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Abend der klangvollen Nebengeräusche - Spannende TV-Theaterdiskussion mit den drei OB-Kandidaten

Abend der klangvollen Nebengeräusche - Spannende TV-Theaterdiskussion mit den drei OB-Kandidaten

Die Zukunft der Kultur in Trier stand im Mittelpunkt der dritten "TV vor Ort"-Veranstaltung mit den Kandidaten der Oberbürgermeisterwahl. Es war die bisher zugkräftigste. 200 Besucher im vollbesetzten Theaterfoyer erlebten eine mehr als zweistündige, zwar nur zeitweise kontroverse, aber dennoch aufschlussreiche Diskussion.


Hiltrud Zock, die für die CDU ins Rennen um den OB-Posten geht, kennt als Vorsitzende des Vereins Theatergesellschaft die Misere zur Genüge. Sollten ihre Mitbewerber Wolfram Leibe (SPD) und Fred Konrad (Grüne) noch Informationsbedarf gehabt haben, so wurde der im sehr effektiven Schnelldurchlauf gedeckt. Die gut 20-minütige Hinter-den-Kulissen-Führung mit Technik-Chef Peter Müller offenbarte sehr eindrucksvoll die Malaisen des Theatergebäudes am Augustinerhof: Bereiche, die eng kooperieren müssen, liegen notgedrungen weit voneinander entfernt. Die Anliefermöglichkeiten sind miserabel, die Arbeitsbedingungen ebenfalls. "Das ist dem nie realisierten zweiten Bauabschnitt geschuldet", versuchte Müller das unerklärliche, mittlerweile 50 Jahre alte Dauerprovisorium zu erklären.

Bei der spannenden Frage, ob denn nun ein Neubau oder eine Sanierung das Theater fit für die Zukunft macht, wollten sich die Kandidaten nicht festlegen - verständlich in Anbetracht von im Raum stehenden Summen ab 22 Millionen Euro aufwärts. Einig war sich das Trio aber in der Aussage, dass die umliegenden Landkreise finanziell ebenfalls mit ins Boot genommen werden sollten. Und, wie Hiltrud Zock meinte, auch private Stiftungen.

Wolfram Leibe sieht das skeptischer: "Wenn wir uns für einen Neubau entscheiden, dann sollten wir selbst bauen und nicht ,zur Miete' Theater machen." Fred Konrad ließ erstmals mit einem Schlenker Richtung Kommunalreform aufhorchen. Mögliches Zukunftsmodell: ein Stadtverband statt starrer Stadt- und Kreisgrenzen.

Zweiter Aufhorcher Konrads: Dem künftigen Intendanten Karl Sibelius wolle er als Stadtoberhaupt "nicht in die künstlerische Verantwortung reinreden. Sollte das die Grundqualifikation für den neuen OB sein, dann dürfen Sie mich nicht wählen."

Hiltrud Zock und Wolfram Leibe punkteten mit einer Feststellung zur Zukunft des Standorts der Europahalle. Die vielfach gehegte Befürchtung, er werde von einem großen Einkaufscenter "geschluckt", sei unbegründet. Beide unisono: Das Thema habe sich an dieser Stelle erledigt. Reaktion: erfreutes Staunen im Publikum.

Wo sollte denn im Falle des Falles ein Theaterneubau entstehen? Auf keinen Fall, wie aus dem Publikum angeregt, an der Peripherie. Leibe: "Dort haben wir keine Grundstücke. Auch Hiltrud Zock favorisiert den bisherigen Standort und seine unmittelbare Nähe: "Ich meine, der gesamte Augustinerhof darf neu gedacht werden."

Einig war man sich in der Auffassung, dass Trier "ein gutes eigenes Theater" brauche und die gesamte Kulturszene mit einbeziehe. Konrad: "Wir schaffen keine zusätzliche Nachfrage, wenn die dasselbe Angebot machen wie Koblenz, Saarbrücken, Kaiserslautern oder Luxemburg."