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Streit im Erbfall vermeiden

Mit einem Testamentsvollstrecker geht der Erblasser auf Nummer sicher, dass nach seinem Tod sein letzter Wille tatsächlich beachtet und umgesetzt wird.

Fast jede fünfte Erbschaft endet im Zwist, so eine Umfrage des Instituts Allensbach. Auseinandersetzungen landen viel häufiger vor Gericht als früher, berichten Juristen. Es kann viele Gründe dafür geben, einen Testamentsvollstrecker zu bestellen. Mit ihm geht der Erblasser auf Nummer sicher, dass nach seinem Tod sein letzter Wille tatsächlich beachtet und umgesetzt wird.

Beim Erben ist Streit oft vorprogrammiert. Wer damit rechnet, dass nach seinem Tod die Erben sich über den Nachlass in die Haare kriegen, kann im Testament einen Testamentsvollstrecker benennen. Dieser sorgt dafür, dass das Erbe genau so verteilt wird, wie es der Wille des Verstorbenen war. Damit kann er auch dafür sorgen, dass bestimmte Vorgaben auch gegen den Willen der Erben durchgesetzt werden. „Das kann zum Beispiel die Auflage sein, dass ein Haus nicht verkauft wird, sondern im Familienbesitz bleibt“, sagt der Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht Anton Steiner. Aber auch in anderen Fällen ist ein Testamentsvollstrecker mitunter sinnvoll. Etwa dann, wenn die Erben minderjährig sind. „Ein Testamentsvollstrecker kann sich etwa auch darum kümmern, dass der Nachlass wie vom Verstorbenen gewünscht in eine Stiftung einfließt“, erläutert Eberhard Rott von der Arbeitsgemeinschaft Testamentsvollstreckung und Vermögensvorsorge.

Nachlassverwaltung mit

juristischen Kenntnissen

Prinzipiell kann jeder Erwachsene Testamentsvollstrecker werden. „Ganz wichtig ist natürlich, dass der Testamentsvollstrecker persönlich integer ist, weil er fremdes Vermögen verwaltet“, betont Steiner. Theoretisch kann ein Miterbe zum Testamentsvollstrecker bestellt werden. „Praktisch funktioniert das aber oft nicht“, weiß Rott. Eine neutrale Person ist oft die bessere Wahl. Weil für die Nachlassverwaltung meist steuerliche und juristische Kenntnisse nötig sind, bietet es sich an, auf ausgebildete Testamentsvollstrecker zu setzen. In der Regel ist es Aufgabe des Testamentsvollstreckers, den Nachlass zu verwalten, die Formalien abzuwickeln und die Auseinandersetzung zwischen den Miterben zu schlichten.

Rechte im

Testament festlegen

Welche Befugnisse der Testamentsvollstrecker im Einzelnen hat, kann der Erblasser im Testament festlegen. „Leider machen Erblasser von dieser Möglichkeit viel zu wenig Gebrauch“, so Rott. Das führt dann zu Unklarheiten und damit nicht selten zu Streit. Rott rät daher, Aufgaben und Rechte des Testamentsvollstreckers so detailliert wie möglich festzuschreiben und sich dabei auch von Fachleuten beraten zu lassen. „Der Testamentsvollstrecker hat letztendlich die gesamte Verfügungsmacht über den Nachlass“, stellt Rott klar.

Vergütung im

Testament regeln

Für die Vergütung des Testamentsvollstreckers gibt es keine gesetzlichen Vorgaben. „Sinnvoll kann es daher sein, wenn die Vergütung gleich im Testament geregelt ist“, so Rott. Maßstab ist in der Praxis häufig eine Richtlinie des Deutschen Notarvereins.

Danach richtet sich die Vergütung einerseits nach der Höhe des Nachlasses und andererseits nach Umfang und Schwierigkeitsgrad der Testamentsvollstreckung. „Bei einem Nachlasswert von einer Million Euro beträgt der Vergütungsgrundbetrag etwa 25.000 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer“, sagt Steiner.