestimmt. Bis nach Sibirien liefert die Kautz Starkstrom-Anlagen GmbH inzwischen ihre Produkte. "Wir wollen unseren Exportanteil weiter steigern", betont Geschäftsführer Rolf Kautz. Im vergangenen Jahr ist dies bereits gelungen, die Quote stieg um etwa ein Drittel. Geholfen hat dabei vor allem die Vermarktung über das Internet. Auf der viersprachigen Webseite kann sich der Kunde seine Anlage direkt am heimischen Rechner konfigurieren. Ähnlich wie bei einer Einbauküche lassen sich einzelne Schränke auswählen und mit den gewünschten Geräten bestücken. Nach wenigen Klicks erscheint ein Bild der fertigen Anlage auf dem Monitor. Die Idee dazu entstand, als sich ein Mitarbeiter ein Auto kaufte und den Wagen mit seiner kompletten Ausstattung schon bei der Bestellung auf dem Bildschirm ansehen konnte.Exporte steigen sprunghaft an

"Das machen wir auch", beschloss Rolf Kautz spontan. Bis zur Umsetzung war es jedoch noch ein weiter Weg, unzählige Fotos mussten aufgenommen werden, jedes Bauteil im gleichen Winkel aus der gleichen Entfernung. Alles wurde im eigenen Betrieb, der um die fünfzig Mitarbeiter zählt, entwickelt. Und die Mühe hat sich gelohnt, die Exporte stiegen sprunghaft an. Nicht nur für den Kunden hat die Anwendung Vorteile, sondern auch für den Unternehmer. "Ich spreche kein Russisch, aber wenn ich das Bild der Anlage sehe, weiß ich sofort, was der Kunde will", sagt Rolf Kautz, für den generell die Bedürfnisse seiner Abnehmer im Vordergrund stehen. So sind alle Produkte modular aufgebaut, als Konsequenz einer leidvollen Erfahrung: Hatte ein Kunde eine Anlage erworben und brauchte bald eine größere, musste die alte komplett ersetzt werden. Auch wenn mangelnde Weitsicht des Kunden der Grund war - den schwarzen Peter bekam Kautz. Heute kann in einer Trafostation einfach die Funktionseinheit ausgewechselt werden, und bei Energieverteilern ist der Anbau eines weiteren Feldes in wenigen Minuten erledigt. Möglich macht dies eine patentierte Sammelschienenverbindung aus wenigen einfachen Bauteilen, ebenfalls eine eigene Entwicklung aus jahrelanger Erfahrung. Produziert wird in Zusammenarbeit mit einer Behindertenwerkstatt - Arbeitsaufträge dorthin zu vergeben, ist Rolf Kautz ein besonderes Anliegen. Weil dem Mittelständler bewusst ist, dass er es nicht in allen Geschäftsfeldern mit den Großen der Branche aufnehmen kann, sucht er nach Nischen im Markt. Die hat er offensichtlich auch gefunden; zu seinen Kunden in ganz Europa zählen Flughäfen, Sportarenen oder Automobilzulieferer. Investitionen in eigene Forschung und Entwicklung bergen immer ein gewisses Risiko. Kautz muss seine Anlagen umfangreichen Prüfverfahren zur Zertifizierung unterziehen. "Dabei durchzufallen, können wir uns nicht leisten", sagt er. Andererseits ist Anpassung an die Bedürfnisse des Marktes unabdingbar. Denn auch das weiß der Unternehmer, der für seine Innovationen mehrfach ausgezeichnet wurde: "Stillstand heißt Rückschritt."

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