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300 Gäste, drei Bewerber, ein Amt

300 Gäste, drei Bewerber, ein Amt

(Kommunal-)Politikverdrossenheit? Zumindest nicht in Gerolstein. Gut 300 Bürger sind am Mittwoch ins Rondell gekommen, um das Aufeinandertreffen der drei Bewerber für das Amt des Stadtbürgermeisters beim TV-Kandidatenforum zu erleben.

Gerolstein. Wer führt die Stadt Gerolstein in den nächsten fünf Jahren? Eine Frage, an der in der Brunnenstadt viele Bürger offensichtlich großes Interesse haben. Beleg dafür: die Resonanz auf die Einladung des Trierischen Volksfreunds zum Kandidatenforum in der Stadthalle Rondell.kommunalwahl 2014


Rund 300 Bürger sind gekommen, um die drei Bewerber live zu erleben und um auch die eine oder andere Frage loszuwerden. Wer will es werden? Da ist der Amtsinhaber Bernd May, Immobilienmakler, parteilos, passionierter Tennisspieler, der Nachfolger von Karl-Heinz Schwartz (CDU), der vor knapp vier Jahren völlig überraschend zurückgetreten war. May verweist auf die Erfolge seiner bisherigen Amtszeit wie den Bau der Kindertagesstätte Kleine Helden, aber auch darauf, dass noch einiges zu tun sei.
Und wer die künftigen Aufgaben am besten anpacken könnte, daran lässt der Amtsinhaber während des ganzen Abends keinerlei Zweifel: er selbst. Er stehe für Kontinuität, die Arbeit gehe nahtlos weiter, wenn er gewählt werde, es gebe keine Verzögerungen, die entstünden, wenn ein neuer Stadtbürgermeister ins Amt käme.Kandidatur mit 75


Herausgefordert wird May von Friedhelm Bongartz, CDU, Rentner, mit 75 der älteste der Kandidaten. Obwohl: "Das mit der 75 ist ein Zahlendreher", er fühle sich wie 57, scherzt er, und spielt damit auf die Diskussion um sein Alter an. Er sei fit für die Arbeit, die auf ihn als Stadtbürgermeister zukomme. Auf die Frage, ob er nur Übergangskandidat der CDU sei und von vornherein eine zweite Amtszeit ausschließe, sagte Bongartz: "Nein, bin ich dann so fit wie ich mich heute fühle, ist das durchaus denkbar."
Ganz kurz vor Bewerbungsschluss hat Heinz Weber (FWG) seinen Hut in den Ring geworfen. Er, in seiner Zeit als Gewerbevereinsvorsitzender stets kritischer Begleiter der Stadtpolitik, habe lange überlegt, ob sich seine vielfältigen unternehmerischen Aktivitäten mit dem zeitaufwendigen Stadtbürgermeisteramt verbinden lassen.
Am Ende dann die Entscheidung für die Kandidatur, wohl auch, weil er so vieles bemängelt in der Stadt. "Die Parteien wursteln seit 30 Jahren vor sich hin", kritisiert der 62-Jährige den - aus seiner Sicht - Stillstand in der Stadt. Aus deren guter geografischer Lage müsse viel mehr gemacht werden, so sein Appell.
Ein dickes Thema für beide Herausforderer: Bürgerbeteiligung. Wenn der CDU-Kandidat die mangelnde Einbeziehung der Bürger kritisiert, ist klar, wen er dafür verantwortlich macht. "Die Leute fühlen sich nicht mitgenommen", was er als Stadtoberhaupt ändern werde. Er kündigt an: jedes Vierteljahr eine Bürgerversammlung, wenn er gewählt wird. Weber will gar nicht groß hervorheben, dass auch er für mehr Bürgerbeteiligung ist: "Das hat sich die FWG schon immer auf die Fahne geschrieben."
Weber und Bongartz setzen immer wieder kleine Spitzen gegen den Amtsinhaber, aber der "Frontalangriff" bleibt aus, die Diskussion bleibt durchweg fair. Und: May pariert alle Attacken.
Und es herrscht auch immer mal wieder Einigkeit, wie beim Thema Hotel Calluna. Die Stadt Gerolstein brauche ein solches Haus wie das im Jahr 2012 geschlossene Vier-Sterne-Haus."Unerträglicher Zustand"


Moderator Mario Hübner spricht den Amtsinhaber auf das gestörte Verhältnis von ihm als Stadt- und Matthias Pauly (CDU) als Verbandsgemeindebürgermeister an. Ja, da gebe es durchaus "Wachstumspotenzial in der Zusammenarbeit", wählt May eine zunächst wolkige Umschreibung, wird dann - als nochmals nachgehakt wird - aber doch konkreter: "Es ist ein unerträglicher Zustand." Den er ändern will: Er werde zügig das Gespräch mit Pauly suchen, wenn er wiedergewählt werde, kündigt May an.
Auch viele Bürger nutzen die Chance, die Kandidaten zu befragen, das Interesse konzentriert sich aber so stark auf den Amtsinhaber, dass Mario Hübner das Publikum motiviert, auch die Herausforderer zu befragen. "Sonst wird es ihnen langweilig hier oben auf der Bühne."
Nach fast zweieinhalb Stunden ist Schluss, und viele Fragen sind beantwortet worden. Nur die wichtigste noch nicht: Wer führt die Stadt Gerolstein in den nächsten fünf Jahren? Am Sonntag gegen 19.30 Uhr dürfte feststehen, ob einer der Kandidaten schon im ersten Wahlgang das Rennen für sich entschieden hat. Wenn nicht, müssen die Gerolsteiner am Pfingstsonntag noch mal ran an die Urne.Extra

"Punktsieg" für die Brunnenstadt: Im immerwährenden "Wettstreit" der beiden großen Städte des Kreises Vulkaneifel hat Gerolstein in dieser Woche Daun abgehängt. Zumindest was die Zahl der Zuschauer bei den Stadtbürgermeisterforen des Trierischen Volksfreunds angeht. Gut 200 waren es in Daun, rund 300 in Gerolstein. Interessierter Beobachter: Ein Landrat hat bekanntliche jede Menge Verpflichtungen und Termine. Und wenn er mal frei hat, was macht er dann? Heinz-Peter Thiel hat jedenfalls den Dienstag- und den Mittwochabend genutzt, die TV-Stadtbürgermeisterforen in Daun und Gerolstein zu verfolgen. Kann ja auch nichts schaden, sich anzuschauen, wer ein künftiger Gesprächspartner sein könnte. Schließlich steuern die beiden Städte auch ein (nicht unerhebliches) Scherflein zur Füllung der Kreiskasse bei. sts