The Evil Within 2

The Evil Within 2

Schlaflose Nächte – die werdet ihr jedenfalls nach diesem packenden Horror-Trip haben. Ein Spiel, das Ängste bestens zu schüren weiß.

Vielleicht werde ich ja zu alt dafür: Aber als ich "The Evil Within 2" zum ersten Mal gespielt habe, war mir klar, dass ich das nicht nach Anbruch der Dunkelheit tun kann - so viel Horror vertrage ich abends einfach nicht mehr. Für das Spiel selbst ist das ja schon mal ein starkes Qualitätsmerkmal. Wer gerne mal länger aufbleiben möchte, sollte das hier also spielen: Danach werdet ihr sicherlich keine Probleme haben wachzubleiben.

Ein Meister seines Fachs

Das ist ja auch kein Wunder, wenn Shinji Mikami seine Finger im Spiel hat: Der Kreativkopf zeichnete sich auch für etliche "Resident Evil"-Spiele verantwortlich und den Teufel das Weinen gelehrt ("Devil May Cry"). Auch diesmal tobt er sich in seinem Lieblingsgenre, dem Survival-Horror, mächtig aus. Im Mittelpunkt des Geschehens steht der ehemalige Detektiv Sebastian Castellanos, den einige bereits aus dem Vorgänger kennen. Dieser muss nach schweren Schicksalsschlägen erfahren, dass es vielleicht doch noch Hoffnung gibt: Seine tot geglaubte Tochter Lilly ist anscheinend noch am Leben - und Sebastian soll sie retten. Das Problem an der Sache: Lilly steckt in der STEM-Maschine fest. Dies ist eine Art Paralleluniversum, das von allerlei schrecklichen Alpträumen bevölkert wird. Damit hatte es Sebastian schon im ersten Teil zu Genüge zu tun. Ein paar Oberschurken wie ein verrückter Künstler oder ein fanatischer Priester machen die Suche nach Lilly natürlich nicht leichter.

Das Gameplay selbst unterscheidet sich deutlich vom Vorgänger: Diesmal dürft ihr aus der Third-Person-Perspektive meist frei entscheiden, wie ihr vorgehen möchtet. Ballert ihr euch durch die Monsterhorden (Vorsicht: Munition ist sehr knapp!) oder schleicht ihr euch an den meisten Mutanten vorbei - was allerdings nicht immer funktioniert. Geballert wird am Ende nämlich immer. Jedenfalls gibt euch das offenere Leveldesign mehr Möglichkeiten euer Ziel zu erreichen. Seid ihr im ersten Teil noch oft engen Schlauchlevels gefolgt, so könnt ihr euch nun fast frei bewegen, was dem Ganzen eine völlig neue Dynamik verleiht. Außerdem - und das ist lediglich eine persönliche Einschätzung - traf ich auf keine Stelle, die so unfair war, dass sie mich gefrustet hätte. Beim ersten Teil sah das nämlich anders aus… Damit ihr euch nicht verlauft, haben euch die Entwickler einen Kommunikator ins Gepäck gelegt. Diesen gebraucht ihr, um euch zurechtzufinden und Infos über die Gegend zu sammeln.

Die Ruhe vor dem Sturm

Dauer-Action oder -Stress mag niemand. Dass euer Adrenalinpegel sinken kann, gibt es Sebastians Sicherheitsräume. In diesen habt ihr allerhand zu tun: Zum einen könnt ihr dort neue Fähigkeiten erlernen, um euren eigenen Spielstil zu unterstreichen. Aber wie gesagt: Schleicher sollten auch ein paar Punkte in den Umgang mit Waffen stecken, da ihr diese früher oder später definitiv brauchen werdet. Apropos Waffen: An einer Werkbank dürft ihr daran herumbasteln - sofern ihr genügend Waffenteile habt. Auf diese Art verbesserte ihr eure Schießprügel Stück für Stück. Einen kräftigen Schluck Kaffee gibt es natürlich auch: Der heilt eure Wunden. Und zu guter Letzt wartet noch die Schießbude auf euch: Dort übt ihr nicht nur den Umgang mit euren Waffen, sondern könnt in zwei verschiedenen Spielmodi zusätzliche Ressourcen hinzuverdienen. - die Aufenthalte in den Sicherheitsräumen lohnen sich also vollkommen.

Sobald ihr wieder in der unheimlichen STEM-Stadt seid, könnt ihr eure neuen Skills gleich ausprobieren. Zu Beginn agieren die Monster fast schon harmlos, was nicht bedeuten soll, dass sie euch immer wieder einen ordentlichen Schrecken einjagen. Allerdings werden die Biester gerade ab der Hälfte des Spiels noch einmal ein ordentliches Stück zäher. Das Design dieser Viecher ist ebenso abstoßend, wie faszinierend. Und was soll ich sagen: Nach einigen Stunden habe ich mich sogar daran gewöhnt - wohl ganz normal für solche Horrorspiele.

Was mich überraschte: Während des Spielens tauchten immer wieder kleine Rätsel zur Auflockerung auf - sehr nett. Und dann die Bosskämpfe: Nur mit der richtigen Taktik werdet ihr diese dicken Brocken fällen können. Ich jedenfalls durfte öfters Lehrgeld bezahlen…

Fazit

Mein abschließendes Resümee: Wer auf Survival-Horror-Spiele steht, für den gibt es derzeit wohl keine bessere Kost. "The Evil Within 2" ist abgedreht, schön ecklig und geizt nicht mit Schreckmomenten. Die anschauliche Optik setzt das natürlich prächtig in Szene. Nur bei der Story wird es - typisch japanisch - für meinen Geschmack etwas zu abgefahren. Was die Spielmechanik angeht, da haben die Entwickler aus dem Vorgänger gelernt und das Skill-System stark verbessert. Ebenso kommt die offenere Levelgestaltung dem Ganzen zugute und bringt frischen Wind ins Genre. Wer mal wieder richtig Lust auf eine Adrenalingeladene Gruselgeschichte hat, dem kann ich das hier nur empfehlen. Ich mach die Konsole jetzt aber aus - es wird langsam dunkel …

Erhältlich für: Xbox One, PS 4, PC
Website: theevilwithin2.bethesda.net