Sternengastronomie in Hunsrück-Idylle

Sternengastronomie in Hunsrück-Idylle

Wer durch die dichten Wälder des Hunsrücks fährt, dort, wo sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen, kommt schließlich nach Neuhütten. Hier kreiert das Ehepaar Schäfer-Detemple Speisen wie Gemälde.

Im "Le Temple" kredenzen Christiane Schäfer-Detemple und Oliver Schäfer seit 1994 solide Sterneküche - angelehnt an die Spezialitäten der Jahreszeiten, gepaart mit anschaulichen, experimentellen Arrangements.

Von Laufkundschaft kann im 800-Einwohner-Ort Neuhütten wohl keine Rede sein. Wer hierher kommt, der hat ein Ziel. Und das ist nicht selten das Sterne-Restaurant "Le Temple". Seit 1994 ziert ein Michelin-Stern die Küche von Christiane Schäfer-Detemple und Oliver Schäfer. Und auch die Tester der anderen einschlägigen Gourmet-Führer wie Gault Millau, Aral-Schlemmeratlas und Varta zeichnen das Haus regelmäßig mit hohen Punktzahlen, vielen Kochmützen und Bestecken aus. "Wer als Gast den weiten Weg zu uns findet, den müssen wie jeden Tag aufs Neue verzaubern", formuliert Christiane Schäfer-Detemple ihren Anspruch. Das bedeute, jeden Tag das Beste zu geben.

Deshalb ist den beiden Köchen besonders wichtig, dass die feinen Gerichte untereinander abgestimmt sind, die Zutaten frisch sind und wenn möglich auch aus der Region stammen, die Gewürze und Kräuter erlesen sind und - nicht zuletzt - alles optisch ansprechend ist. Schließlich isst das Auge mit. "Der Geschmack muss stimmen. Aber unser Ziel ist es auch, die Gerichte schön anzurichten", sagt Oliver Schäfer. Wenn dann der Gast von "Speisen wie Gemälde" spreche, sei man zufrieden.

Dazu greifen er und seine Frau auch schon mal in die kulinarische Trickkiste und probieren neue Dinge aus. Da wird zum Zwischengang der Taschenkrebs zum Tatar verarbeitet, um ein Safran-Chili-Eis ergänzt und mit einer Fenchelsuppe angerichtet. Oder: Der Sangria wird in ein Gelee verwandelt, um ein Sorbet mit feinster Orange und Lakritze arrangiert und auf einem Mandarinensorbet mit Möhrenschaum serviert. "Wir versuchen auch moderne Elemente in unsere Gerichte einfließen zu lassen. Das ist zwar eine Gratwanderung", sagt die Meisterköchin Christiane Schäfer-Detemple. Aber man werde den Gast nicht überfordern, sondern darauf achten, dass jede Zutat erkennbar sei.

Schon als Kind hat sie die Gastronomie hautnah mitbekommen, im gutbürgerlichen Restaurant der Eltern. 1992, nach der Lehre in einem Gourmetrestaurant und nach Jahren der Weiterentwicklung bei Spitzenkoch Helmut Thieltges in Dreis, übernimmt sie zusammen mit ihrem Mann den Familienbetrieb und verwandelt ihn nach und nach in ein Edel-Lokal. Kein einfaches Unterfangen, scheint sich doch für manchen Einheimischen Sternegastronomie und Hunsrückidylle zu widersprechen. Doch "Le Temple" hat sich mit seinen feinen Speisen und den eleganten Zimmern einen Namen gemacht, und auch außen führt der neue kubische Anbau das Konzept, gehobenes Essen in gemütlichem Ambiente zu erleben, fort.

Eine einnehmende Arbeit, an der die ganze Familie von der Oma bis zur Schwägerin beteiligt ist. "Wir haben nach Jahren der Erfahrung in anderen Restaurants in Neuhütten unseren eigenen Stil entwickelt", sagt Oliver Schäfer . Auch er war nach einer Lehre in Bernkastel-Kues und anderen Stationen im "Sonnora" in Dreis aktiv und hat dort seine Frau kennengelernt.

Für die eigene Selbstständigkeit war für das Köche-Paar schnell klar, dass eine gehobene Gourmetküche das gemeinsame Ziel werden sollte. "Exaktheit, Kreativität und Geschmackssinn" nennt der Meisterkoch die Ansprüche für das Arbeiten in der eigenen Küche.

Wenn Oliver Schäfer, der sich gern um die Fisch-und Fleischgerichte kümmert, davon erzählt, wie er eine Taube im Wasserbad gart, die Keulen mit Kräutern und Fett ummantelt und im Fett schmort, das Fleisch anschließend in Lauchasche wälzt und mit Sesam-Creme anrichtet, dann merkt man ihm seine Leidenschaft und Begeisterung für den Beruf an.

Und auch seine Frau liebt es, Essen als ein Erlebnis der Sinne zu präsentieren und abwechselnd Neues auszuprobieren. Jeder arrangierte Teller ist ein Unikat. "Wir machen nichts Halbherziges", sagt sie.
Nicht verwunderlich ist deshalb, dass Christiane Schäfer-Detemple als Spezialistin für feine Desserts mit viel Mühe und Geduld bis zu eine Woche lang Arbeit in neue Kreationen steckt: "Der letzte Gang muss ein krönender Abschluss sein."