Streit ums Original: Die Trierer Viezporz kommt vor Gericht

Streit ums Original: Die Trierer Viezporz kommt vor Gericht

Wie Trierisch ist die Viezporz aus der Eifel? Und ist sie das Original? Mit diesen Fragen wird sich am 18. April das Landgericht Trier beschäftigen. Eine Agentur verklagt einen Viezport-Produzenten aus Speicher wegen der Bezeichnung der Porzen im Internet.

Vergorener Apfelmost - das ist Viez, eine regionaltypische Spezialität, die es in dieser Form und unter diesem Namen nur in der Region Trier gibt. Besonders verbreitet ist der Viez in der Eifel, im Saargau und rund ums saarländische Merzig sowie in der heimlichen Viezhauptstadt Trier. Getrunken wird er in der Regel aus der Viezporz - einem weißen Porzellangefäß. Die meisten Viezporzen, die sich in Trier und Umgebung in Gaststätten finden, stammen von den Kunstkeramischen Werkstätten Gebrüder Plein in Speicher (Eifelkreis Bitburg-Prüm), zu erkennen am Logo GPS am Boden. Um diese Viezporzen, genauer gesagt um deren Bezeichnung als "Original Trierer Viezporzen" dreht sich ein Rechtsstreit, der wegen des auf 50.000 Euro angesetzten Streitwerts vor dem Landgericht Trier gelandet ist. Und bei dem selbst Experten bisher eher ratlos sind (siehe Text unten). Der Beklagte: Walter Plein führt die Kunstkeramischen Werkstätten in der Eifel seit dem Jahr 2000 in vierter Generation. Mal sind es nur einige Hundert, mal mehrere Tausend Viezporzen, die seine Werkstatt pro Jahr fertigt. Dass ihm die Viezporzen-Produktion einmal juristischen Ärger einbringen würde, damit hat er nicht gerechnet. "Ich verstehe die Welt nicht mehr", sagt der 46-Jährige. Vor mehr als 40 Jahren habe der Chef eines Trierer Gastronomiezulieferers seinem Vater den Auftrag zur Fertigung der Viezporzen gegeben. "Der hatte genaue Vorstellungen, wie die Porz aussehen soll. Danach hat mein Vater eine Zeichnung angefertigt, und so wurde gemeinsam das Modell entwickelt." 0,4 Liter Inhalt, der charakteristische Henkel, der markant nach außen gebogene Rand - diese Porz habe der Gastronomieservice dann in Trier als Original Trie8rer Viezporz an Einzelhändler und Gaststätten vermarktet. Daher würde der Artikel auch so auf der Internetseite seiner Eifeler Firma benannt, die nach wie vor Einzel- und Großhandel beliefert. "Ich weiß nicht, was wir falsch gemacht haben sollen", sagt Plein. Zwar seien auf alten Bildern aus Trier auch weiße Porzellanbecher zu sehen. "Das sind aber Standardformen, einfache Henkelbecher. Unsere Viezporz gibt es so nirgendwo sonst auf der Welt", sagt Plein. Sein Anwalt, Edgar Haubrich aus Bitburg, vertritt die gleiche Auffassung und ergänzt: "Mit dem Namen wird die geografische Besonderheit des Produktes betont." Der Kläger: Frank Reinardt ist Geschäftsführer der Trierer Marketing Agentur Linie Zwo. Er verkauft Werbemittel an Unternehmen, und zu diesen Werbemitteln gehören seit einigen Jahren auch Viezporzen, bedruckt mit Firmenlogos oder Sprüchen. Zu seinen ersten Kunden gehörte 2007 die Tourist-Information Trier (TIT) mit einer Serie von tausend Viezporzen mit dem auf Dialekt-Eigenheiten anspielenden Spruch "Nimmst du noch oder holst du schon?". Als bekannt wurde, dass diese Porzen aus China stammten, gab es eine Reihe von erbosten Leserbriefen im Volksfreund, deren Schreiber sich über den Import erregten. Die TIT orderte fortan die Porzen in Speicher. Erst seit dieser Zeit, kritisiert Reinardt, setze Plein voll auf die Bezeichnung "Original Trierer Viezporz". Linie Zwo verlor den Großauftrag. Sein Produkt werde seitdem als minderwertige Kopie dargestellt. Dabei sei es ein hochwertiges Produkt, eine filigrane Arbeit mit vernünftigem Preis-Leistungs-Verhältnis und genau so viel oder so wenig ein Original wie das Speicherer Modell, sagt der gebürtige Merziger. Denn: Reinardt besitzt eine Viezporz aus der Trierer Gastronomie, die seinen Recherchen zufolge zwischen 1966 und 1971 im fränkischen Selb - einer Porzellanhochburg - produziert wurde. Die erwähnten alten Fotos aus den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts zeigten außerdem ebenfalls weiße Porzen, sagt der 39-Jährige. "Was also macht die in der Eifel produzierte Porz zur Original Trierer Viezporz?", fragt Reinardt. Auch die Plein-Porz sei wohl eine Nachbildung älterer Modelle, genau wie sein in China gefertigtes Exemplar. Ob Plein die Bezeichnung "Original Trierer Viezporz" nun weiter verwenden darf oder nicht, entscheidet sich am 18. April um 9 Uhr im Trierer Landgericht. Viele Informationen rund um das Thema Viez finden Sie auch hier

Selbst Experten wissen nicht weiter

Der Versuch, die Ursprünge der Viezporz herauszufinden, ist ausgesprochen schwierig - selbst ausgewiesene Porzellanexperten wissen nicht weiter. Die Viezporz, soviel scheint nach einigen Recherchen sicher, ist offenbar noch nicht Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen gewesen. Der TV hat mehrere Sachverständige befragt, die normalerweise wertvolles Porzellan schätzen - zur Porz konnte keiner von ihnen Angaben machen. Einer der bundesweit ausgewiesensten Kenner der Materie ist Samuel Wittwer, der die Abteilung Schlösser und Sammlungen der Stiftung Preußische Schlösser in Potsdam leitet. Von der "Porz" hat er noch nichts gehört. Nach Betrachtung von Viezporz-Bildern fällt ihm auf, dass die Porzen "Bäderbechern" ähneln, die es lange Zeit in vielen Kurstädtchen gegeben habe. Die seien aus Glas, aber - etwa in Karlsbad - manchmal auch aus Porzellan gefertigt. Die Kurgäste hätten aus diesen Bechern das Heilwasser getrunken. Wittwer gibt freimütig zu, sich keinen rechten Reim auf die Porz machen zu können. "In der Form ist der Becher schon relativ charakteristisch, sehr speziell", sagt der Experte. Das bestätigt auch Gregor Scherf vom Landesamt für Denkmalpflege in Saarbrücken. Er war im Jahr 2000 Kurator der großen Ausstellung des Stadtmuseums Simeonstift zur Trierer Porzellanmanufaktur. Diese fertigte zwischen 1809 und 1821 in den Gebäuden des heutigen Studentenwohnheims Martinskloster am Moselufer überwiegend Kaffeeservices. Eine Porz ist Scherf bei den Recherchen zur Manufaktur nie untergekommen. Der Begriff "Porz" sei ihm auch nur in Trier begegnet, selbst im Saargau, ebenfalls Viezregion, sei der nicht gebräuchlich. In der Bretagne trinke man Cidre aus Henkeltassen, die aber anders aussähen wie die Viezporzen, weiß der Experte. mic Haben Sie Kenntnisse über die Porz-Herstellung oder die Porz-Geschichte? Steht bei Ihnen eine alte Porz auf dem Dachboden? Mailen Sie uns an trier@volksfreund.de , Stichwort "Viezporz" Für Kinder: Viez - was ist das denn?

Viez ist ein Getränk, das viele Erwachsene in Trier und Umgebung und in der Eifel gerne trinken. Es sieht aus wie Apfelsaft, es riecht auch ein bisschen wie Apfelsaft - aber es ist kein Apfelsaft. Viez wird aber aus Apfelsaft gemacht, bloß: Es ist Alkohol drin. Nichts für Kinder also. Und das nicht nur, weil man davon betrunken wird, sondern weil Viez gar nicht süß wie Apfelsaft ist, sondern sauer. IIIhhhh! mic

Viez-Jupp: Der Inhalt zählt

 Hersteller und Beklagter: Walter Plein aus Speicher mit einer fertigen Porz (links) und einem Rohmodell.
Hersteller und Beklagter: Walter Plein aus Speicher mit einer fertigen Porz (links) und einem Rohmodell. Foto: Friedemann Vetter
 Verkäufer und Kläger: Frank Reinardt aus Trier mit der fränkischen Porz. Im Hintergrund einige der in China hergestellten Trinkgefäße.
Verkäufer und Kläger: Frank Reinardt aus Trier mit der fränkischen Porz. Im Hintergrund einige der in China hergestellten Trinkgefäße. Foto: Friedemann Vetter
 Ein zumindest ähnlicher Becher soll auch in den 60er Jahren im Fränkischen Selb hergestellt worden sein.
Ein zumindest ähnlicher Becher soll auch in den 60er Jahren im Fränkischen Selb hergestellt worden sein. Foto: Friedemann Vetter

Das Topthema für die Diskussionen mit der Verwandtschaft an den Feiertagen steht fest: Der Streit um die "Original Trierer Viezporz"! Bin mal gespannt, was der liebe Eifel-Pitter über den Fall sagt, wenn er an Ostern zu Besuch kommt. Ich finde es etwas übertrieben, wegen einer Porz vor den Kadi zu ziehen. Okay, Porz ist nicht gleich Porz. Sie muss weiß sein, gut in der Hand liegen und den Viez elegant über den Rand in den Mund abfließen lassen. Das Trierer Modell hat sich bewährt und verkauft sich gut - kein Wunder, dass die Chinesen da nachziehen und den Weltmarkt mit ihren Porzen fluten wollen. Die "Original Trierer Viezporz" kommt also angeblich aus Speicher. Naja, ich wusste gar nicht, dass wir nach Ehrang und Filsch jetzt auch noch Speicher eingemeindet haben. Das liegt doch ziemlich weit im Norden, da müssen die Stadtwerke ihr Busliniennetz ganz schön ausweiten. Die Verhandlung am Landgericht schaue ich mir auf jeden Fall an. Wenn die sich nicht einigen können, mache ich einen Vorschlag: Beide Seiten treffen sich mit mir zusammen in einer urigen Trierer Kneipe. Dort trinken wir gemütlich die ein oder andere Porz und werden vielleicht sogar Freunde. Die Wahrheit liegt ohnehin IN der Porz. Wer würde bestreiten, dass es nicht auf Material und Form, sondern vor allem auf den Inhalt ankommt? Der Viez macht's!

Euer Viez-Jupp